G8

von der Infotour-AG

Anfang Juni gab es eine Mobilisierungsveranstaltung zum G8 im Wendland. Wie bei allen anderen Veranstaltungen der Infotour ging es darum, einen Einblick in die gegenwärtige Mobilisierung zu bekommen, Infos über lokalpolitische und geographische Gegebenheiten rund um Heiligendamm zu vermitteln und so weiter. Darüber hinaus gab es aber einen für uns sehr wichtigen Komplex, über den wir im Rahmen der Veranstaltung diskutieren wollten:

Welche Schnittstellen ergeben sich zwischen dem Anti-Castor-Widerstand und der Anti-G8-Mobilisierung? Was können wir lernen? Die Diskussion bewegte sich auf mindestens 3 Ebenen:

  1. Der Castor-Protest spielt sich auf dem Land ab, ebenso wie der Protest rund um Heiligendamm. Welche Widerstandsformen sind übertragbar, welche Polizeistrategien zu erwarten?
  2. Zu Castor-Protesten mobilisieren unterschiedliche Spektren, die Bandbreite ist enorm (linksradikal, SchülerInnen, BäuerInnen, Kirchen, Umweltgruppen und -netzwerke, NGOs etc.). Wie funktioniert eine so breite Mobilisierung, welche Schwächen hat sie?
  3. Wie kann sich die Anti-Atom-Bewegung in die Mobilisierung gegen den G8 einbringen (Aktionsformen, Bündnispolitik, aber auch Anknüpfen an G8-Thema Energiesicherheit)?

Die Debatte ergab kein einheitliches Bild, deshalb hier nur einige Streiflichter die wir für wichtig erachten und gern transparent machen wollen (Reaktionen unbedingt willkommen!):

* Aus Gleneagles können wir lernen, dass vernachlässigt wurde die offiziellen G8-Themen (dort z.B. Afrika) von links zu besetzen. Es wäre ein echter Gewinn wenn sich Anti-Atom-Zusammenhänge jetzt mit Energiesicherheit auseinandersetzen. Die Bundesregierung plant den „Ausstieg aus dem Ausstieg“. Die G8-Gipfel 2006 und 2007 sind hier wichtige Meilensteine. Es muß Widerstand dagegen geben. Es ist eine Chance, auch in die offizielle G8-Debatte zu intervenieren.

* Das Thema Energiesicherheit bietet die Möglichkeit, die Rolle der Bundesregierung im G8-Prozess stärker in den Blick zu nehmen, die brd als globalen Akteur herauszustellen (nicht mehr George Bush TopTerrorist).

* Außerdem kann hier sehr gut die Verschränkung von „friedlicher“ und militärischer Nutzung von Kernenergie aufgezeigt werden, ist also anschlussfähig zu Antimilitarismus. Antimilitarismus wird von dissent! ein Mobilisierungsschwerpunkt werden, soviel ist sicher.

* Nuklearpolitik ist international; in Deutschland wird z.B. Müll aus Frankreich verarbeitet; Kernkraftwerke in Russland werden von deutschen Firmen gebaut und der Weltbank finanziert. Für die internationale Organisierung gegen G8 ergibt sich ein spannendes Feld für Vernetzung. Frankreich, Rußland und Großbritannien sind auch G8-Staaten. Diese Zusammenhänge sind sehr offensichtlich und vermittelbar. Auch in Frankreich, Rußland und Großbritannien gibt es anti-Atom-Protest.

* Die G8-Mobilisierung könnte stärker auf den Anti-Atom-Widerstand referieren. In Texten und Aufrufen kann auf globale nukleare Energiepolitik und Protest dagegen hingewiesen werden.

* Im Herbst 2006 rollt wieder ein Castor. Die wendländische Mobilisierung dagegen könnte sich auf den G8 2007 beziehen.

* Der Castor-Protest hatte zwar letzten Herbst einen Aufschwung, ist aber eher geschwächt. Der Anschluß an globale Themen/ den globalisierungskritischen Protest könnte mobilisierend wirken. Oft ist globale Analyse unterrepräsentiert gewesen, dieses Defizit könnte gefüllt werden.

* Es wird immer wieder die Kritik geäußert, der wendländische Castor-Protest sei stark lokale (böswillig: lokalegoistisch) ausgerichtet. Dagegen wäre es ein Signalm wenn der wendländische Widerstand auch außerhalb sichtbar wird.

* Protest in Heiligendamm ist wenig vergleichbar mit dem im Wendland. Im Wendland ist der lokale Protest seit Jahrzehnten gewachsen, das Ereignis wiederholt sich. Lernen könnten wir eher von Wackersdorf. Dort kam der Bau überraschend, lokale Strukturen mußten sich sehr rasch entwickeln; Intervention mit linksradikalen Inhalten war möglich und gehörte dazu.

* Der Castor-Protest im November kann ein konkretes Übungsfeld für den G8-Widerstand werden: Wie blockieren, Straßen unterhöhlen, Gleise unpassierbar machen, Polizeistrategien neutralisieren und so weiter? Aber auch: Antirepressionsstrategien üben, Bündnispolitik studieren, Bezug auf lokale Kämpfe und Einbindung in lokalen Widerstand analysieren.

* Wichtig ist nicht nur der lokale „vor Ort-Widerstand“, sondern auch die gute Vorbereitung von Gruppen aus anderen Städten/ regionalen Zusammenhängen. Diese müssen gut vorbereitet sein, Ortskenntnis haben, Aktionen absprechen, Teil von Vernetzungsstrukturen sein. Im Castor-Protest machen Gruppen sehr oft Aktionen in ihren eigenen Orten (ist natürlich beim Castor-Transport einfacher, dort rollt der Zug durch die ganze brd).

* Denkbar ist, dass der Castor-Widerstand die G8-Mobilisierung für eine Art „warm up“ oder Aktionstraining einlädt. Im Wendland gibt es vor dem Castor immer die „Rallye Monte Göhrde“. Dort wird sich Ortskenntnis verschafft, die Ausstattung der Polizei in Augenschein genommen und konkrete Aktion geübt und letztlich die Polizei extrem genervt. Einer dieser Rallye-Tage könnte sich an G8-AktivistInnen richten.

* So etwas wie die „Rallye Monte Göhrde“ könnte es auch kurz vor dem Gipfel 2007 in und um Heiligendamm geben.@

Kontakt:
infotour@gipfelsoli.org
gipfelsoli.org

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