Koloniale Gräuel im Kongo - König Leopolds Geist Koloniale Gräuel im Kongo - König Leopolds Geist sucht Belgien heim: In der Kolonialzeit hat Belgiens sucht Belgien heim: In der Kolonialzeit hat Belgiens König Leopold II. in Afrika ein Blutbad angerichtet. König Leopold II. in Afrika ein Blutbad angerichtet. Die "Black Lives Matter"-Bewegung setzt sich dafür ein, Die "Black Lives Matter"-Bewegung setzt sich dafür ein, dass sich Belgien, endlich seiner Vergangenheit stellt.

Herrschaft der Peitsche

von Marc von Lüpke

Auf der Jagd nach dem großen Geld raffte der belgische König Leopold II. 1885 das gesamte Kongo-Gebiet an sich. Kautschuk und Elfenbein lockten den gierigen Monarchen. Betreten hat er die Kolonie nie, umso brutaler knechtete er das Land. Die Gräueltaten seiner Söldner sind bis heute unvergessen.

Leopold II. war ein Besessener. 1885 schrieb der belgische König Brief um Brief und pumpte darin die halbe Welt um Geld an. Seit 1885 war Leopold II. der größte Landbesitzer der Welt. Das Gebiet, das heute unter dem Namen Demokratische Republik Kongo bekannt ist, war sein Privatbesitz.

    "Kleines Land, kleine Leute"

Von seinem Königreich selbst hielt er allerdings wenig. "Kleines Land, kleine Leute", äußerte er sich einmal verächtlich über Belgien. Der schlaksig wirkende König, dem die Uniform stets zu groß zu sein schien, hegte aber große Pläne. Ein gewaltiges belgisches Kolonialreich wollte er errichten. Die Fidschi-Inseln im Pazifik wollte er einmal erwerben, dann wieder Seen in Ägypten trockenlegen und in Kolonien umwandeln. Weiße Flecken wurden auf der Karte Afrikas gegen Ende des 19. Jahrhunderts immer seltener. Vor allem in der Mitte des Kontinents gab es noch Landflächen zu verteilen.

Bislang hatte sich keine Kolonialmacht an das unzugängliche Gebiet um den mächtigen Strom Kongo herangetraut. Leopold II. heuerte 1879 dennoch den britisch-amerikanischen Abenteurer Henry Morton Stanley an, um das Kongogebiet genauer zu erforschen und Stützpunkte in Besitz zu nehmen.

Mit den übrigen europäischen Kolonialmächten werde er schon ins Reine kommen, beruhigte der belgische König Stanley. Der machte sich auch gleich ans Werk, um die 450 Verträge handelte er mit Häuptlingen entlang des Kongo-Stroms aus. Und haute sie dabei kräftig übers Ohr: Für billigen Schnaps und Perlen verkauften sie ihr Land an den belgischen König. Was sie nicht wussten: Auch ihre Arbeitskraft verkauften sie an Leopold II.

    Freigegeben zur Plünderung

Der belgische König spielte sich unterdessen vor den europäischen Nationen als Philanthrop auf. Den Bewohnern der Kongo-Region wollte er Frieden und Wohlstand bringen, sagte er - und versprach, den immer noch grassierenden Sklavenhandel zu bekämpfen, das Christentum zu verbreiten und das gesamte Land in eine Freihandelszone zu verwandeln.

Sein verlogenes Schauspiel hatte Erfolg, 1885 übertrug ihm die in Berlin tagende "Kongo-Konferenz" aus 14 Staaten das gesamte Gebiet als Privatbesitz - ein Gebiet, das mehr als 80-mal größer war als Belgien. Hier wollte Leopold II. nun zum ersten Mal ungestört herrschen.

Nachdem es Leopold II., aller anfänglichen Verzweiflung zum Trotz, schließlich doch gelungen war, Geldquellen aufzutun, machte er sich an die Erschließung des Kongo. Städte wurden aus dem Boden gestampft, darunter Léopoldville, das heutige Kinshasa, Straßen angelegt und Eisenbahntrassen aufgebaut.

Vor allem heuerte Leopold II. aber Söldnertruppen an, die Force publique. Er wollte die Region wirtschaftlich ausplündern. Der belgische Richter Stanislas Lefranc sah um 1900 mit eigenen Augen, was Leopolds Vertreter im Kongo anrichteten. Lefranc war Zeuge einer Bestrafungsaktion, bei der "ungefähr 30 Bälger, von denen etliche erst sieben oder acht Jahre alt waren, aufgereiht und darauf wartend, dass die Reihe an sie käme, die, zu Tode erschrocken, mit ansahen, wie ihre Kameraden ausgepeitscht wurden. 25-mal sauste die Peitsche auf jedes Kind nieder."

