Brennelementefabrik Lingen schließen

russisch-französischen Atomdeal stoppen!

von aaaRed

Framatome will die Brennelemente-Fabrik Lingen künftig zusammen mit der russischen Firma TVEL betreiben. Dagegen regt sich Protest. Am 22.Januar.2022 haben bei nasskaltem Wetter rund 150 Leute mit Beteiligung aus Russland und Frankreich in Lingen für den Stop des französich-russischen Atomdeals und für die Stilllegung der Brennelementefabrik demonstriert.

"Die Kundgebung soll ein klares Zeichen setzen, dass die anti-Atom-Bewegung im Emsland international vernetzt ist und entschlossen Widerstand gegen den Weiterbetrieb der Brennelementefabrik leistet. Es kann nicht sein, dass auf unbefristete Zeit von Lingen aus Risikoreaktoren in halb Europa mit Brennstoff beliefert werden. Der "Atomausstieg" ist in Deutschland erst vollendet, wenn auch die Brennelementefertigung in Lingen und die Urananreicherung in Gronau beendet werden," erklärte Alexander Vent vom Bündnis AgiEL AtomkraftgegnerInnen im Emsland.

Die Brennelemente-Fabrik Lingen wird von Advanced Nuclear Fuels betrieben, einer Tochter von Framatome, die wiederum dem französischen AKW-Betreiber EDF gehört. Zusammen mit TVEL, das dem russischen Rosatom-Konglomerat angehört, wollen sie künftig in einem Gemeinschaftsunternehmen in Lingen nukleare Brennelemente herstellen. Ein Antrag dafür liegt dem Bundeskartellamt seit Februar 2021 vor. Zukünftig wollen Frankreich und Russland also auf ihrem gemeinsamen Außenposten im Emsland nuklearen Brennstoff für AKWs weltweit herstellen.

Bereits 2018 unterschrieben die Staatskonzerne EDF und Rosatom einen Kooperationsvertrag. Nun soll die Zusammenarbeit der beiden Atomstaaten mit einem Joint Venture im niedersächsischen Lingen zementiert werden. Die Rosatome-Tochter TWEL, global führend bei der Herstellung von Kernbrennstoffen, will die umstrittene Brennelementefabrik in Lingen zu 25 Prozent erwerben und damit der jetzigen Betreiberin ANF/Framatome, einer EDF-Tochter, unter die Arme greifen.

Das Unternehmen generiert seit einigen Jahren unterm Strich mehr Verluste als Gewinne. Dass der deutsche Kundenstamm seit Fukushima kontinuierlich schrumpfte, versuchte die Geschäftsleitung in Lingen auszugleichen, indem sie Kunden im restlichen Europa und Amerika hinzugewann. Doch langfristig wird das nicht ausreichen, um rentabel zu sein. Etwa die Hälfte der aus Lingen belieferten Reaktoren ist 40 Jahre alt oder älter und damit besonders störanfällig. In Frankreich etwa steht jeder Meiler im Durchschnitt 116 Tage im Jahr still. In Schweden führte der immer teurer werdende Betrieb zweier Uraltmeiler noch vor Laufzeit-Ende zu deren Schließung.

So bietet die Fusion in Lingen vorausgesetzt, die Bundesregierung bewilligt sie Vorteile für beide Vertragspartner. Framatome arbeitet mit Unterstützung von TWEL daran, die sechseckigen Brennelemente für Druckwasserreaktoren russischer Bauart, die sogenannten WWER-Reaktoren, serienmäßig herstellen zu können. Dem Konkurrenten Westinghouse war dies über 20 Jahre hinweg nur mühsam gelungen, da jene Brennelemente wesentlich höhere Ansprüche an Material und Fertigung stellen als das westliche, viereckige Pendant. Schließlich jedoch ergatterte Westinghouse Aufträge aus der mit 15 Meilern bestückten Ukraine und kratzte damit an der Monopolstellung des Lieferanten TWEL, der in der Folge 40 Prozent des ukrainischen Marktes verlor.

Der russische Atomgigant braucht also den französischen Partner, um den US-Konkurrenten ausstechen zu können. In jedem Fall würde er an Prestige, Macht und Einfluss im Westen gewinnen. Framatome wiederum erschlösse sich durch das Know-how des dringend benötigten Geldgebers einen riesigen Absatzmarkt, da WWER-Reaktoren nicht nur in Russland und der Ukraine stehen, sondern auch in Ländern Osteuropas sowie in Finnland, Armenien, China, Indien und im Iran. Zudem ist Rosatom an 15 von weltweit 52 Neubauprojekten beteiligt.

Das Joint Venture würde der Produktion in Lingen und dem Atomgeschäft insgesamt eine neue Dynamik verleihen und der russischen Atomindustrie einen Brückenkopf mitten im Emsland verschaffen. Da Rosatom auch für den militärischen Nuklearbereich in Russland verantwortlich ist, bestünde die Gefahr, dass Technologien in Lingen vom russischen Militär genutzt würden. Die anti-Atom-Bewegung ist höchst alarmiert und fordert von der Bundesregierung, den Deal nicht zu genehmigen.

"Wir wollen aber den Atomausstieg durchsetzen und den Einstieg in eine neue zivile wie militärische Atomspirale verhindern, so Mathias Eickhof von SofA Münster. "Die jetzt für Atomkraft von der EU vorgesehenen 500 Mrd. Euro dürfen nur in den Ausbau der Erneuerbaren gehen Atomkraft ist ein sehr gefährlicher und teurer Irrweg!"@

Quelle:
atomstadt-lingen.de
Artikel von Anika Limbach
(freitag.de 21.4.21)

 

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