Colorado(USA) hatte fast sein eigenes Tschernobyl:

Rocky Flats

von aaaRed

"Störfälle" in Rocky Flats, einerr Atomanlage, in der jahrzehnteland Plutonium für die Herstellung von Atomwaffen verarbeitet wurde, haben zu einer massiven radioaktiven Verseuchung der Umgebung geführt. Die Bevölkerung wurde nicht informiert. Die Auswirkungen wurden lange Zeit von Unternehmen, Politik und Justizapparat -vertuscht.

Rocky Flats war eine Atomanlage des US-amerikanischen Atomwaffen-Programms im Bundesstaat Colorado, circa 30 Kilometer von Denver entfernt. Ihr Codenamen war Projekt Apple. Das 6.500 Hektar große Gelände lag auf einem Hochplateau in der Nähe der Ausläufer des Gebirges .

Hier wurden Plutonium-"Pits" für das Atomwaffenarsenal der Nation hergestellt. Ein Pit, oder auch Primary, ist eine Plutonium-Scheibe, die verwendet wird , um die Fusionsreaktion in einer Wasserstoffbombe zu starten, die mehr als 1000-mal so stark ist wie eine Spaltbombe. Plutonium ist ein künstlich hergestelltes Element, das nicht nur radioaktiv ist - mit einer Halbwertszeit von 24 000 Jahren-, sondern auch hochgiftig.

Zwischen 1953 und 1989 wurden ungefähr 70.000 dieser Pu-Scheiben hergestellt, mit der Hinterlassenschaft radioaktiver, plutoniumhaltiger Stäube in der Umgebung.

Um eine "unerwünschte Reaktion" der Öffentlichkeit zu vermeiden, wurde nichts über das geheime Vorhaben bekanntgegeben. Das Projekt brachte Arbeitsplätze in die Gegend, und die Jobs wurden gut bezahlt. Angeblich wurden nur Haushaltchemikalien hergestellt. Erst durch die Explosionen und Brände in der Anlagen wurde bekannt. dass dort mit Plutonium hantiert wurde. Mit der Zeit wuchsen immer mehr Zweifel und Ängste in der Bevölkerung.

Unfälle & Kontaminationen
    11. September 1957

Drei Jahre nach dem Start des Projekts - dem Jahr der Majak- und Windscale-Unfälle - ereignete sich in Rocky Flats der schwerwiegendste Unfall der Anlagen-Geschichte durch Selbstentzündung eines eingekapselten Lagerpostens von Plutonium in Gebäude 771. Der Brand breitete sich durch eklatante Sicherheitsmängel rasch aus. Als die Werksfeuerwehr eintraf, wurden sämtliche Sicherheitsvorschriften missachtet, der Brand wurde trotz aller Warnungen mit Wasser gelöscht.

Das Ergebnis war eine verheerende Explosion. 2 Arbeiter wurden getötet. Das Feuer wütete fast vier Stunden lang. Es drang in die Lüftungskanäle ein und verbrannte eine Filterbank, was die nähere Umgebung der Anlage kontaminierte. Große Mengen Plutoniums (40-500g) wurden in die Luft geschleudert und gelangten in die Kanalisation.

Die Bewohner*innen der nur 30 Kilometer entfernt gelegenen Stadt Denver wurden nicht gewarnt wovor auch. Ihren Informationen zufolge wurden in Rocky Flats schließlich nur Haushaltschemikalien hergestellt. Doch auch beim Militär interessierte sich niemand für eine Untersuchung des Ausmaßes der Kontamination oder für den genauen Unfallhergang: "Unmittelbar nach dem Brand lag das Hauptaugenmerk der Verantwortlichen darauf, die Produktion wieder anlaufen zu lassen", heißt es in einem Bericht der Gesundheitsbehörde von Colorado.

Dass es dann auch in den 1960er-Jahren mehrfach zu Zwischenfällen in Rocky Flats kam, ist wenig überraschend.

