Wie soll sich die Anti-Atom-Bewegung verhalten zur „Entsorgungs“- Politik (Endlagergesetz) der Regierenden (= atomfreundliche Lobby-Politik)?

Sechs Thesen

von Ilona Joerden

auch gedacht als Diskussionsbeitrag für die antiAtom -Frühjahrskonferenz in Salzgitter am 17. Juni 2005

Es ist die Aufgabe der gesamten Anti-Atombewegung, trotz jeweils unterschiedlicher Standortprobleme, an den folgenden Leitlinien festzuhalten:

1. Es ist alles zu tun*), um weltweit den Atomausstiegg zu beschleunigen, dadurch, daß die Versorgung von Atomanlagen (Stichwort Uranbbau /Urananreicherung) öffentlich intensiver als bisher thematisiert und angegriffen wird .Es muß auf jeden Fall entsprechend dem Motto „Hahn zu - Abfluß verstopfen““ nachgedacht und gehandelt werden, sonst tappt die Anti-Atom-Bewegung leicht in die „Entsorgungs“-Falle: Gemäß der atomfreundlichen Lobbypolitik der Regierenden besteht „Verantwortlichkeit „ ja angeblich darin , behilflich bei der Endlager-Suche mitzuwirken. Das wird immer wieder mit der gleichen Banalität begründet „Irgendwo muß der Müll ja hin - wir müssen den Ort der relativ geringsten Instabiltät finden. Wer wollte das auf lange Sicht bestreiten ? Keine weitere Atommüllproduktion, muß dagegen die wesentlichste, nicht die einzige Handlungsdirektive der antiAtom-Bewegung bleiben: Ausstieg jetzt ! ( vergl These 4 b)

2. Es gilt , sich den Sicherheit vortäuschenden „Entsorgungs“- Konzepten zu widersetzen, mit Worten und Taten (positives NEIN) und dabei die Beschleunigung des Atomausstieges konsequent zu fordern. Die drei schlimmen „G“ = Gorleben, Gronau, Garching müssen als wichtige atompolitische Struktur zusammengedacht werden. Überall ist Gronau, Gorleben ist überall, Garching: Forschen gegen das Leben.

3. Es ist alles zu tun, um das Eintreten für die Beschleunigung des Atomausstieges weltweit mit Widerstand gegen Umweltrassisismus, Imperialismus /Krieg und Sozialabbau zu verbinden „in Gedanken und Werken“ - ganz gleich, an welchem Atom-Standort antiAtom-Gruppen „zu Hause“ sind. Man muß nicht mehr als bisher zu anderen Standorten reisen, um das zu bewerkstelligen.

4. Es ist alles zu tun, um unsere Beweg(ungs) Gründe öffentlich zu machen:

  1. Die Zerstörung des Planeten durch die Nutzung der Atomkraft (wie auch durch die Gefahren der Gentechnoligie) ist irreversibel und mit unseren Sinnen nicht erfaßbar, außer wenn die Natur und wir (unheilbar) krank davon werden. Atommüll belastet für alle Zeiten die Menschheit. Deswegen darf dieses „Umweltproblem“ nicht verharmlosend mit reversiblen Schäden anderer Umweltschädigungen verglichen werden.

  2. Wenn Menschen heute „atompolitisch“ verantwortlich handeln wollen, so betrifft das eine Dimension, die unvorstellbar weit über unsere eigene Lebenserwartung hinausgeht und die kommende Generationen mitbetrifft - die bekommen nicht einmal die Chance, sich gegen die irreversible Schädigung des Planeten wehren zu können. Darum „darf“ die antiAtom-Bewegung ruhig öfter wiederholen, daß die Nutzung der Atomkraft per se unethisch und die Fortsetzung der Atommüllproduktion (statt lebensfreundlicher Energiegewinnung) ein Verbrechen ist. Es handelt sich bei dieser Technologie im Kern um ein ethisches Problem.

5. Die Widerstands-Strategien der antiAtom-Bewegung müssen vor allem da ansetzen, wo der Atommüll entsteht , nämlich in den geistigen Strukturen, welche Natur und den Menschen als „Kapital“ und Ware betrachten , welche (Umwelt)-Rassismus , Uranabbau , Atomwaffenproduktion , Aufrüstung und Kriege zur Verteidigung der ständigen eigenen Profitsteigerung einsetzen. Das wird von neoliberalen Lobbyisten als „verantwortliches Handeln“ (für wirtschaftliches Wachstum und Arbeitsplätze) deklariert und führt kapitalistisch konsequent zu tausendfacher Arbeitsplatzvernichtung im Namen der Gewinnsteigerung. Die Deutsche Bank wirbt mit: „Leistung aus Leidenschaft“, aber es ist :Leistung, die Leiden schafft.

6. Politische Parteien -und Regierungs-“Kompromisse“, dürfen nicht („Wir haben ja alles Mögliche getan“) Vorgaben für die Überlegungen und Aktionen der antiAtom-Bewegung sein - sonst verfehlt die Bewegung ihre „Daseinsberechtigung“ als gesellschaftliches „Korrektiv“, besonders in einer Zeit, in der es keine parlamentarische Opposition gibt und in der durch zunehmende kommunale Verarmung die Gefahr steigt, daß Gemeinden aus Geldsorgen und wegen hoher Arbeitslosigkeit dem Rotgrünen Atom-“Konsens“ und neuen Atomanlagen zustimmen . Motto:“Irgendwo muß der Müll ja hin, warum dann nicht bei uns für gutes Geld und neue Arbeitsplätze ?“

Zum Schluß ein Zitat: „In der westlichen Zivilisation gibt es eine starke Tendenz ,nicht mehr daran zu glauben, daß eine andere Welt möglich ist“, sagte kürzlich die politisch handelnde Schriftstellerin Arundati Roy in einem Interwiev. Ob dies stimmt, hängt auch von jedem/jeder einzelnen in der antiAtom-Bewegung ab.

*) Diese Formel soll ausdrücken, daß wir nie genug tun können, sie bedeutet nicht, daß wir alles erreichen können.

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Ende