Probecastor:
Luftiger Protest in Lüneburg


Am 5. September 2007 fuhr ein Castor-Transport nach Gorleben. Es handelte sich um keinen gewöhnlichen Transport, sondern um einen Probe-Transport mit einem neuen Behältertyp. Der Transport wurde von kreativen Protestaktionen begleitet. Bei Lüneburg seilte sich eine Aktivistin auf das Dach vom Castor-Behälter ab. Rund 15 weitere DemonstrantInnen setzten sich darauf hin spontan auf die Schiene.

Alle Räder stehen still
Leere Behälter sind zukünftige beladene Behälter. Egal ob voll oder leer, Atomtransporte sind weiterhin eine Schwachstelle der Atomlobby. Denn sie sind angreifbar. Durch phantasievolle direkte Aktionen wird der Widerstand sichtbar - wie am 5. September 2007 bei Lüneburg.

  

 
  

Die Polizei war an diesem frühen morgen schon länger in Alarmbereitschaft. Personenzüge mussten auf Sicht fahren. Vielleicht auf Grund von nächtlichen Aktivitäten an der Strecke. Laut Polizei wurden "anticastortypische Holzkreuze" im Gleisbett bei Rohstorf hinterlassen.

Im Lüneburger Wald Tiergarten blieb dagegen alles ruhig. Dies änderte sich aber schnell, als gegen 8 Uhr das ungewöhnliche Hupsignal der Castor-Lok, begleitet vom Hubschrauber, Alarm auslöste. Kurz hinter Lüneburg kletterte eine Aktivistin in Seilen quer über die Strecke. Der Zug fuhr in ziemlich hoher Geschwindigkeit (etwa 60 Km/h, deutlich schneller als die Personenzüge!) auf die Stelle zu. Er hätte eigentlich unten durch fahren können, aber er kam genau unter die Kletterin zum stehen! Sie seilte sich auf das Dach vom Castor-Behälter ab.

Zwei Grünuniformierte kletterten zunächst auf das Dach. Sie fingen an, an ihren Beinen zu zerren und drohten mit dem Messer. Vom Klettern hatten sie keine Ahnung. Sie wurden erfreulicherweise schnell von einer Sondereinheit abgelöst. Die Kletterer der Bundespolizei zeigten sich überraschend freundlich und kompetent, die Räumung verlief ohne Zwischenfälle. Der Zug fuhr gegen 10 Uhr weiter.

Repression muss sein...
Es folgte einen Macht- und Kompetenzstreit bei der Polizei. Der inzwischen vor Ort eingetroffene Staatsschutz (Landespolizei) wollte unbedingt den Fall übernehmen, obwohl die Bundespolizei normalerweise zuständig ist. Die Kletterin wurde unmittelbar gefesselt und von zwei Staatsschutzbeamten zur Wache gebracht. Ein ernster Fall für die EG-Castor. Und schon kamen die nächsten fiesen Tricks. Als die Aktivistin gegen 14 Uhr auf richterlicher Anordnung aus dem Gewahrsam entlassen wurde, hieß es: Alle Gegenstände samt Fahrrad, Jacke, Wecker oder Schlafsack werden als "Tatmittel" sichergestellt.

"Das ist ja schon nervig, aber was soll's? Es mir klar, das besonders engagierte Menschen ein Dorn im Auge des Staates sind", kommentiert die Betroffene. Und sie fährt fort: "Ich wurde schon beim letzen November Castor mit besonderen technischen Mitteln und Methoden -wie es im Polizeijagon so schön heißt- zwei Wochen lang überwacht. Am Tag X lief nicht viel, wir wurden präventiv in Gewahrsam genommen. Unser Fazit lautete damals schon:
"Die Polizei weiß aber ganz genau, dass sie ohne einen riesigen Aufwand, noch folgende Aktionen im Lüneburger Tiergarten nicht mehr verhindern kann. "

In der Tat. Die Gruppe ist zufrieden.
Der Castor stand 2 Stunden und die Botschaft wurde nach außen getragen (Presse). Der Widerstand geht weiter und es gibt viel zu tun! Atomtransporte stehen für die globalisierte Atompolitik.

Wenn Natur-Uran von Rotterdam via Hamburg nach Narbonne (Frankreich) transportiert wird,
wenn Züge aus Dünkirchen oder aus Pierrelatte (Frankreich) die UAA Gronau beliefern,
wenn Atommüll nach Russland verschifft wird,
wenn...,

...muss der Hahn jederzeit und überall zu gedreht werden.

SOLIKONTO:
Elisabeth Winger
Kto: 753 09 51, BLZ: 206 905 00
Sparda-Bank Hamburg
Kennwort: " LIgA Probecastor"
BIC: GENODEF1S11
IBAN: DE59 2069 0500 0007 5309 51






April 2008 Lüneburg:

Freiheitsentziehung rechtswidrig
Unbelehrbarer Atomstaat trifft auf uneinsichtige und unbelehrbare Anti-Atom-Aktivistin

Im September 2007 wurde zu Testzwecken ein leerer CASTOR-Behälter ins Wendland transportiert (siehe oben). Kurz hinter Lüneburg in Höhe Tiergarten wurde der Zug durch eine spektakuläre Aktion gestoppt: Eine Aktivistin kletterte über den Schienen und seilte sich auf den stehenden Behälter ab. Die Weiterfahrt verzögerte sich um ca. zwei Stunden. Nach der Räumung durch Spezialkräfte der Bundespolizei wurde die Kletterin mehrere Stunden von der Polizei festgehalten. Diese Ingewahrsamnahme wurde nun auf Bestreben der Betroffenen vom Amtsgericht Lüneburg für von Anfang an rechtswidrig erklärt (Aktenzeichen NZS 101 XIV 60 L).

"Die Polizei reagiert mit massiver Repression auf kreative Aktionen. Sie versucht, politisches Engagement zu unterbinden und AktivistInnen einzuschüchtern, weil sie mit diesen Aktionsformen nicht umzugehen weiß", so die Aktivistin Cécile Lecomte. Es handle sich bei dieser Aktion weder um eine Straftat noch um eine Ordnungswidrigkeit von erheblicher Gefahr für die Allgemeinheit so die Einschätzung des Amtsgerichts. Obwohl es also keinerlei Rechtsgrundlage gab, wurde die Lüneburgerin mehrere Stunden lang festgehalten. Dies gilt, obwohl amtsbekannt sei, dass die Betroffene "uneinsichtig und unbelehrbar" sei, denn ein milderes Mittel wie beispielsweise die Beschlagnahme des Klettermaterials hätte ausgereicht.

Cécile Lecomte:
"Solange weiter gefährliche Atomtransporte rollen, werde ich unbelehrbar bleiben und meinem Widerstand kreativ Ausdruck verleihen".

    Foto: LIgA


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