Ziviler Ungehorsam gegen AtomScheindemokratie in Golfech (Frankreich)

„Die freiwilligen ZerreißerInnen“

von fissureuse volontaire

Am 6. Juni startete in Golfech eine Aktion des zivilen Ungehorsams gegen Atomkraft. Das AKW Golfech liegt im Süd Westen Frankreich (60Km entfernt von Toulouse, 500 000 Einwohner). Die Aktion richtet sich gegen die Erneuerung verschiedener Genehmigungen für den Weiterbetrieb vom AKW Golfech. Es geht in dem Fall um die kontinuierliche Verseuchung von Wasser und Luft durch AKWs. Atomkraft wird als Risikoindustrie eingestuft. Der Betreiber (Electricité de France EDF) muss insofern eine „Enquête publique“ d.h. eine öffentliche Befragung durchführen, wenn er neue Betriebsgenehmigungen braucht.

Seit Jahren verstößt das Unternehmen gegen zahlreiche Regelungen: bei der Freisetzung von Radioaktivität in die Luft und ins Wasser (besonders die Verseuchung durch Tritium), Freisetzung von Chemikalien, Menge an Wasser, das aus dem Fluss ausgepumpt wird (mit besonders schlimmen Folgen für die Umwelt bei Trockenheit wie dieses Jahr...) – Es sind aber keine Geldstrafen vorgesehen, wenn es zu Verstössen kommt. Das AKW läuft also illegal, aber es passiert nix. EDF will jetzt, dass die Grenzwerte erhöht werden. Ist ja doch besser für’s Image im Rahmen des Gesetzes zu bleiben. Egal ob das Gesetz die Menschen schützt oder NICHT- wie es hier der Fall ist.

Die Bevölkerung darf 6 Wochen lang die Akten im Rathaus in den Städten und Dörfern rund um’s AKW (nicht weiter als ein paar Kilometer, die radioaktiven Wolken werden an der Grenze... der Stadt aufgehalten, ist ja bekannt in Frankreich...) durchlesen und Kommentare dazu schreiben. Aber die Experten (Behörde) müssen gar nicht die Meinung der Bevölkerung berücksichtigen.

Einige AktivistInnen aus der Gegend protestieren gegen diese Scheindemokratie und haben das Bündnis „Freiwillige ZerreisserInnen“ gegründet. Etwa 30 Personen folgten den Aufruf zu zivilen Ungehorsam(ist zwar wenig, aber die Anti-atombewegung ist schwach in Frankreich).

Die AktivistInnen zerrissen die Akten der Befragung. Es ist eine Art, die Befragung zu boykottieren und ihre Meinung gegen Atomkraft, für die sofortige Stillegung aller Atomkraftwerken zu äußern. Es ist auch eine Anspielung auf den Reaktorbehältern des AKWs,die selbst rissig werden! Das Zerreissen ist gesetzwidrig, der Staat kann wegen Zerstörung von Verwaltungsdokumente anklagen. Die AktivistInnen haben die Aktion mit offenem Gesicht durchgeführt und ihre Namen und Adressen auf dem Kommentarheft hinterlassen... Die „freiwilligen ZerreisserInnen“ sind die einzigen Personen, die bisher am Rathaus, nach den Akten gefragt haben. Manchmal waren die Akten nicht einmal zu finden (z.B. in Goudourville), was gesetzwidrig ist.

Die Gendarmes (Polizei auf dem Land)hatten die Gruppe immer scharf im Auge und fuhren immer wieder hinterher. Sie nahmen die Personalien von den AktivistInnen, die am ersten Aktionstag dabei waren, auf. Die „freiwiligen ZerreisserInnen“ wurden meistens nicht freundlich empfangen. Eine Sekretärin erzählte, sie wurde von „jemandem“ vorgewarnt, „Ich wurde auf dem Laufenden gehalten, mir wurde gesagt, ich solle aufpassen, Sie werden Dokumente zerstören“. Zerstören? Ist vielleicht übertrieben! Wer sie vorgewarnt hat wollte sie nicht sagen. Es ist wahrscheinlich der Verfassungsschutz. Was für einen Aufwand für etwa 30 Leute! (Rund 40 Gemeinde sind betroffen).

Der Kampf gegen Atomkraft interessiert mensch in Frankreich meistens nicht. Das Thema ist irgendwie Tabu. Je weniger darüber geredet wird, desto besser für die Atomlobby, die ihre Propaganda ständig verbreitet, so dass mensch denkt „Atomkraft ist doch relativ sicher, das ist die Lösung gegen Treibhauseffekt, wir können nicht ohne Atomkraft zurecht kommen“. Den Akten der Befragung war ein Werbeprospekt von EDF zugefügt „EDF Golfech, créateur d’énergie pure ; “Hersteller sauberer Energie“. Wer in der Gegend durch fährt, stellt fest, dass die Atomkraftindustie viel Geld ausgegeben hat, damit die Bevölkerung das AKW akzeptiert. In Gemeinde von 200 bis 600 Einwohner gibt es mehrere Sportplätze, Stadium, geheizte Schwimmbad, Freibad...

Alles in allem eine gelungene Aktion. Mehr konnten wir mit 30 Menschen nicht erreichen. Wir haben unseren Protest in der Öffentlichkeit gebracht. Die örtliche Presse hat mehrmals darüber berichtet. Die Bevölkerung wurde informiert. Es gibt natürlich auch andere wichtige Aktionsformen...
Die Enquête publique dauert noch bis zum 13. Juli... @

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