BI prangert EU-Pläne an

Mini-Reaktoren neben Schwimmbädern

PM BI Lüchow-Dannenberg 18.05.2016

Ein Papier der EU-Kommission zur Förderung der Atomkraft sorgt für großen Wirbel: Brüssel will demnach den weiteren Ausbau der Atomenergie fördern. Dazu sollen Mittel aus dem Europäischen Fonds für strategische Investments (EFSI) oder über die Europäische Investitionsbank (EIB) in derartige Projekte fließen. Der neueste Schrei: "Mini-Reaktoren" könnten dezentral zur Wärmeproduktion eingesetzt werden.

"Statt effizienter Blockheizkraftwerke oder Biogasanlagen stehen dann Mini-Reaktoren neben Wohnblocks, Industrieanlagen oder Schwimmbädern. Das ist ein absurdes Szenario, aber eine höchst reale Aussicht, wenn es keine Gegenwehr gibt", warnt die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. (BI). Bis zum Jahr 2030 solle ein solcher Meiler in Europa im Einsatz sein.

Die BI sieht die Bundesregierung in der Pflicht, derartige Pläne zu stoppen, u.a. bestimmt das Finanzministerium über die Ausgaben der EIB mit. "Auf der einen Seite soll die Förderung der Regenerativen Energien zurückgefahren werden, auf der anderen Seite soll die Atomtechnologie erneut gefördert werden, dass das Rad der Geschichte zurück gedreht werden soll, werde man nicht hinnehmen", verkündet die Bürgerinitiative. Die Summe direkt berechenbarer Begünstigungen der Atombranche allein für den Zeitraum 1956 bis 2006 betrug nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) 45,2 Milliarden Euro. "Überschlägt man die Forschungsausgaben der Bundesländer und der EU, so lagen die öffentlichen Ausgaben für die Atomenergie in diesem Zeitraum bei etwa 50 Milliarden Euro. Das DIW hat die öffentlichen Ausgaben - bezogen auf eine kumulierte atomare Stromerzeugung von rund 4.100 Terra Wattstunden bis Ende 2006 - auf eine Kilowattstunde Atomstrom umgerechnet: Es ergibt sich ein Subventionsbetrag von 1,2 Eurocent pro Kilowattstunde," rechnet BI-Sprecher Wolfgang Ehmke vor.

Nicht eingerechnet wurden die anstehenden Ausgaben für die havarierten Atommüllendlager wie in Morsleben und Asse II. Ganz zu schweigen von den Folgekosten für die nukleare Endlagerung, die weiter eskaliert, wenn die Atomenergie durch Fördermittel künstlich am Leben gehalten wird."Wenn, dann gibt es Forschungsbedarf hinsichtlich der Atommülllagerung, das wird wieder einmal völlig ausgeblendet", so die BI.@


 
USA :

Atomoffensive mit Mini-AKWs

von Wolfgang Kempkens

Im Jahr 2022 wird das letzte AKW in Deutschland abgeschaltet. Im gleichen Jahr soll in den USA ein neues nukleares Zeitalter beginnen. Das Energieministerium (DOE) unterstützt die Entwicklung eines relativ kleinen neuartigen Leichtwasserreaktors mit 266 Millionen Dollar. Die restlichen rund 200 Millionen Dollar, die das Projekt benötigt, will die Industrie aufbringen, vor allem der Kraftwerksbauer Babcock & Wilcox , der bereits das Design eines solchen Reaktors präsentiert hat, und sein Partner Bechtel Power Corporation. Spätestens 2025 soll der erste Small Modular Nuclear Reactor (SMR), von B&W mPower genannt, ans Netz gehen.

Das Versorgungsunternehmen Tennessee Valley Authority will zunächst zwei SMR mit jeweils 180 Megawatt in Betrieb nehmen. Zum Vergleich: Der französische Kernkraftwerksbauer Areva errichtet derzeit in Finnland, Frankreich und China vier Blöcke mit einer Leistung von jeweils knapp 1800 Megawatt.

    Der Zwerg unter den AKWs

B&W beteuert, dass ein Kraftwerk, das nach den Plänen des Unternehmens gebaut wird, nur halb so viel kosten wird wie eines mit heutigem Design. Das soll vor allem mit der Beschränkung auf ein einziges Reaktorgefäß gelingen, in das alle Komponenten integriert sind, vom Reaktorkern über Pumpen bis hin zum Dampferzeuger.

Mit einem Durchmesser von knapp vier Meter und einer Höhe von gut 25 Meter ist das AKW, verglichen mit heutigen Anlagen, beinahe zierlich. Was nicht fürs Gewicht gilt. Das beträgt stolze 628 Tonnen. Mit einer Dampftemperatur von 320 Grad Celsius und einem Druck von 140 bar entspricht mPower heutigen Druckwasser-AKWs.

Während mPower aus einem einzigen Behälter besteht, sind die Komponenten eines AKW heutiger Bauart in einer riesigen, oft halbkugelförmigen Hülle aus Stahlbeton verteilt, dem Containment. mPower dagegen soll in einer Fabrik komplett zusammengebaut und getestet werden. Dann wird es zum Standort gebracht, aufgestellt und einfach ans Netz angeschlossen, so die Vorstellung der Entwickler es wird ein *Plug-and-play-Kraftwerk sein*. Ein Containment ist aber auch hier nötig. Das AKW ließe sich aber auch unterirdisch errichten.

Was mit dem Atommüll aus der Anlage passieren soll, ist allerdings unklar. Auch die USA streiten über Endlager. Früher kippte der Staat den strahlenden Abfall einfach in den Pazifik, später verbuddelte man ihn. Jetzt lecken im Bundesstaat Washington Dutzende dieser Tanks mit Strahlensuppe und die Ratlosigkeit ist groß. Angeblich sicher, billig, klimafreundlich bei der Atomenergie ist das eben nicht alles.@

http://green.wiwo.de/ 19.03.2013

 

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