Nr. 157
über den Umgang mit dem Tod
Vorderseite aaa Nr. 157
Detailansicht

56 Seiten
Dezember 2004
Preis: 3,00 EUR



 
 
 
 

Inhaltsverzeichnis

  • aaa-uftakt

    zu keinem anderen Thema sind so viele Texte bei uns angekommen wie zur Tötung eines Demonstranten während des letzten Castor-Transports nach Gorleben. Sébastien Briat wurde von der Lokomotive überrollt bei dem Versuch, mit einer Ankett-Aktion die Weiterfahrt des Atommüllzugs zu behindern. Ganz offensichtlich ist es vielen ein Bedürfnis, sich zu diesem Tod zu äußern.

    Es ist schwer, das zu tun. „Uns fehlen die Worte.“ sagen einige, und machen dann doch welche. Manche Erklärungen stellen Zusammenhänge her: zu dem System, den Verhältnissen, dem Staat, der Atomwirtschaft. Nach dem Wortlaut ließe sich das abtun als etwas, was die Schreibenden ohnehin schon immer sagen wollten. Mit vielen haben wir gesprochen und wissen, daß sich hinter dem, was ausschaut wie eine kaltherzige Politverlautbarung, tiefe Anteilnahme und intensive Beschäftigung verbirgt.

    Wenn Kerzen angezündet, geschwiegen, Bankenschaufenster eingeworfen, gebetet, rote Farbe vergossen, große Worte in den Mund genommen werden, dann merke ich zwar, daß andere zu Ausdrucksformen greifen, die gerade nicht die meinen wären. Das alles scheint mir aber erträglicher als die Forderung einiger, die der Bewegung „Verantwortung“ abverlangen, und dabei nur den Freifahrtschein für die Fortsetzung ihrer Politik im Auge haben.

    Wo sich Leute gegenseitig etwas zumuten, was sie eigentlich nicht tragen wollen, müssen diejenigen darüber reden, die es betrifft. Leute, die vor Jahren in ähnlicher Weise mit dem Tod bei Aktionen konfrontiert waren, geben in zwei Interviews am Ende Anregungen dazu. Ebenso lohnt sich eine Auseinandersetzung über die Gefahr, den entsetzlich sinnlosen Tod eines Menschen zur Sinnstiftung zu gebrauchen. Deshalb haben wir einen Schriftwechsel darüber nachgedruckt.

    Die Auseinandersetzungen müssen geführt werden. Alle, die solche Debatten für ihre parteipolitischen Interessen nutzen, sollten wir uns dabei vom Hals halten.

    ciaaao