Asse: Wohin mit dem Atommüll?

Zwischenlager als Dauerlager? Endlager?

Der Atommüll in der Asse soll herausgeholt werden. Und dann in ein Zwischenlager kommen. Wo soll das sein und wie lange bis zum Endlager?

Die BGE, die auch mit der Suche nach einem Endlager für den hochradioaktiven Abfall betraut ist, hatte kürzlich mitgeteilt, dass ein Standort dafür im günstigsten Fall 2046, im ungünstigen Fall sogar erst 2068 benannt werden kann.

Gleichzeitig soll nach dem derzeitigen Planungsstand der BGE die Rückholung der Atommüllfässer aus der Asse im Jahr 2033 beginnen. An der Oberfläche sollen die radioaktiven Abfälle zunächst neu verpackt und in einem Zwischenlager geparkt werden.

Unklar ist bislang, ob der Asse-Müll später mit in das zu suchende Endlager für hoch radioaktive Abfälle kommen kann oder ob dafür eine weitere Lagerstätte gefunden werden muss. Im Standortauswahlgesetz heißt es dazu, dass eine Endlagerung von schwach und mittelstark radioaktivem Atommüll im Endlager für hoch radioaktiven Müll zulässig ist, "wenn die gleiche bestmögliche Sicherheit des Standortes wie bei der alleinigen Endlagerung hochradioaktiver Abfälle gewährleistet ist".

"Je später ein Standort für ein Endlager für hoch radioaktiven Atommüll gefunden wird, desto später wird sich klären, ob dieses Endlager auch für den Atommüll aus Asse II geeignet ist", sagt Eleonore Bischoff von der Wolfenbütteler Atom-Ausstiegsgruppe (WAAG).

    Aus dem Zwischenlager wird ein Dauerlager

Und selbst wenn, sei davon auszugehen, dass in einem künftigen Gemeinschafts-Endlager zuerst der hoch aktive Atommüll eingelagert wird, bevor die Einlagerung von weniger stark radioaktivem Müll folgt. Sollte sich indes herausstellen, dass das Endlager für den hochradioaktiven Müll für die Asse-Abfälle nicht taugt, müsse die Endlagersuche für diesen Müll neu gestartet werden. Da dürfte Jahrzehnte dauern.

In das ehemalige Eisenerzbergwerk Schacht Konrad in Salzgitter, das zurzeit zum nationalen Endlager für schwach und mittelradioaktive Abfälle ausgebaut wird, können die Asse-Fässer nicht gebracht werden. Schacht Konrad ist nur für 303?000 Kubikmeter Atommüll genehmigt und bereits für Material aus dem Abriss von AKW sowie für Abfälle aus Forschung und Medizin verplant. Für den strahlenden Schrott aus der Asse, der neu verpackt mindestens ein Volumen von 100?000 Kubikmetern umfasst, wäre dort damit kein Platz.

Die Betriebsdauer eines Asse-Zwischenlagers lasse sich dann gar nicht mehr eingrenzen, es werde "zu einem Dauerendlager und zu einer radioaktiven Belastung nicht nur der gegenwärtigen, sondern auch mehrerer zukünftiger Generationen", so Bischoff.

Heike Wiegel vom atomkraftkritischen Verein "AufpASSEn" verlangt, dass die Suche nach einem eigenen Endlager für den Atommüll, der aus der Asse zurückgeholt werden soll, unverzüglich beginnen muss. "Die fahrlässige Verzögerung der Endlagersuche für den Atommüll aus Asse II muss ein Ende haben", fordert Mitstreiter Andreas Riekeberg vom Asse-II-Koordinationskreis. "Die fahrlässige Verzögerung der Endlagersuche für den Atommüll aus Asse II muss ein Ende haben", fordert Mitstreiter Andreas Riekeberg.

    Dissens über Ort des Zwischenlagers

Streit gibt es auch darüber, wo das Zwischenlager gebaut wird. Während sich die BGE auf einen Standort in unmittelbarer Nähe des Bergwerks festgelegt und dafür auch schon Grundstücke gekauft hat, verlangen Kommunen und Bürgerinitiativen vergeblich, dass auch Asse-ferne Standorte geprüft werden. Sie verweisen dabei auf die ohnehin schon bestehende Strahlenbelastung für die Einwohner von Gemeinden in der Nähe des Bergwerks wie etwa Remlingen.

Weil sich die BGE in dem Konflikt nicht bewegt, hat die Asse-2-Begleitgruppe ein regionales Gremium, das die Interessen der Region vertritt den Begleitprozess zur Schließung des Atomlagers kürzlich für beendet erklärt.

Es bestehe aber die "skeptische Bereitschaft", so die Landrätin Steinbrügge gemeinsam mit den anderen Akteuren anstelle der bisherigen Begleitung einen gut durchdachten Beteiligungsprozess auszuarbeiten.

    Die Zeit drängt

Sorge bereiten bei diesen vielen ungelösten Fragen, die anhaltenden Wassereinbrüche. Im vergangenen Jahr flossen durch Risse im Salz und im unterirdischen Gebirge rund 5.000 Kubikmeter Salzwasser in das Bergwerk. Der größte Teil davon wird aufgefangen, bevor er in Kontakt mit den eingelagerten radioaktiven Abfällen kommt.

Doch sickern darüber hinaus noch rund 15 Liter pro Tag auch durch die Einlagerungskammern und werden durch radioaktive Stoffe kontaminiert, hauptsächlich durch Tritium und Cäsium-137. Dieses kann allerdings ein großes Problem werden: Die Fässer sollten trocken gelagert werden, außerdem birgt die Feuchtigkeit die Gefahr, dass Teile der Stollen einbrechen. Ein Wettlauf gegen die Zeit. Sollte deutlich mehr Lauge in das Bergwerk fließen, könnte die Rückholung des Atommülls buchstäblich ins Wasser fallen. Gelangt der radioaktive Abfall in die Umwelt, wird dies verheerende Auswirkungen haben.

Die Nachbarschächte des Bergwerks, Asse I und Asse III, waren übrigens schon früher vollgelaufen und aufgegeben worden.@

Quellen:
nd-aktuell.de 22.1.23
taz.de 10.2.23

 

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