Energie:
Treibstoff internationaler Beziehungen

Wir müssen reden!

Auf der anti-Atom-Herbstkonferenz 2004 gab es eine zum Teil vehemente Debatte um die „Renaissance“ der Atomkraft. Als ein Ergebnis blieb festzuhalten, dass wir zu dem, was im Energiesektor anderer Länder passiert, zwar eine Meinung, aber eigentlich keine Ahnung hatten. Gegen Ende wurde daher das ehr geizige Projekt entwickelt, auf die Bundeskoordination Internationalismus (BUKO) zuzugehen und sich in ihren alljährlichen Kongress einzumischen.

Grundlegend wollten wir an einigen Ländern exemplarisch herausfinden, was im globalen Energiesektor insgesamt passiert. Wenn unsere Vermutungen über die Scheuklappen der Mainstreammedien nur halbwegs zutreffen, ist es angezeigt, zur Beantwortung dieser Frage mit Menschen zu reden, die sich näher mit einzelnen Ländern beschäftigt haben und sich ihnen kritisch-solidarisch verbunden fühlen. Wir haben also in der Vorbereitung des Kongresses zahlreiche Personen und Gruppen aus dem BuKo-Umfeld kontaktiert, die sich seit Längerem häufig in der Solidaritätsarbeit mit einzelnen Ländern beschäftigen.

Nach über einem Jahr und zahlreichen mails konnten wir ReferentInnen zu folgenden Ländern gewinnen: Brasilien, Nigeria, China, Venezuela und El Salvador. Da die ReferentInnen aus sehr verschiedenen Ecken kommen, wurde ihnen im Vorfeld ein Fragebogen zugeschickt, der die für uns wichtigsten Fragen zusammenfasste:

  • Welche Energieträger spielen in dem Land eine Rolle, und wer hat Zugriff auf sie?
  • Wie sieht die Nutzung alternativer Energien aus?
  • Wer kontrolliert die Energie, die Infrastruktur, die Kraftwerke?
  • Welche Akteure gibt es und welche Interessen verfolgen sie?
  • Wer macht wie Politik mit Energie?
  • Greift der Westens auf die Ressourcen zu? Und wie?
  • Gibt es Widerstand gegen bestimmte Energieträger? wer wehrt sich, wieso und wogegen? Und welche Utopien verfolgen diese Menschen dabei?

„Länderberichte“ haben wir in der Vorbereitung diese Herangehensweise genannt, die sich um Kenntnis der Besonderheiten im jeweiligen Land bemüht und einen Blick auf konkrete Akteurinnen und Akteure versucht.

Daneben entwickelte sich ein Strang, der „Energie“ als Feld auch radikal linker Politik wahrnehmbar machen soll: die (Weiter-)Entwicklung marxistischer Theorie und Weltsicht stand neben Berichten vom Umgang mit Energie im anarchistischen Spanien. Polnische Bergleute berichteten über ihre Praxis der Armenstollen; eine bildgestützte Erzählung widmete sich den Erfahrungen aus dreissig Jahren antiAtom-Bewegung. Und schließlich fand die Beschäftigung mit der kriegerischen Seite des Themas Ausdruck in der Großveranstaltung: Iran-Anreicherung!

Unser Schwerpunkt gibt einen Überblick.

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