    Dez. 1957

Drei Monate später kam es zu einem weiteren Brand in der Anlage, als Filter über den Handschuhkkabinen, die verhindern sollten, dass Plutonium austritt, Feuer fingen. Die Feuerwehr schaltete die Lüftungsventilatoren ein, wodurch sich die Flammen ausbreiteten; sieben Tage später zeigten Monitore, dass die Abgase aus dem Schornstein immer noch eine 16.000 Mal höhere Konzentration radioaktiver Elemente enthielten als die damaligen Standards.

Zu diesem Zeitpunkt wurde den Wissenschaftlern klar, dass sie bei der Wahl des Standorts für Rocky Flats die Windverhältnisse falsch eingeschätzt hatten. Sie verließen sich auf Messungen, die am Stapleton Airport nordöstlich von Denver durchgeführt worden waren, ohne zu berücksichtigen, wie sich die Winde veränderten, wenn sie über die Berge und durch die Canyons kamen. Anstatt sicher außerhalb des Pfades einer Plutoniumfreisetzung zu liegen, befand sich Denver am Bodennullpunkt, sechzehn Meilen windabwärts. Trotzdem wurden die Bewohner nach den Bränden nicht vor den möglichen Gefahren gewarnt.

    11. Mai 1969

Ein ähnlicher Brand ereignete sich am 11. Mai 1969. Auch hier ging das Feuer von einer Handschuhkabine aus, das sich von Gebäude 776 entlang der mit einem Förderband verbundenen Kästen ins Nachbargebäude 777 weiterfraß. Im Gegensatz zum Brand von 1957 waren die Luftfilterbänke nicht mehr cellulosebasiert und damit brennbar, sondern aus Glasfaser und hielten dem Feuer größtenteils stand. Daher war die Abschätzung der Plutoniumemission deutlich geringer: 0,14 g bis 0,9 g (Median 0,3 g). Die Feuerwehr konnte das Feuer eindämmen, und die Regierung und der Anlagenbetreiber Dow Chemical konnte weitere Enthüllungen über die Arbeit in Rocky Flats verhindern.

    Problem durch unsachgemässe Lagerung der mit Plutonium verseuchten Flüssigabfälle

Eine größere Pu-Kontaminatation fand in den Jahren 1968/1969 durch unsachgemäßen Umgang mit Flüssigabfall statt. Kühlschmierstoffe und Lösungsmittel aus dem Produktionsprozess, die mit Plutonium verunreinigt waren, wurden in Stahlfässern auf einer Fläche unter freiem Himmel gelagert. Rund 5000 dieser Fässer korrodierten mit der Zeit und leckten. Die obersten Bodenschichten wurde auf diese Weise kontaminiert, dies betraf eine Fläche von ca. 2,5 Hektar.

Auch wenn die Fässer in den Jahren 1967/68 entfernt wurden, so wurde dabei der Boden aufgewühlt und radioaktiver Staub wurde durch Stürme in die Umgebung getragen. Mitte 1969 wurde der Bereich zur Reduktion der windverfrachteten Kontamination asphaltiert. Die Schätzungen liegen bei 25 g bis 200 g Plutonium (Median 52 g), die auf diese Weise in die Umgebung von Rocky Flats gelangten.

Neben den Pu-Expositionen ist für die Anwohner*innen auch der Umgang mit dem Lösungsmittel Tetrachlormethan relevant, das heutzutage wegen seiner Toxizität und kanzerogenem Potential sowie seiner Ozonschädigung nicht mehr zur Entfettung von Bauteilen genutzt wird. Es wird geschätzt, dass zwischen 1.100 t und 5.400 t in der aktiven Zeit von 1953 bis 1989 freigesetzt wurden.

    "Ein Jahr des Ungehorsams"

Es sprach sich langsam herum. Im Jahr 1975, dem Jahr, in dem Rockwell International den Betrieb in Rocky Flats übernahm, verklagten nahe gelegene Landbesitzer die Regierung wegen radioaktive Kontamination ihrer Grundstücke. Auch die Arbeiter in der Anlage klagten über erhebliche Gesundheitsprobleme. Und regelmäßig versammelten sich Demonstranten vor den Toren. Ihr Protest richtete sich vor allem gegen die Herstellung von Atomwaffen, aber auch gegen die Gefahren für Mensch und Umwelt, die durch die Herstellung dieser Waffen entstanden.

