Die Krise böte eine Chance zur Neubewertung

ein Kommentar
von Christoph Steiner

Das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter sieht sich gezwungen, einen Notfallplan aufzulegen, weil das Atommülllager Asse, ein Salzstock wie in Gorleben, abzusaufen droht. Das Kernkraftwerk Krümmel bei Geesthacht, nach einem Trafobrand zwei Jahre abgeschaltet, meldet in den ersten beiden Wochen nach seinem Wiederanfahren zwei neue Pannen, die letzte zurückzuführen auf menschliches Versagen.

Diese bedenklichen Ereignisse lieferten den Hintergrund zum 50. Jubiläum des Deutschen Atomforums, dem mächtigen Lobbyverband der Atomwirtschaft. Dessen Chef, Walther Hohlefelder, forderte gleichwohl eine Neubewertung der Kernenergie in Deutschland inklusive der Endlagerfrage und verstieg sich gar zu der Behauptung, die Kernkraft könne einen Beitrag zu unserem Wohlstand leisten, zum Klimaschutz ohnehin.

Der Mann schreitet auf dem Holzweg. Es hat doch nichts mit Wohlstand zu tun, wenn Menschen in permanenter Sorge leben müssen vor der nächsten Panne und vor der Ungewissheit, obs denn noch einmal glimpflich abgehen wird oder nicht. Und dabei ist es herzlich egal, ob die risikoreiche Tecvhnik kollabiert oder das womöglich überfoderte Bedienpersonal versagt, wie auch am 26.April 1986 in Tschernobyl, der bislang schwersten Reaktorkatastrophe.

Wenn Klima- bzw. Umweltschutz allein an der Vermeidung des CO2 Ausstoßes festzumachen wäre, hätten die Meiler vielleicht eine gewisse Berechtigung. Aber sie hinterlassen eben große Mengen von hochstrahlendem Abfall, dessen Gefährlichkeit selbst in Tausenden von Jahren kaum nachlässt - eine schwere Last, die wir zig Generationen zu hinterlassen gedenken. Dagegen sind für unsere Nachfahren die hinterlassenen Schuldenberge fast Peanuts.

Die Endlagerfrage ist unbeantwortet, und durch das Asse-Desaster wird die Antwort noch schwerer fallen. Zweifel wachsen, ob es für Strahlenmüll überhaupt eine „sichere Lagerstätte“ geben kann. Doch Fakt bleibt auch, dass bereits produzierter Nuklearabfall, wo und wie auch immer, so sicher wie nur möglich aus dem Verkehr gezogen werden muss. Dafür nur einen Standort, eben Gorleben,

ernsthaft zu untersuchen, gehört in der Atomfrage zu der Reihe unerklärlicher Verantwortungslosigkeiten der Politik. Die geforderte Neubewertung der Kernkraft muss gewiss vorgenommen werden. Aber in die Richtung, dass noch viel rigoroser als in dem rotgrünen Atomausstiegsbeschluss vereinbart, ihr Abbau, ihr Aus vorangetrieben wird. Gerade die tiefe Krise, die ihre Spuren rund um den Globus hinterlässt, böte eine Chance zur Neubewertung unseres Handelns. Nur darauf zu warten, dass diese Krise vorübergeht, um danach einfach weiterzumachen wie früher, greift viel zu kurz.

So gesehen,war freilich der Auftritt der Kanzlerin beim Jubiläum des Atomforums kein gutes Signal; der Hinweis Angela Merkels darauf, dass es danach eben doch einfach so weitergehen soll.@

aus der Landeszeitung vom 4.7.09

 

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