Trotz massiver staatlicher Repression ist der Widerstand
gegen das AKWs in Kudankulam ungebrochen.
Solidarität ist gefragt.

Mutig und entschlossen

von aaaRed

Foto: unbekannt

Nach der Katastrophe in Fukushima ist auch der Widerstand am indischen AKW-Standort gewachsen. Über zwei Jahre kämpfen AnwohnerInnen und antiAtom Bewegte aus anderen Teilen des Landes gegen die Inbetriebnahme des bereits fertigen AKWs . Durch ihren unermüdlichen Einsatz konnte bisher das Anfahren des AKWs verhindert werden. Mit Massendemonstrationen, Blockaden zu Wasser und zu Land, Hungerstreiks, Menschenketten und anderen Aktionen machen sie immer wieder auf ihr Anliegen aufmerksam. Die Staatsmacht reagiert sehr heftig: AktivistInnen werden eingeschüchtert, festgenommen, teilweise für Monate inhaftiert. Häuser und Wohnungen, Boote der Menschen im nahegelegenen Ort Idinthakarai werden von Polizeibeamten durchwühlt und zerstört. Friedlich Demonstrierende werden verprügelt, mit Tränengasgranaten beschossen und verletzt - auch Kinder und Jugendliche. 2 Menschen sind bei den Massendemonstrationen im September zu Tode gekommen, eine schwerkranke Frau wurde 3 Monate im Gefängnis gehalten und nur unzureichend medizinisch versorgt. Sie starb im Dezember 2012.

    Wenig mediale Aufmerksamkeit

Wenig von diesen Ungeheuerlichkeiten dringt davon in die Weltöffentlichkeit. Auch wir haben erst nach langer Recherche mehr Einzelheiten von den polizeilichen Übergriffen und dem erschreckenden Ausmaß an staatlicher Repression mitbekommen, dem anti-Atom bewegte Menschen in Indien ausgesetzt sind. Es hat uns tief bewegt und beeindruckt, mit welcher Energie und Entschlossenheit sie sich dadurch nicht einschüchtern lassen und trotzallem sich gegenseitig unterstützen und weitermachen mit ihrem Widerstand. Ihnen gilt unsere Solidarität.

Auch wenn wir nur Bruchteile davon erahnen, so wollen wir dazu beitragen, dass ihr Anliegen und ihr mutiger Widerstand öffentlich und weltweit wahrgenommen wird. Der staatliche Umgang mit Menschen, die ihr Recht in Anspruch nehmen, gegen eine menschengefährdende Atompolitik Stellung zu beziehen und sich dagegen zu wehren, muss öffentlich gemacht und skandalisiert werden. An uns liegt es, über weitere Möglichkeiten von Solidarität mit den antiAtom-AktivistInnen in Indien nachzudenken- wie das zum Beispiel auf einer Demonstration im Oktober 2012 in Frankfurt (Uranaktionstag) geschehen ist:

"Solidarisieren können wir uns mit den AKW-GegnerInnen in Indien, indem wir die Atomprofiteure hierzulande angehen: Nicht nur die AKW-Betreiber, sondern auch AKW-Hersteller wie Areva, Zulieferer wie den Pumpenhersteller KSB, Urandealer wie die Urangesellschaft und Internexco, Beratungsfirmen wie PWC und Euler Hermes, und nicht zuletzt Banken wie die BNP Paribas."

3 tote AktivistInnen

Anthony John(40) aus Manapadu,
Sahayam Francis(42) aus Idinthakarai,
Frau J. Roslin (63) aus Idinthakarai
sind tot.