1978 geriet Rocky Flats regelmäßig in die Schlagzeilen, als die Proteste größer wurden. In jenem Herbst stand Daniel Ellsberg, der durch die Pentagon Papers berühmt wurde - in Jefferson County vor Gericht, zusammen mit neun anderen Mitgliedern einer Gruppe, die sieben Monate zuvor wegen Hausfriedensbruch und Blockaden vor der Anlage angeklagt worden war. Unter Berufung auf Colorados "Choice-of-Evils"-Statut, das besagt, dass sie das Gesetz brechen können, wenn sie sich für ein größeres öffentliches Wohl einsetzen, beschlossen die Angeklagten, Rocky Flats selbst vor Gericht zu bringen, mit dem Argument, dass die Anlage eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit der Anwohner *innen darstelle und außerdem die Weltsicherheit bedrohe, weil sie die Atombombenvorräte erhöhe.

Aber am 20. November 1978 entschied Richterin Kim Goldberger, dass die Angeklagten die "choice-of-evils"-Verteidigung nicht anwenden konnten. Die Gefahren in Rocky Flats seien zwar "real und anhaltend", sagte die Richterin, aber "die Gerichte dürfen nicht als politische oder legislative Foren benutzt werden." Nach einem elftägigen Prozess wurden die Demonstranten für schuldig befunden.

    Erhöhte Krebsraten

Zu dieser Zeit enthüllte Dr. Carl Johnson, Leiter des Gesundheitsamtes von Jefferson County, seine eigenen Bedenken über die Gefährdung durch Rocky Flats. Er veröffentlichte Studien, die darauf hindeuteten, dass die Krebsraten in Denver insgesamt höher waren als erwartet, und die Raten in der Umgebung von Rocky Flats noch höher. Grundstücke in der Nähe der Anlage, die für die Entwicklung von 10.000 Häusern vorgesehen sind, überschritten den staatlichen Standard für Plutonium-Bodenkontamination um das Siebenfache, berichtete er. Infolgedessen wiesen Beamte des Bundeswohnungsamtes Immobilienmakler an, potenzielle Hauskäufer, die staatliche Kredite für den Kauf von Häusern in der Gegend in Anspruch nehmen wollten, zu warnen. 1981 wurde Johnson gefeuert. Die Bundesbehörden nahmen die Anweisung an die Immobilienmakler bald wieder zurück.

Die Proteste gingen weiter. Genauso wie die Produktion von nuklearen Auslösern in Rocky Flats.

    Verborgene Geheimnisse

Am 6. Juni 1989 führten mehr als siebzig FBI-Agenten eine Razzia in Rocky Flats durch - die allererste Razzia einer Bundesbehörde durch eine andere. Unter der Leitung des FBI-Agenten Jon Lipsky basierte die Razzia auf mehr als zweijährigen Ermittlungen, die durch Informationen angeregt wurden, die von Whistleblowern durchsickert waren. Darunter Hinweise von Jim Stone, einem Ingenieur, der 1986 von der Anlage entlassen wurde und dessen Fall gegen Rockwell schließlich vor den Obersten Gerichtshof der USA kam.

Stone hatte 1986 einen Aktenvermerk des DOE (Department of Energy) an Lipsky weitergegeben, in dem notiert war, dass einige der Anlagen zur Behandlung gefährlicher Abfälle in Rocky Flats "offensichtlich illegal" waren und dass sich die Anlage "in einem schlechten Zustand befand, was die Einhaltung von Umweltauflagen betraf. Stone warnte, dass keine ordnungsgemäßen Genehmigungen erteilt wurden, Abfälle unsachgemäß gelagert wurden und sogar Plutonium fehlte.

