Warum sind geologische Daten wichtig bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle in Deutschland?

Geologische Daten

von der Pressestelle des Nationalen Begleitgremium NBG

Der Deutsche Bundestag hat den Neustart der Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle in Deutschland beschlossen und dazu im Mai 2017 das Standortauswahlgesetz (StandAG) verabschiedet. Hochradioaktive Abfälle aus den deutschen Atomkraftwerken sollen unterirdisch in einem nur für diesen Zweck neu zu errichtenden Bergwerk eingelagert werden. Für dieses sogenannte Endlager wird aktuell in ganz Deutschland nach einem möglichen geeigneten Standort gesucht.

Eine entscheidende Rolle in diesem Verfahren der Standortauswahl spielt die Beschaffenheit des geologischen Untergrundes in Deutschland. Dabei ist die Frage zu klären, ob die an einem möglichen Endlagerstandort vorhandenen Gesteine geeignet sind, um ein Bergwerk zu errichten, das den hochradioaktiven Abfall mit bestmöglicher Sicherheit einschließt. In diesem Zusammenhang ist die Rede von "geologischen Daten". Doch was sind diese geologischen Daten eigentlich und warum sollten Bürger*innen Zugriff auf diese Daten haben?

    Was sind geologische Daten?

Der Begriff "geologische Daten" umfasst alle Informationen, die den geologischen Untergrund beschreiben. Wichtige Fragen sind in diesem Zusammenhang unter anderem:

  • Was für ein Gestein befindet sich im Untergrund (z. B. Kristallin, Salz oder Ton)?
  • Ist ein Gestein intakt oder hat es z. B. Risse?
  • In welcher Tiefe befindet sich ein Gestein (z. B. von 400 - 600 m unter der Oberfläche)?
  • Über welche Fläche erstreckt sich ein Gestein (z. B. 5 km²)?
  • Gibt es oder gab es Bergbau?
  • Ist in der Region mit Erdbeben oder Vulkanausbrüchen zu rechnen?
  • Gibt es Grundwasser im Gestein, und wenn ja, wie alt ist es?
  • Kann sich Grundwasser im Gestein bewegen, und wenn ja, wie schnell?

Um Kenntnis über diese geologischen Daten zu bekommen, muss der Untergrund erkundet werden. Dies erfolgt entweder durch eine Bohrung von der Erdoberfläche aus, bei der man bis zu einer gewünschten Tiefe bohrt und die beim Bohren angetroffenen Gesteine beschreibt. Alternativ dazu gibt es eine Vielzahl von Methoden, die keine Bohrung erfordern und die unter dem Begriff "geophysikalische Messungen" zusammengefasst sind. Allen diesen Methoden ist gemeinsam, dass ein Signal in den Untergrund gesendet wird (z. B. eine Radarwelle oder eine durch eine Erschütterung erzeugte Druckwelle) und das im Untergrund reflektierte Signal an der Erdoberfläche mittels Antennen oder Sensoren wiederum gemessen wird. Da die Gesteine im Untergrund diese Signale unterschiedlich reflektieren, lassen geophysikalische Messungen z. B. Rückschlüsse darauf zu, welche Gesteine sich in welcher Tiefe befinden.

Unterschieden werden muss zwischen "Rohdaten" und "interpretierten Daten". Rohdaten sind alle unmittelbar bei der Bohrung oder der geophysikalischen Messung direkt erhobenen Daten. Alles, was darüber hinausgeht also z. B. eine geologische Karte, die die Verteilung von Gesteinen über eine Fläche darstellt, oder ein dreidimensionales Abbild des geologischen Untergrundes sind interpretierte Daten.

Der zu suchende bestmögliche Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle muss eine Vielzahl von geologischen Anforderungen erfüllen, damit dort ein Bergwerk für das Endlager errichtet werden kann. Diese Anforderungen sind im eigens für die Endlagersuche verabschiedeten Standort-auswahlgesetz (StandAG) detailliert aufgeführt. Zur Prüfung dieser Anforderungen werden sämtliche in Deutschland erhobenen relevanten geologischen Daten benötigt. Dabei sind sowohl Rohdaten als auch interpretierte geologische Daten wichtig. Denn unter anderem müssen unterschiedliche Bewertungsstandards vereinheitlicht werden, um die Daten vergleichbar zu machen.

    Warum müssen Bürger*innen Zugriff auf die geologischen Daten haben?

Transparenz wird im Standortauswahlverfahren großgeschrieben. Sie ist die Voraussetzung für das Vertrauen der Menschen im Land, dass wirklich der bestmögliche Standort ausgewählt wird. Transparenz muss es daher auch mit Blick auf die zugrundeliegenden geologischen Daten geben. Dafür ist eine umfassende Veröffentlichung wichtig.

Es stellt sich die Frage, ob die Bürger*innen lediglich die fertig aufbereiteten und für die Endlagersuche interpretierten geologischen Daten einsehen können. Das wäre vereinfacht gesagt eine kommentierte Karte von Deutschland, in der die Regionen für mögliche Endlagerstandorte markiert sind. Oder aber, ob sämtliche im Verfahren eingesammelten Rohdaten und interpretierten Daten und gegebenenfalls weiter bearbeiteten Daten zusätzlich ebenfalls öffentlich zur Verfügung gestellt werden müssen.

Die Antwort ist eindeutig: Sämtliche geologischen Daten, die für die Entscheidung herangezogen werden, müssen veröffentlicht werden. Nur so ist es allen Bürger*innen möglich, die Entscheidung nachzuvollziehen. Sollten nicht alle beim Auswahlverfahren eingesammelten/erhobenen geologischen Daten veröffentlicht werden, kann immer der Verdacht im Raum stehen, dass Daten zurückgehalten oder nicht berücksichtigt wurden. Die Transparenz des Verfahrens ist daher Voraussetzung für Vertrauen in das Auswahlverfahren an sich und kann Toleranz und Akzeptanz für die letztendlich zu treffende Entscheidung ermöglichen.

Zu klären bleibt allerdings die Rechtslage bezüglich der Veröffentlichung von geologischen Daten, an denen Dritte (z. B. Bergbauunternehmen) Rechte haben. Diese Rechte Dritter am Datenmaterial spielen deshalb eine Rolle, weil geologische Daten des Untergrundes in Deutschland häufig im Zuge kommerzieller Erkundungen erhoben werden. Die unklare Rechtslage sorgt aktuell für Verzögerungen bei der Datensammlung sowie Unklarheiten bei der Veröffentlichung der geologischen Daten. @

 

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