Anthony John

Am 10.September 2012 ging die Polizei bei einer großen Massendemonstration am Strand bei Idinthakarai mit Schlagstöcken und Tränengasgranaten gegen die Menschen vor. Viele flüchteten aus Angst ins Meer. Eine Reihe von Menschen wurden gewaltsam festgenommen. Anschließend verwüsteten Polizeibeamte im Dorf die Häuser der Menschen und auch die Kirche. AnwohnerInnen wurden beschimpft, bedroht und zum Teil auch geschlagen und verletzt. Aus Solidarität gingen in Mapan, etwa 50 km von Idinthakarai entfernt, auf die Straße und demonstrierten gegen das Vorgehen der Polizei. Dabei wurde der Fischer Anthony John von einem Polizeibeamten erschossen.

 
Sahayam Francis

Am 13. September demonstrierten 20 000 Menschen mit einer Menschenkette im Wasser am Strand bei Idinthakarai. Zu ihrer eigenen Sicherehit hatten sie sich Seile mitgebracht, an denen sich die Teilnehmenden festhalten konnten. Ein Flugzeug der indischen Küstenwache flog sehr tief über die Demonstrierenden, um das Geschehen zu beobachten und den Menschen Angsast zu machen. Der Fischer Sahayam Francis, der auf einem felsigen Stein im Wasser stand, erschreckte sich als das Flugzeug auf ihn zukam und stürzte im Schock bewußtlos zu Boden. Er starb kurz danach im Krankenhaus.

Trauerfeier für Sahayam Francis
Trauerfeier für Sahayam Francis
Frau J. Roslin

Frau J. Roslin (63) aus dem indischen Idinthakarai gehörte zu den Frauen, die am 10.09.2012 bei einer Razzia der Polizei am Strand von Idinthakarai willkürlich festgenommen wurden. Obwohl es ihr schon bei der Festnahme gesundheitlich sehr schlecht ging, wurde sie bis 30.10.2012 im Gefängnis festgehalten und ihr die notwendige medizinische Versorgung verweigert. Am 30.Oktober wurde sie aus dem Gefängnis entlassen unter der Auflage, sich täglich bei der Polizeistation in Madurai (200 km von ihrem Wohnort entfernt) zu melden.Ihr Zustand verschlechterte sich und sie wurde ins Madurai General Hospital aufgenommen. Anfang Dezember kehrte sie nach Idinthakarai zurück, wo sie am 21. Dezember starb.



Xavieramma,
Selvi und
Sundari:

monatelang im Gefängnis

Xavieramma, Selvi und Sundari, Frauen aus Idinthakarai, wurden am 10.09.2012 bei der Massendemonstration am Strand brutal festgenommen und ins Gefängnis (Trichy jail), etwa 200 km von ihrem Wohnort entfernt. Ihnen werden verschiedene Straftaten zur Last gelegt wie Volksverhetzung, Teilnahme an einer staatsfeindlichen Versammlung, Tragen von Waffen. Aus diesem Grund wird eine Freilassung mit Auflagen abgelehnt.

Frauen aus Idinthakarai setzen sich mit viel Energie für ihre Freilassung ein und kümmern sich um ihre Kinder und Familien. Sie schreiben Briefe an die Behörden und Politiker.

Erst am 16.12.2012 (mehr als 3 Monate nach ihrer Festnahme) werden die Frauen freigelassen unter der Auflage, sich jeden Tag bei der Polizeistation in Madurai (200 km von ihrem Wohnort und ihren Familien entfernt) zu melden. Bevor sie weiter in Madurai bleiben, dürfen sie für ein paar Tage nach Hause zu ihren Familien fahren.

Am 02.02.2013 dürfen Selvi und Xaveriemma nach Hause zu ihren Familien. Sundari muss weiter in Madurai bleiben. Es ist hart für sie, aber sie freut sich für ihre MitstreiterInnen. Sie weiß., dass der gemeinsame Kampf für eine Welt ohne Atomkraft, für Gerechtigkeit und Frieden, sie alle und auch ihr Leben bereichert hat.

Xavieramma

klick Foto für größere Ansicht

Selvi

klick Foto für größere Ansicht

Sundari

klick Foto für größere Ansicht
 

- zurück




      anti-atom-aktuell.de