Zusammen mit einem Ermittler der Strafverfolgungsabteilung der Umweltschutzbehörde EPA untersuchte Lipsky alle Vorwürfe und erstellte dann eine eidesstattliche Erklärung. Die Agenten nahmen während ihrer dreiwöchigen Razzia der Anlage eine so große Menge an Material mit, dass der Richter des Landgerichts Finesilver beschloss, die allererste Sonderjury des Bundesstaates einzuberufen, die sich auf diesen einen Fall konzentrieren sollte.

    Rechtliche Auseinandersetzung

In der ersten Augustwoche 1989 wurden zwei Dutzend Bürger*innen aus ganz Colorado als Mitglieder der Special Grand Jury 89-2 vereidigt. Die Geschworenen trafen sich über zwei Jahre lang jeden Monat für eine Woch. Nachdem sie Dutzende von Zeugen vernommen und Hunderte von Kisten mit Dokumenten durchgesehen hatten, waren sie bereit, nicht nur Anklagen gegen das Unternehmen, die Angestellten des Konzerns, sondern auch gegen ihre staatliche Aufsicht in Betracht zu ziehen. "Es war uns egal, wer sie waren oder wie hoch sie in der Befehlskette standen", sagte ein Geschworener später.

Letztendlich entschieden sie, dass acht Personen wegen Umweltverbrechen angeklagt werden sollten - fünf Personen vom Betreiber Rockwell und drei vom DOE. Aber im November 1991 teilte der damalige US-Staatsanwalt von Colorado, Mike Norton, den Geschworenen mit, dass er keine Anklage unterzeichnen würde, in der ein DOE- oder Rockwell-Mitarbeiter genannt würde. Einen Monat später teilte die Staatsanwaltschaft den Geschworenen mit, dass sie mit der Vorlage von Beweisen fertig seien und dass die Arbeit der Grand Jury im Wesentlichen beendet sei.

Am 30. Dezember 1991 schickte der Vorsitzende der Grand Jury, Wes McKinley, ein Rancher aus der südöstlichsten Ecke von Colorado, eine Notiz an Finesilvers Sekretär, in der er um eine letzte Sitzung bat, damit die Grand Jurors ihre Pflicht erfüllen konnten, die Verpflichtung, die Finesilver ihnen mehr als zwei Jahre zuvor auferlegt hatte, "sich um die Interessen der Menschen von Colorado und das nationale Interesse zu kümmern."

In jenem Winter hatten die Geschworenen ein letztes offizielles Treffen in Denver, bei dem sie drei Dokumente entwarfen: eine Anklageschrift, in der DOE- und Rockwell-Beamte bestimmter Verbrechen beschuldigt werden; eine "Vorahnung", in der die Anklagen umrissen wurden, und ein Bericht über die Ergebnisse ihrer Ermittlungen. Neunzehn der Geschworenen unterschrieben die Dokumente und legten sie in einen Tresor. Dann wurden sie nach Hause geschickt, mit der Erinnerung, dass die Arbeit der Grand Jury geheim ist; wenn sie die Vertraulichkeit brachen, konnten sie wegen Missachtung des Gerichts angeklagt, mit einer Geldstrafe belegt und sogar ins Gefängnis gesteckt werden.

Der Bericht enthielt heiße Eisen, unter anderem dies: "Das Energieministerium, seine Auftragnehmer - Rockwell International, Inc. und EG&G, Inc. - und viele ihrer jeweiligen Angestellten haben sich an einem andauernden kriminellen Unternehmen in der Rocky-Flats-Anlage beteiligt, das gegen Bundesumweltgesetze verstoßen hat. Dieses kriminelle Unternehmen operiert auch heute noch... und es verspricht, auch in Zukunft weiter zu operieren, wenn unsere Regierung, ihre Auftragnehmer und ihre jeweiligen Angestellten nicht dem Gesetz unterworfen werden... ."

Stattdessen verkündete Norton im März 1992 eine Einigung mit Rockwell, in der sich das Unternehmen verschiedener Umweltverbrechen schuldig bekannte und zu einer Geldstrafe von 18,5 Millionen Dollar verurteilt wurde -etwa 3,8 Millionen Dollar weniger als die Prämien, die Rockwell für den Betrieb der Anlage während der Zeit gezahlt wurden, in der es nach eigenem Eingeständnis wissentlich gegen diese Gesetze verstieß.

