Einige Gedanken zur Diskussion um die langfristige Lagerung von Atommüll – in der Asse und anderswo

Endlagerung
gibt es nicht!


von Andreas Riekeberg

Die Sorge um die Asse bewegt viele Menschen in der hiesigen Region und darüber hinaus. Es ist dabei oft die Rede von einer „besten“ oder „sichersten“ Lösung für die Asse, die im Vergleich der verschiedenen Optionen für den Umgang mit dem Atommüll gefunden werden soll, der gegenwärtig im alten Salzbergwek Asse II lagert. Doch „sicher“ und „gut“ sind als Begriffe für das, was gesucht werden muss, nicht aussagekräftig genug, nicht genau genug. Es geht genauer gesagt darum, dass die Umwelt (Biosphäre) durch den Atommüll möglichst wenig kontaminiert wird. Möglichst wenig Radionuklide (strahlende Teilchen und Strahlung) sollen in die Sphäre des Lebens kommen, denn durch Radioaktivität werden chemische Bindungen, DNA, Zellteilung, Zellen und damit die Grundlagen des Lebens gestört und zerstört.

Langfristige Minimierung der Kontamination sollte das Ziel sein. Daraus folgt: Der Atommüll muss solange kontrollierbar und kontrolliert gelagert werden, bis die Radionuklide zerfallen sind. Wird der Atommüll unkontrolliert oder gar unkontrollierbar gelagert, ist die Kontamination der Biosphäre nicht zu überprüfen und noch weniger ist es möglich, Maßnahmen zu ergreifen, um die Kontamination zu minimieren.

Was geschah bisher?

Lange Zeit wurde die unkontrollierte Langerung des Mülls als „Endlagerung“ verkauft. Staat und Industrie wollten sich nicht mit Lagerkosten und Kontrollkosten für die Zehntausende von Jahren belasten. So lagerte man den Müll unkontrolliert etwa in der Asse ein, bezeichnete die unkontrollierte Lagerung als „Endlagerung“ und versuchte zum Schluss, die Flutung des Bergwerkes durchzusetzen, wodurch endgültig jede Kontrolle des Mülls unmöglich gemacht worden wäre.

Daraus sind grundsätzliche Lehren zu ziehen:

1. „Endlagerung“ gibt es nicht.
Es lässt sich aufgrund von geologischen oder anderen Hypothesen über die Beschaffenheit der von unterirdischen Räumen (und allein schon wegen nicht vollständig möglicher Erkundung dieser Räume) nicht mit Sicherheit vorhersagen, ob der Atommüll in ihnen wirklich völlig von der Biosphäre abgeschlossen ist. So lässt sich auch nicht vorhersagen, ob der Atommüll in ihnen verbleiben wird, bis alle Radionuklide zerfallen sind. Ebenso lässt sich nicht sicher vorhersagen, wie sich das Material von Behältern oder anderen angefertigten Abschirmungen, wenn es über lange Zeit verhält von radioaktiver Strahlung angegriffen wird.

Wie gering heute auch immer die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Störfalles bei einer Lagerung sein mag, die sich auf geologische Barrieren oder Barrieren durch Behälter verlässt: das Ausmaß der Zerstörungen, die ein unkontrollierbarer Austritt der Radionuklide in die Biosphäre zur Folge hätte, ist immens. So muss man geststellen: Alle Optionen, die eine Kontrolle des Atommülls ausschließen oder die sie unmöglich machen, nehmen eine unkontrollierte zukünftige Kontamination der Umwelt in Kauf. Das macht diese Optionen inakzeptabel.

2. Maximal erreichbar ist:
    kontrollierte Lagerung von Atommüll

Diese kontrollierte Lagerung von Atommüll muss schnellstens angegangen werden. Auf dem Weg zu einer kontrollierten Lagerung muss der Atommüll kontrolliert bewegt und gehandhabt werden. Auch beim Umgang mit dem Atommüll, der gegenwärtig in der Asse lagert, muss dabei auf aktuellem Stand von Wissenschaft und Technik gearbeitet werden, so dass die Strahlenschutz-Richtlinien eingehalten werden. Für den Umgang mit Atommüll in einem alten Bergwerk müssen möglicherweise neue Techniken entwickelt oder bestehende Techniken angepasst werden, auch dies ist schnellstens anzugehen. Niemand kann die gesundheitlichen und finanziellen Folgen der Atommüll-Produktion absehen, geschweige denn sie tragen. Daher gilt:

3. Die weitere Produktion von Atommüll ist umgehend zu beenden.

 

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