Grünes Licht für die ANDRA
Die Französische Atomaufsicht ASNR
ebnet den Weg für ein Atommüll-Endlager Cigéo
von AntiAtomNetz Trier
Das geplante Endlager Cigéo (Centre industriel de stockage géologique) in Bure (Département Meuse) ist das Herzstück der französischen Atomstrategie. Es soll hochradioaktive und langlebige mittelradioaktive Abfälle aufnehmen. Ohne eine scheinbar „gelöste“ Entsorgungsfrage würde die gesamte Atommüllkette – und damit der Weiterbetrieb der französischen AKWs, gezwungenermaßen zum Stillstand kommen.
Da Frankreich weiterhin AKWs betreibt und täglich neuen hochradioaktiven Atommüll produziert, ist die tatsächliche Menge des sicher zu lagernden Atommülls nicht eindeutig berechenbar. Die Behauptung, bald ein Endlager zu haben, legitimiert den Weiterbetrieb des immer gefährlicher werdenden französischen Atomparks. Diese Legitimierung ist fragwürdig, da Kritik und Gefahren weiter bestehen. Dies gilt insbesondere für die zunehmend alternden Reaktoren, einschließlich der Pannenreaktoren von Cattenom.
Das Endlagerprojekt Cigéo ist somit sowohl eine direkte Folge der Atompolitik als auch eine notwendige Voraussetzung für den Weiterbetrieb der französischen AKWs. Die aktuelle Stellungnahme der französischen Atomaufsicht ASNR ist daher ein hochrelevanter und alarmierender Schritt.
Aufsichtsbehörde bewertet Sicherheitsnachweis als „zufriedenstellend“
Die französische Behörde für nukleare Sicherheit (Autorité de Sûreté Nucléaire et de Radioprotection ASNR) hat am 04. Dezember 2025 ihre mit Spannung erwartete Stellungnahme zum Antrag der Andra auf Genehmigung zur Errichtung des Tiefenlagers Cigéo veröffentlicht.
Die Kernpunkte des Berichts:
- Zufriedenstellender Sicherheitsnachweis:
Nach umfassender technischer Prüfung und Konsultation hält die ASNR die von der Andra erworbenen Kenntnisse und den vorgelegten Sicherheitsnachweis für die Betriebs- und Nachbetriebsphasen zum aktuellen Zeitpunkt des Antrags auf Errichtungsgenehmigung für zufriedenstellend.
- Vervollständigung notwendig:
Die ASNR macht jedoch klar, dass der Sicherheitsnachweis noch vervollständigt werden muss, bevor die geplante, auf eine industrielle Pilotphase beschränkte Inbetriebnahme starten kann.
- Weg frei für die Öffentlichkeit:
Die Behörde ist der Ansicht, dass der Antrag, nachdem die Andra ihre im Prüfverfahren eingegangenen Verpflichtungen erfüllt hat, zur öffentlichen Untersuchung weitergeleitet werden kann.
- Umfassender Prozess:
Die Stellungnahme basiert auf Gutachten von Sachverständigen (inkl. des vormals eigenständigen IRSN) und einem Dialog mit Interessengruppen, einschließlich einer öffentlichen Konsultation vom 3. Oktober bis 6. November 2025.
Die Haltung der ASNR ist hochproblematisch und zeugt von einem fatalistischen Entgegenkommen gegenüber der Atomindustrie. Wir sehen darin eine grüne Welle für ein ungelöstes Sicherheitsproblem.
Unsere Hauptkritikpunkte:
- Ungelöste Sicherheitsprobleme werden vertagt:
Die Behörde selbst bestätigt, dass der Sicherheitsnachweis „vervollständigt werden“ muss. Ein Projekt, das unsere Nachfahren für Hunderttausende von Jahren belasten soll, darf keine fundamentalen Sicherheitslücken aufweisen, die erst nach der Baugenehmigung geflickt werden sollen. Die Aussage „zufriedenstellend“ ist nicht gleichbedeutend mit sicher!
- Ignorierte Bedenken
Obwohl die Konsultation mit Interessengruppen erhebliche Bedenken in Bezug auf konkrete Risiken und die Überwachung der Andra-Verpflichtungen zutage gefördert hat, wurden diese lediglich zur Kenntnis genommen. Das Verfahren wird unaufhaltsam fortgesetzt. Dies ist ein Schein-Dialog und eine Farce der Bürgerbeteiligung zugunsten des industriellen Zeitplans.
- Kein wirklich demokratisches Verfahren
Die Beteiligung erfolgt ohne tatsächliche Mitsprache, es geht nur darum, den Anschein zu wahren. Bei der Tragweite dieses Projektes mit europäischer Dimension hätten alle Anrainerstaaten wirksam eingebunden werden müssen.
- Die Illusion der Endlagerung
Die Lagerung von hochradioaktiven, langlebigen Abfällen ist ein unlösbares ethisches Problem. Es gibt keine Technologie, die eine hundertprozentige Sicherheit über Zeiträume von 10.000 Jahren und mehr garantieren kann. Mit Cigéo bürden wir künftigen Generationen eine tickende Zeitbombe auf, für die sie keine Verantwortung tragen.
Wo und wie der Müll am Ende dauerhaft gelagert wird, sollte eine fundierte wissenschaftliche Entscheidung sein, keine politische. Da aber mit der Vorfestlegung auf Bure andere Standorte und Lagerverfahren ausgeschlossen wurden, bleibt die grundlegende Fragwürdigkeit des Standorts Bure im Lehm-Ton-Gestein.
Bisherige geologische Zeiträume und Vorhersagen können durch den beschleunigten Klimawandel nicht mehr so sicher eingeschätzt oder wahrscheinlich prognostiziert werden. Das gilt für geologische Stabilität und mögliche tektonische Verschiebungen sowie hydrogeologische Gegebenheiten. Es fehlen Vorkehrungen und Maßnahmenpläne für die Rückholbarkeit des Atommülls sowie für den Umgang mit hochradioaktivem Material im Havariefall.
Wir fordern die sofortige Einstellung des Cigéo-Projekts! Es ist ethisch unverantwortlich und technisch nicht abschließend nachgewiesen, dass diese Langzeitlagerung sicher ist. Die Atomaufsicht lässt sich hier von der Atomlobby instrumentalisieren.
Die Endlagerpläne in Bure müssen gestoppt werden!
//bureburebure.info17.12.25