China
Internationaler Hunger

Im hiesigen Diskurs ist seit einiger Zeit immer wieder vom „Energiehunger“ Chinas die Rede. Dabei entfallen auf China lediglich 13,6% des Weltprimärenergieverbrauchs bei einem Anteil von 20% an der Weltbevölkerung. Zum Vergleich die USA verbrauchen 24% bei einem Bevölkerungsanteil von 6%. Und Deutschland benötigt 4% bei einem Anteil von 1,6%.

Und wofür wird Energie in China verwendet? Etwa 70% der Energie wird in der Industrie verbraucht, Allerdings produzieren eine große Anzahl, insbesondere die ausländischen Unternehmen in China für den internationalen Markt. Der chinesische „Energiehunger“ ist also ein internationaler Energiehunger beziehungsweise: er wird auf diese Weise dämonisiert und als Bedrohung dargestellt.

Bis 1993 war die Volksrepublik China in ihrer Energieversorgung autark. Diese beruhte im wesentlichen auf einheimischer Kohle. So betrug der Kohleanteil am Primärenergieverbrauch 2003 in etwa 2/3. Weitere 23% wurden durch Öl gedeckt. Durch ein starkes Wirtschaftswachstum vor allem an der Ostküste ist der Verbrauch rapide gestiegen. Deswegen stieg der jährliche Kohleverbrauch von 606 im Jahre 1994 auf 956 Millionen toe1) im Jahre 2004. Der Erdgaskonsum erhöhte sich im selben Zeitraum von 16,6 auf 39 Mrd. m³ und der Ölverbrauch von 1764 (1984) auf 6530 (2005) Millionen Barrel pro Tag.

Um diesen steigenden Bedarf zu decken, greift die Regierung zu verschiedenen Maßnahmen: Die großen Staatskonzerne investieren in die internationale Energiewirtschaft. Dabei findet unter anderem eine Diversifizierung der Ölquellen und der Lieferwege statt. Ein wesentliches Ziel chinesischer Energiepolitik bleibt die weitestgehende Autarkie bzw. eine möglichst gering Abhängigkeit. Zurzeit kann China 88% seines Energiekonsums aus eigenen Quellen decken.

Atomenergie wird dabei als eine kleine Möglichkeit unter vielen gesehen die einen Beitrag zur Stromerzeugung leisten soll. Es sollen zwar noch ca. 30 neue Kraftwerke gebaut werden, aber ihr Anteil am Gesamtenergieverbrauch wird marginal bleiben.

Etwas anders sieht es mit den erneuerbaren Energien aus. Dazu hat die Zentralregierung das deutsche EE-Gesetz (Erneuerbare Energien Gesetz) abgeschrieben und mittlerweile ist es auch in China gültig. Inwieweit dieses Gesetz in den Provinzen und Regionen auch tatsächlich umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Die Interessen der Zentralregierung sind nicht unbedingt identisch mit den Interessen von Provinzregierungen, lokalen Partei- oder Polizeiführungen, Unternehmen, ... Gesetze der Zentralregierung sind erstmal eher als Willenserklärung zu verstehen.

Die verschiedensten Lebensrealitäten sind sehr charakteristisch für das heutige China. Zum einen die industriellen Ballungszentren an der Ostküste. Hier lebt die neue Mittelschicht. Zum anderen das riesige Hinterland, in dem die meisten von der Landwirtschaft leben und zum großen Teil) ums tägliche Überleben kämpfen müssen. Diese soziale Differenz ist ein Thema, dem sich die Zentralregierung jetzt verstärkt widmet. In diesen Regionen soll zunächst die grundsätzliche Verfügbarkeit von Elektrizität verbessert werden. Dazu sollen vielfach dezentrale, erneuerbare Energien verwendet werden, da sich über die weiten Entfernungen ein Netz nicht rentieren kann.

Ebenso verschieden wie die Lebensrealitäten gestalten sich die Widerstandsformen. In Umweltgruppen in den Städten sind Intellektuelle und Studierende organisiert. Sie beschäftigen sich u.a. mit Artenschutz, dem Schutz von Wäldern und Müllrecycling. Dazu sensibilisieren sie die Öffentlichkeit. Auch sind sie in entsprechende Entscheidungsprozesse ähnlich wie die Umweltgruppen im Kulturbund der DDR eingebunden.

Anders auf dem Land. Hier entsteht Widerstand aus persönlicher Betroffenheit. Ein konkretes (Groß-)Projekt, Umweltverschmutzungen oder Naturkatastrophen beeinträchtigen oder gefährden die Lebensgrundlagen von Menschen. Aktivitäten sind eher spontan und militant. Aktivitäten sind daher eher spontane und oftmals mit Gewalt verbundene Reaktionen. So gab laut Angaben der chinesischen Regierung im Jahr 2004 ca. 74.000 Proteste mit mehr als 100 Menschen. Bei großen Tumulten können durchaus 50.000 bis 100.000 Menschen zusammenkommen. Eine Anti-Atom Bewegung wie es sie etwa in Japan und besonders intensiv in Taiwan gibt, ist in China nicht vorhanden.@

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