Durch den Vergleich wurde sichergestellt, dass keine Personen später angeklagt werden können, und das Unternehmen wurde vor zukünftigen Anwaltskosten geschützt.

Im Juni 1992 unterzeichnete Richter Finesilver den Vergleich. Eine Anfrage zur Freigabe des Berichts der Grand Jury hatte er abgelehnt. Aber die Bedenken der Grand Jurors blieben nicht geheim. Das Ergebnis war Bryan Abas "The Secret Story of the Rocky Flats Grand Jury", veröffentlicht am 30. September 1992.

    Schließung und Rückbau

Nach der Razzia stellte Rocky Flats nie wieder einen Plutonium-Bombenstoff (für thermonukleare Sprengköpfe) her. Die Bundesbehörden und Rockwell einigten sich im September 1989 auf eine vorzeitige Beendigung des Rockwell-Managementvertrags, einen Tag nachdem das Unternehmen eine Zivilklage gegen das DOE, die EPA und das Justizministerium eingereicht hatte, mit dem Argument, dass die Bundesbehörden es versäumt hätten, angemessene Entsorgungsstandorte für radioaktive Materialien bereitzustellen.

Eine Woche später wurde Rocky Flats zum Sanierungs-Standort ernannt. EG&G wurde die Sanierung der Anlage ab dem 1. Januar 1990 übertragen.

Die meisten der mehr als 5.000 Mitarbeiter blieben, um diese Aufgabe zu erfüllen.

1995 veranstalteten EG&G-Mitarbeiter und das DOE einen Rocky-Flats-Gipfel mit 150 Gemeindeaktivist*innen, Vertreter*innen von Aufsichtsbehörden, Staatsbeamten und Mitgliedern von Bürgeraufsichtskomitees, um Sanierungspläne zu diskutieren. Dazu gehörte die Minimierung des Risikos durch das Plutonium für die Arbeiter und die Umgebung des Standorts. Als EG&G ( ein Dienstleistungsunternehmen, das im Bereich der Entwicklung, Wartung und Betreuung von militärischen Projekten tätig ist) es ablehnte, sich für eine zweite Runde zu melden, übernahm Kaiser-Hill das Projekt. Der Entwurf der Rocky Flats Vision und des Rocky Flats Cleanup Agreement wurde im März 1996 veröffentlicht

Nach fast zehn Jahren und 7,7 Milliarden Dollar wurde die Sanierung im Jahr 2005 für abgeschlossen erklärt. Mehr als 800 Gebäude waren dekontaminiert und abgerissen worden, darunter fünf große Plutoniumanlagen und zwei große Urananlagen.

Während ein Großteil der schwach radioaktiven Abfälle zu anderen Endlagern transportiert wurde, wurde der am stärksten kontaminierte Schutt weit unter der Erde in der Central Operable Unit vergraben: 1.308 Hektar im Zentrum der Anlage, wo der größte Teil der Produktion stattgefunden hatte. Dieser Bereich steht unter Aufsicht des Department of Energy.

Die mehr als 5.000 Hektar rund um die COU, die Peripheral Operable Unit, wurden 2007 an den U.S. Fish and Wildlife Service übergeben, um sie zu einem Schutzgebiet für Wildtiere umzugestalten, so wie es das Rocky Mountain Arsenal zwei Jahrzehnte zuvor gewesen war.

