Geht es nach der Atomlobby, sollen in der globalen Reaktorflotte die bisherigen AKW immer mehr ersetzt werden durch schnelle Brüter. Die Gefahren werden ausgeblendet.

Schnelle Brüter:
    Science or fiction?


von aaa-Red

Die Technologie des “Schnellen Brüters” wird von der Atomindustrie gerne als eine der wichtigsten Energiequellen der Zukunft dargestellt. Bisher gab es weltweit nur Testanlagen mit der Brütertechnologie. Doch nun wollen mehrere Länder den Kraftwerkstyp zur Marktreife bringen.


Hoffnung und Scheitern

Der atomare Brennstoff reicht nach übereinstimmenden Aussagen vieler internationaler Organisationen nur für weitere 35 bis 70 Jahre. Um dies zu verschleiern, wird immer wieder die Hoffnung auf AKW des Typs Schneller Brüter (a la Kalkar) oder die Kernfusion angefacht. So schreibt der Industrielobbyist Michael Miersch in der Zeitschrift -Die Welt-: “Der Einsatz von Wiederaufarbeitungsanlagen und der Brütertechnologie kann die Reichweite der bekannten Uranvorkommen um das 30- bis 60-Fache verlängern.”

Klaus Traube, einst einer der bekanntesten Atommanager der Republik, heute ein Befürworter des Atomausstiegs und Umweltforscher: „Der Brüter war das Versprechen, sich vom Ressourcenproblem in der Energiefrage abkoppeln zu können für die nächsten 1000 Jahre. Insofern war der Brüter eine Säule des Wachstumsversprechens, an dem ich seit der Botschaft des Club of Rome zweifelte. Beim Bau des Brüters musste ich erfahren, welch komplexes, betriebs- und sicherheitstechnisch anfälliges System dies war. Wenn überhaupt, dann wäre es nur durch aufwändige, also teure Technologie zu bändigen.“

Aber weltweit ist die Technik der Schnellen Brüter gescheitert. Vom umstrittenen Brüter in Kalkar über Monju (Japan) bis hin zum inzwischen stillgelegten französischen Superphönix sind sie alle gescheitert. Oft waren schwere Störfälle wegen Natriumlecks, zerstörte Wärmetauscher und gefährliche Leistungsschwankungen die Ursache.

Schneller Brüter in Kalkar am Niederrhein: Der von der RWE 1973 begonnene Bau des Schnellen Brüters in Kalkar war mit einer Kostenschätzung von 700 Millionen DM veranschlagt. Nach 14 Jahre massiven Protesten, Klagen und harten Auseinandersetzungen in den 70er und 80er Jahren mit der Politik, Gewerkschaften und der anti-AKW-Bewegung wurde der Schnelle Brüter 1991 mit etwas unter acht Milliarden DM Kosten abgebrochen. Heute ist der Schnelle Brüter in Kalkar eine große Freizeitanlage.


Neue Ambitionen

Doch nun wollen mehrere Länder den Kraftwerkstyp zur Marktreife entwickeln. Schnelle Brüter stehen in allen Staaten mit aktiver Reaktorentwicklung auf dem Programm. Die vielen in den staatlichen Haushaltplänen gut versteckten Atom-Subventionen für diese Reaktorlinie sind weltweit längst Realität

Gerárd Mignot von der französischen Atomenergiebehörde CEA in Cadarache: „In Frankreich soll der nächste Prototyp 2020 anlaufen. Er wird der Vorläufer für einen kommerziellen Reaktor sein, den wir um 2040/2050 herum erwarten. Aber das ist nur Frankreich. Die Japaner planen auch einen industriellen Reaktor, der zum gleichen Zeitpunkt kommen soll.“

Weltweit gibt es Forschungsprogramme für schnelle Brüter, etwa in Russland oder den USA. Die Europäische Atomgemeinschaft Euratom - das ist der Zusammenschluss der EU-Länder zum Zweck der Kernkraftförderung - ist ebenso an internationalen Kooperationen beteiligt. Und damit auch Deutschland. Bis schnelle Brüter kommerziell genutzt werden können, wird aber noch einige Zeit vergehen, glaubt Robert Stieglitz, Experte für schnelle Reaktoren am Forschungszentrum Karlsruhe.

„An Forschung fehlt im wesentlichen Effizienzforschung. Dass diese Systeme physikalisch gut arbeiten, das zeigen die russischen Reaktoren, die schon seit über 30 Jahren laufen. Aber sie sind natürlich nicht effizient, und da muss noch eine Menge reingehen, dass man so etwas als kommerzielles Werkzeug verkaufen kann.“

Trotzdem ist Gerárd Mignot von der französischen Atomenergiebehörde überzeugt: „Von 2050 bis zum Ende des Jahrhunderts wird es eine Mischung aus konventionellen Anlagen und schnellen Brütern geben. Dann geht es weiter: In der globalen Reaktorflotte werden die bisherigen Kraftwerke immer mehr ersetzt werden durch schnelle Brüter.“

„Die Atomindustrie versucht den Anschein zu erwecken, dass man mit der Generation IV die Zielkonflikte zwischen Sicherheitsverbesserungen und möglichst niedrigen Investitionen und geringen Betriebskosten lösen könnte. Doch die verschiedenen Ziele widersprechen sich untereinander. Was bleibt, sind milliardenteure Spekulationen in eine ungewisse Zukunft und ein sehr hohes Sicherheitsrisiko.“, so Horst Blume von der BI Umweltschutz Hamm.

Auch wenn sich für viele aus der antiAtom-Bewegung der schnelle Brüter mit Kalkar aufgelöst hat, so ist die Entwicklung doch ernst zu nehmen. Unsere Aufgabe ist es, so Horst Blume, die fragwürdigen Versprechen im Zusammenhang mit den verschwiegenen immensen Gefahren und Risiken der AKW der Generation IV öffentlich zu machen - unabhängig von den Schwierigkeiten und Pleiten bei der Realisierung der „technischen Errungenschaften“.@

 

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