Nr. 265    Erscheinungtermin: 03.04.2017
Normalzustand: Katastrophe
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52 Seiten
April 2017
Preis: 3,00 EUR



 
 
 
 

Inhaltsverzeichnis

  • aaa-uftakt

    Weit über den Kreis eingefleischter AKW-Gegner*innen hinaus ist "Fukushima" längst ein Begriff. "Three eleven" - der 11. März, der Tag, als mit der Havarie der Reaktoren die große Katastrophe begann, ist zum fixen Datum im kollektiven Gedächtnis geworden; der Name der Atomanlage im Osten der japanischen Hauptinsel ist inzwischen Synonym für das große Maß an Verwundbarkeit, dem die Menschheit erdumspannend ausgesetzt ist. Als Topos ist Fukushima vorhanden; als Gegenstand mit Dringlichkeit dagegen verschwindet es mehr und mehr aus der öffentlichen Wahrnehmung.

    Die Manager der Katastrophe in Japan setzen alles daran, einen neuen Normalzustand zu etablieren. Nein zu behaupten, dass alles wieder so sein würde wie vorher, so vermessen sind sie dann doch nicht. Die Tatsachen sprächen auch allzu deutlich dagegen. Um die Lage in den Griff zu bekommen, bieten sie alles auf, was an Ingenieurskunst zur Verfügung steht um dann doch immer wieder ein Scheitern zu erleben. Die Beiträge in diesem Heft beschäftigen sich ebenso damit, dass das Grundwasser den Strahlenbereich weiterhin durchströmt, wie mit dem vergeblichen Versuch, auch nur zu orten, in welche Tiefen sich der geschmolzene Brennstoffkern hinabgefressen hat. Von dem Ziel, diese immense Gefahrenquelle irgendwann bergen zu könne, sind sie hoffnungslos weit entfernt. Da ist es besser, einfach nicht drüber zu sprechen. Das funktioniert. Aus den Medien ist das Thema weitgehend raus.

    Unverdrossen verbreiten sie Zuversicht. Sie behaupten, es ließe sich Normalität schaffen, eben mit veränderten Vorzeichen. Die Evakuierten aus der Region, auf deren Rückkehr sie angewiesen sind, setzen sie unter Druck, wenn sie dazu nicht bereit sind. Für den Rest des Landes schaffen sie schlicht Fakten. Die Menschen mit ihren Unsicherheiten, mit der Angst, mit dem Krebs, die sollen doch selber sehen, wie sie damit zurechtkommen.

    Artikel in dieser aaa-usgabe stellen auch Menschen vor, die sich gemeinsam diesem Normalzustand widersetzen. Wir finden: sie verdienen unsere Aufmerksamkeit und Unterstützung.

    ciaaao


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