    Der Umgang mit den Folgen

Obwohl die Geschworenen noch immer zum Schweigen gebracht wurden, sickerten die Geheimnisse von Rocky Flats auf andere Weise durch. Arbeiter, die krank geworden waren, verklagten die Regierung, und Beamte nahmen sich ihrer Sache an. Hausbesitzer in der Nähe, die gesundheitliche und andere Schäden erlitten hatten, reichten eine Sammelklage gegen Rockwell und Dow ein. Ihr Fall wurde schließlich im Gerichtssaal des US-Bezirksgerichts von Richter John Kane verhandelt, wo der ehemalige FBI-Agent Lipsky aussagte, was er in der Anlage gefunden hatte. Trotz der Zeugenaussagen über die Probleme auf diesen Grundstücken entstanden entlang der südlichen Grenze von Rocky Flats immer mehr Häuser. Als die Pläne zur endgültigen Fertigstellung des nordwestlichen Abschnitts der Umgehungsstraße um Denver voranschritten, begannen die Gemeinden zu hinterfragen, ob der Bau des Jefferson Parkway, der entlang der Ostseite von Rocky Flats verlaufen sollte, wirklich sicher sein würde.

Als das Datum der Eröffnung des Rocky Flats National Wildlife Refuge näher rückte, reichten Aktivist*innengruppen Klage ein, um die Tore geschlossen zu halten.

Das Ministerium , das Fische und Wildtiere beaufsichtigt, wurde im September 2018 aufgefordert, bis März 2019 weitere Tests von Wasser, Boden und Luft im Refugium vorzunehmen und bis zum Abschluss der Tests das Refugium geschlossen zu halten.

Die Antwort war klar: Das Refugium wurde am 15. September 2018 für die Öffentlichkeit geöffnet (die Klagen, die eingereicht wurden, um die Öffnung zu verhindern, sind immer noch anhängig).

Aber selbst diejenigen, die keine Bedenken bezüglich der Sicherheit des Refugiums haben, wurden im vergangenen November überrascht, als ein britisches Unternehmen Fracking neben Rocky Flats vorschlug: Während Sanierungsexperten die Auswirkungen von Wasserabfluss, grabenden Tieren und sogar Präriebränden in Betracht gezogen hatten, hatten sie nicht bedacht, dass sich die Bohrungen von den Seiten her in das Gelände bohren würden.

Der Vorschlag wurde zurückgezogen, und letzten Monat brachte der Abgeordnete Joe Neguse, eine Gesetzgebung ein, die Öl-, Gas- und Mineralbohrungen unterhalb von Superfund-Stätten in Bundesbesitz, wie Rocky Flats, verbieten würde.

    Unterdessen geht die Debatte darüber, ob die Oberfläche wirklich sicher ist, weiter.

Im Januar beschloss die Anwältin Pat Mellen, einen anderen Weg einzuschlagen. Im Namen von sieben Gruppen - der Alliance of Nuclear Workers Advocacy Groups, Rocky Flats Downwinders, Candelas Glows/Rocky Flats Glows, Environmental Information Network, Rocky Flats Neighborhood Association, Rocky Flats Right to Know und dem Rocky Mountain Peace and Justice Center - reichte sie einen Antrag ein, dass die Materialien, die von Colorados erster spezieller Grand Jury geprüft wurden, freigegeben werden. "Die von der Grand Jury gesammelten und nun versiegelten Dokumente sind eine einzigartige Ressource, die den detaillierten Beweis dafür liefert, ob bestimmte Standorte oder Hot Spots von unsanierten oder unentdeckten gefährlichen Substanzen eine standortweite Verordnung zur Sicherheit von Natur und Bevölkerung erfordern", argumentierte sie.

    Dokumente unauffindbar!

Und dann, am 24. Juli, erhielt Mellen von Kyle Brenton, dem stellvertretenden US-Staatsanwalt in der US-Staatsanwaltschaft, in der Mike Norton dreißig Jahre zuvor den Rockwell-Deal ausgehandelt hatte,die Antwort: Die Dokumente der Grand Jury fehlen!

"Können Sie sich das vorstellen?", sagt McKinley. "Das Justizministerium hat eine lange Geschichte des Verlierens von Sachen. Sie haben alle Arten von Zeug verloren... Plutonium, Berichte."Und manche Dinge ändern sich nie, bemerkt er. Als die Grand Jury 1992 nach Hause geschickt wurde und ihre Akten zuerst versiegelt wurden, war der Leiter des Justizministeriums William Barr. Heute ist Barr wieder der Generalstaatsanwalt.

