Nr. 135
Anna fönen - Felix baden - Castor stoppen

aaa Nr. 135

November 2002
Preis: 3,00 EUR

 
 
 
 
  • aaa-uftakt

    Erleichtert hätten sie sich gefühlt, haben viele erzählt unmittelbar nach der Wahl; erleichtert darüber, daß jetzt nicht vielleicht alles noch viel schlimmer kommt. Ob es berechtigt war, den Stoiber an die Wand zu malen wie den Teufel oder nicht, soll hier aber gar nicht das Thema sein. Sondern die Erleichterung.

    Die ist weg. Ausstieg, Konsens, Atomgesetz pipapo: der Kanzler regiert! Ader doch die Energieversorger? Ungeeignete Standorte für Endlager werden nicht aufgegeben, sondern gefestigt. Die Politik beschließt, daß die Atom-Wirtschaft für ihren Müll zahlt, wenn sie will; wenn nicht, dann halt nicht. Gegen alle Sicherheit werden Stromkontingente verschoben auf den Schrottreaktor Obrigheim. Konsequent wird festgehalten an einem Ausstieg, der nicht stattfindet.

    Ein besonderer Aspekt der atompolitischen Realität steht vor der Tür: der Gorleben-Castor. Mucksmäuschenstill. Obwohl die Vorbereitungen bei der Bezirksregierung auf Hochtouren laufen, herrscht in der Politik und bei der Polizei das große Schweigen zu diesem Thema. Der Transport von zwölf Kokillen-Behältern aus La Hague ins Wendland soll vor allem eins: kein Aufsehen erregen. Dazu sind es nämlich zu viele, die in den nächsten Jahren noch anstehen. Die würden mit der geringsten Reibung laufen, wenn sie im Alltag verschwänden.

    Der Widerstand nimmt im Alltag Platz - allerdings ohne darin zu verschwinden! "Anna fönen, Felix baden, Castor stoppen" steht auf dem Zettel. Gegen die Arroganz der Macht braucht es den langen Atem des Widerspruchs. Der geht uns nur dann nicht aus, wenn er auch ins Leben paßt.

    Und doch bleibt er auch was Besonderes, der Castor. Die Reisebranche wirbt für die "Erlebnisregion Wendland". Dieser Einladung können wir uns nur anschließen.

    ciaaao