    Regieren mit der Peitsche

Das Vergehen der Kinder: Sie hatten in der Gegenwart eines Weißen gelacht. Eigentlich war jedes Kind zu 50 Peitschenhieben verurteilte worden. LeFranc setzte durch, dass die Strafe auf 25 reduziert wurde, was ihm später Ärger mit dem Gouverneur der Kolonie einbrachte.

Die Peitsche, mit der die Kinder "diszipliniert" wurden, war für die Einheimischen ein Symbol der weißen Unterdrückung. Sie nannte sich "Chicotte", bestehend aus ungegerbter, sonnengetrockneter Nilpferdhaut, die in lange und äußerst scharfkantige Streifen geschnitten wurde. Damit wurde auf das blanke Hinterteil der Opfer eingeschlagen. Bei 25 Schlägen fielen die meisten in die Bewusstlosigkeit, bei 100 oder mehr trat der Tod ein. Hundertausende Male kam die "Chicotte" zum Einsatz.

Lefranc war einer der wenigen Europäer, die gegen die unmenschliche Politik im Kongo eintraten - die meisten schwiegen oder begrüßten gar die harte Hand des belgischen Königs.

Zunächst hatte es Leopold bei seinen Beutezügen auf das Elfenbein abgesehen. Über das Land verteilte Elfenbeinsammelstellen sorgten für den Abtransport des "Weißen Goldes" an die Küste und Europa. Für ein Taschengeld wurde den Einheimischen das Elfenbein abgekauft, wenn es ihnen nicht sogar mit Gewalt weggenommen wurde.

1888 erhöhte eine revolutionäre Erfindung den Wert seiner Kolonie. Der britische Tierarzt John Boyd Dunlop erfand den luftgefüllten Reifen - der weltweite Bedarf an Kautschuk explodierte. Und der Kongo konnte den Bedarf stillen.

    Körbeweise
    abgeschlagene Hände

Leopolds Hilfstruppe, die "Force publique", die sich vor allem aus schwarzen Söldnern zusammensetzte, terrorisierte fortan das Land auf der Suche nach Kautschuk. Sie überfiel Dörfer, entführte und vergewaltigte die Frauen, bis die Männer die geforderte Menge an Kautschuk beschafft hatten. Dörfer, die Widerstand leisteten, wurden ausgelöscht.

Auch Firmen wie die Anglo-Belgian Rubber Company, denen Leopold Konzessionen verkauft hatte, setzten die Force publique auf ihren Kautschuk-Besitzungen hemmungslos ein - und diese tötete, vergewaltigte und verstümmelte. Nachdem die Force publique ihren europäischen Offizieren bei jeder verschossenen Patrone nachweisen mussten, dass sie zur Tötung eines Menschen verwendet worden war, verfielen die Söldner auf eine besondere Taktik. Sie hackten den Erschossenen die Hände ab, um den Mord zu belegen. Da nun aber auch jede Kugel, die bei der Jagd verschossen worden war, mit einer Hand zu belegen war, fielen regelmäßig marodierende Söldner über Unschuldige her, um ihnen die Hände abzuschlagen.

Körbeweise lieferte die Force publique bei den Europäern abgeschlagene Hände ab, von Männern, Frauen und Kindern. Manch europäischer Offizier lebte ebenfalls im Kongo seine Grausamkeit aus: Léon Rom "verzierte" zum Beispiel seinen Garten mit abgeschlagenen Köpfen.@

www.spiegel.de 13.9.2013




Anmerkung aaaRed:

Die belgische Kolonisierung der Gebiete in Subsahara-Afrika, die unter König Leopold II. (1835-1909) ihren Anfang nahm, wurde vom belgischen Staat ab 1908 fortgeführt. Nach der internationalen Kritik an Leopolds II. ausbeuterischem Kolonialsystem sollte die Führung der Kolonie unter belgischer Flagge dafür sorgen, dass sich die Lebensumstände der indigenen KongolesInnen verbesserte. Doch der belgische Staat führte den Ansatz Leopolds II. insbesondere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fort und konzentrierte sich dabei auf den Abbau von Kupfer, Zink, Diamanten und Blei. Auch wenn die Sklaverei offiziell verboten wurde, existierten flächendeckend Formen der Zwangsarbeit. Demnach hatte sich an den Mechanismen der kolonialen Ausbeutung auch unter belgischer Führung nichts geändert.@

 

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