Lipsky, der nicht lange nach seiner Untersuchung von Rocky Flats zur FBI -Einheit in Los Angeles versetzt wurde, ist jetzt ein privater Ermittler, der weiterhin auf die Veröffentlichung der wahren Geschichte über Rocky Flats drängt. Als er hörte, dass die Dokumente fehlten, "war das Einzige, was ich tun konnte, zu lachen", sagt er. Staatsanwalt Brenton schätzt, dass "etwa 60 Kisten jetzt nicht in unseren Büroräumen sind." Lipskys Agenten füllten ein Vielfaches dieser Anzahl an Kisten mit Dokumenten, die bei der Razzia in Rocky Flats beschlagnahmt wurden.

Laut Brenton war sein Büro bis mindestens 2004 im Besitz der angeforderten Dokumente. Er geht jetzt Kisten mit Dokumenten aus verbundenen Fällen durch, wie z. B. die Klage des Whistleblowers Stone gegen Rockwell und die Cook-Sammelklage, die schließlich in Kanes Gerichtssaal einen Sieg und einen Vergleich über 375 Millionen Dollar fand, um zu sehen, ob sie falsch abgeheftet wurden.

"Es sind Vorfälle wie dieser, die weiterhin Unsicherheit und Angst in den Gemeinden schüren, die am meisten betroffen sind", sagt das Ordnungsamt über die fehlenden Grand-Jury-Dokumente. "Unsere Verwaltung ist der Transparenz der Regierung und dem öffentlichen Zugang zu Informationen verpflichtet. Deshalb hat unsere Abteilung für öffentliche Gesundheit und Umwelt kürzlich beantragt, dass diese Unterlagen für die Öffentlichkeit freigegeben werden."

Eine Zeit lang befand sich im Gerichtssaal des US-Bezirksgerichts von Richter Richard Matsch ein Versteck mit Dokumenten der Grand Jury. Irgendwann hatten die Geschworenen Matsch gebeten, ihnen zu erlauben, ihre Geschichte zu erzählen; diese Bitte wurde abgelehnt, und Matsch verstarb in diesem Frühjahr. Finesilver, Richter am Landgericht, hatte auch relevante Dokumente; bevor er 2006 starb, gab er 180 Kisten mit Akten an die Denver Public Library, mit der Auflage, dass sie bis 2009 unter Verschluss gehalten werden.

Im August begann ein Bibliothekar, den Inhalt zu katalogisieren, und stieß dabei auf zwei Kisten mit verschiedenen Formen des Grand Jury Reports, die mit "Not for public release" gekennzeichnet waren. Er rief den Gerichtsschreiber des U.S. Bezirksgerichts an, um zu fragen, ob die Dokumente veröffentlicht werden könnten. Stattdessen hob der Gerichtsschreiber die Kisten auf und verlangte, dass alles andere, was im Zusammenhang mit Rocky Flats auftaucht, an das Gericht geschickt wird.

Die fehlenden Unterlagen der Grand Jury sind natürlich nicht die einzigen Dokumente, die sich mit Rocky Flats beschäftigen. Das Colorado Department of Public Health and Environment hat immer noch umfangreiche Akten, darunter einen riesigen Ordner, in dem alle verschiedenen Chemikalien aufgelistet sind, die einst in der Atomwaffenfabrik Rocky Flats verwendet wurden. Eine Zeit lang beherbergte das Front Range Community College einen Rocky-Flats-Leseraum, doch ein Großteil der Materialien befindet sich jetzt in den Archiven der University of Colorado, die über eine "Fülle von Informationen" verfügt

Das Flats Stewardship Council mit Vertreter*innen aus den Gemeineräten der Umgebung von Rocky Flats verabschiedete im Juni 2019 eine Resolution gegen die Genehmigung von Fracking in der Nähe der Anlage, und er hat ein Auge auf drei Studien, die über die Umweltbedingungen in der Schutzhütte durchgeführt werden. Die aktuellen Proben werden mit historischen Proben verglichen...wenn diese gefunden werden können.@

Quellen: www.westword.com und andere

 

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