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Wenn in den Nachrichten der Krieg Israels und der USA gegen den Iran Thema ist, dann stehen – neben solchen Details, welches Ziel aktuell angegriffen und getroffen wurde – in der Regel drei Fragen im Fokus. Was wird unter den Bedingungen eines Angriffs von außen aus dem gesellschaftlichen Widerstand gegen reaktionäre und autoritäre Verhältnisse im Iran? Wie verschiebt sich zweitens das Kräfteverhältnis in der Konfrontation zwischen Israel und dem Iran, die von wechselseitigen Vernichtungsabsichten geprägt ist? Und wie wirkt sich drittens die Störung des Schiffsverkehrs auf die Weltwirtschaft und nicht zuletzt auf die Spritpreise in Deutschland aus?
Zweifellos hat die Beschäftigung mit diesen komplexen Zusammenhängen ihre Berechtigung; wir wollen mit dieser Ausgabe einer Aufmerksamkeitslücke begegnen, die sich an anderer Stelle auftut. Völlig in den Hintergrund getreten ist in der medialen Bearbeitung, was in den ersten Kriegstagen als Legitimation des Angriffs angeführt wurde: Ziel der massiven Bombardierungen und der extralegalen Tötungen sei es, die Staatsführung des Iran daran zu hindern, die vorhandene Infrastruktur an Atomanlagen zum Bau von Atomwaffen zu nutzen.
So sehr wir es begrüßen würden, wenn im Iran (und überall auf der Welt) alle Atomanlagen stillgelegt würden, müssen wir hier auf ein eklatantes Missverhältnis hinweisen: zwei Staaten, die für sich herausnehmen, Atomwaffen zu haben, verwehren einem anderen Staat den Besitz von Atomwaffen mit der Begründung, dass der die einsetzen könnte, und drohen zur Durchsetzung tatsächlich damit, Atomwaffen einzusetzen.
Verstandesmäßig fassen lässt sich das nicht.
In diese Widersprüchlichkeit tauchen die ersten beiden Beiträge ein und gehen der
Frage nach, wer ›die Bombe haben darf‹. Nämlich eigentlich niemand. Über diese allgemeine und gleichwohl richtige Feststellung hinaus untersucht der Themenschwerpunkt weitere wichtige Aspekte von ›Uran im Iran‹; ein Beitrag unter der Überschrift ›Kapitalismus, du Opfer!‹ setzt sich mit der ökonomischen Seite auseinander. Auch wenn kriegerische Handlungen den Interessen ungestörter Kapitalverwertung entgegenständen, kommt der Autor zu dem Ergebnis: Kapitalismus und Krieg sind keine Gegensätze.
Sie gehören zusammen.
Und noch etwas scheint der Logik dieser Wirtschaftsweise zwanghaft zu folgen. Seine inneren Widersprüche bringen das System der Weltwirtschaft dem Kollaps nahe. Der menschengemachte Klimawandel beschleunigt sich dramatisch; Kriege spitzen beides zu und bringen unfassbares Leiden und Zerstörung mit sich. In dieser herausfordernden Kulisse lockt Atom mit der Doppelpackung einer energetischen Basis und dem Potential militärischer Abschreckung. Wir sind uns sicher: solche atomaren Verheißungen bieten für all dies keine Lösung. Im Gegenteil! Die Nutzung der Atomenergie und die nukleare Aufrüstung rücken die Zerstörung aller Lebensgrundlagen in eine bedrohliche Nähe. Ach wenn doch jemand hörte!