Nr. 99
Kunst und Kultur in sozialer Bewegung

aaa Nr. 99

60 Seiten
März 1999
Preis: 3,00 EUR

Inhaltsverzeichnis:


Liebe Gäste der Kulturellen Landpartie,

als sie damals, im Frühsommer 1989 eine "wendländische Pfingstwoche" aus der Taufe hoben und "Wunde.r.punkte" nannten, haben die Mütter und Väter vermutlich nicht geahnt, welche Anziehungskraft ihr Baby, das heute Kulturelle Landpartie" heißt, noch entwickeln würde. Sie kannten sich aus der Widerstandsbewegung gegen die Atomanlagen in Gorleben und wollten einfach nur versuchen, das vielfältige kulturelle Leben, das sich im Wendland entwickelt hatte, ein wenig mehr in das öffentliche Licht zu rücken. Sie wollten zeigen, daß die Widerstandsbewegung auch aus einer Menge schöpferisch tätiger Menschen besteht.

Also beschlossen sie, künftig zu Pfingsten ihre Mitmenschen in ihre Häuser und Ateliers einzuladen, auf daß sie sich selbst ein Bild von ihnen, ihrer Arbeit, ihrem Lebensstil machten. Eine gute Idee. Dieser Einladung sind bislang viele tausend interessierter Menschen gefolgt. Sie haben dazu beigetragen, daß nicht wenige, auf eine speziell interessierte Kundschaft angewiesene kleine Ateliers und Werkstätten hier ein Auskommen finden, in unserer strukturschwachen und dünnbesiedelten Gegend. Nach wie vor wird die Landpartie von den Ausstellern und Ausstellerinnen selbst organisiert, und die stammen aus den verschiedensten Gewerken und Künsten. Gerade diese bunte Vielfalt macht den Charme der Landpartie aus.

Aber auch auf das dazugehörige Überraschungsmoment müssen Sie als Gäste sich einlassen. Möglicherweise empfinden Sie die eine Ausstellung als enttäuschend, weil kaum über Volkshochschulniveau stehend, das dazugehörige Haus aber hochinteressant, weil geradezu vorbildlich restauriert. An anderer Stelle stoßen Sie dagegen völlig unerwartet in einem noch nach Mist riechenden Stall auf handwerklich hervorragend gemalte Bilder. Vielleicht sind Sie in einem Dorf erstaunt über ein äußerst lebendiges Althippie-Reservat, in dem auch auf die Bedürfnisse Ihrer Kinder eingegangen wird, in einem anderen beeindruckt Sie der Klang eines Musikinstrumentes, dessen Namen sie noch nie gehört haben. In den meisten Fällen bietet sich Ihnen die Möglichkeit, die Künstlerinnen und Künstler in ihrer Alltagsumgebung zu erleben und ohne Umstände mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Gerade dies gehört ja zur Einladung dazu: Sich auch die Zeit zu nehmen, über das zu reden, was uns hier im Wendland bewegt. Und das ist nach wie vor das ungelöste Atommüllproblem.

Nach wie vor sieht sich die gesamte Landpartie als Teil der atomkritischen Widerstandsbewegung, die jeden weiteren Castortransport verhindern will. Und wenn Sie wissen wollen, warum immer noch, trotz aller Regierungswechsel, sollten Sie uns danach fragen - wir stehen Ihnen alle gern Rede und Antwort! Machen Sie sich selbst ein Bild von der atomindustriellen Ästethik der Gorlebener Anlagen: Von der Betonhalle, in der hochradioktiver Atommüll abkühlt. Von der "Pilotkonditionierungsanlage", in der das Zerschneiden und Verpacken des abgekühlten Mülls ausprobiert werden soll. (Die radioaktiven Abwässer sollen in die Elbe, die Abluft ins Freie geleitet werden.) Und natürlich vom sogenannten Erkundungsbergwerk, das man schon von weitem am Förderturm erkennt. Im Salzstock darunter soll der Atommüll dann für einige Hunderttausend Jahre sicher vor dem Kontakt mit allem Lebendigen verwahrt werden - irgendwo muß das, was sich jetzt in den Wiederaufbereitungsanlagen in Frankreich und England staut, ja hin, sagt die Atomindustrie, und schließlich kommt jeden Tag mehr dazu.

Wenn Sie das gesehen haben, liebe Gäste, verstehen Sie vielleicht auch, warum viele von uns seit mehr als 20 Jahren gegen Atomkraftwerke sind. Am 15. August wollen wir mit Ihnen das 1Ojährige Jubiläum der Landpartie feiern. Alle Ausstellungen machen dann schon um 16.00 Uhr Schluß, um 17.00 Uhr beginnt die Party vor den Bauernstuben in Trebel mit einer großen Treckerveteranenparade der Bäuerlichen Notgemeinschaft. (Nähere Informationen im Landpartie-Veranstaltungskalender.) In unserem zehnten Jahr haben wir auch wieder eine Landschaftskunstaktion: Um das Gut Corvin bei Clenze herum haben 10 Künstler und Künstlerinnen Objekte, Installationen und Skulpturen aufgebaut, dazu wird es auch einige Performances geben. Das Thema heißt "Landarbeit" - im Grunde also das, was den Kern der "Kulturellen Landpartie" und ihren Vorgängerinnen "Wunde.r.punkte" und "Hart an der Grenze" immer ausgemacht hat.

Also herzlich willkommen!

Wolf-Rüdiger Marunde

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Das Märchen vom Marlboro-Mann

Hinter den sieben Wäldern lebte ein armes, aber unbeugsames Völkchen, das die Musik liebte und den Krebs haßte. Es beschloß, ein kleines Konzert gegen den Krebs zu geben, "ein bißchen improvisieren und so".

Das Konzert machte allen Beteiligten so viel Spaß, daß das Volk sich "Musikalische Anti-Krebs-Liga nannte und fortan jedes Jahr ein Wohltätigkeitskonzert für Selbsthilfegruppen von Lungenkrebspatienten organisierte.. Und alle waren glücklich damit, auch der örtlichen Kulturredakteur, der es liebte, die Konzerte alljährlich als in der Musikauswahl beliebig und in der Qualität als ungenügend zu kritisieren. Selbst bei Hofe war man dem Völkchen gewogen, blieben durch ihr Konzert doch eine Menge Dukaten hinter den sieben Wäldern hängen.

Im zehnten Jahre geschah es nun, daß der "Marlboro"-Mann erschien und beantragte, im Rahmen des nächsten Konzerts einige wirklich authentische Country- & Western-Stücke vortragen zu dürfen.

Während einige Hitzköpfe nur mit Mühe davon abzuhalten waren, den Marlboromann zu teeren, zu federn und auf einem Pferd gebunden durchs Dorf zu jagen, machte der einen Vorschlag zur Güte: Er würde sich auch damit begnügen, wenn man ihn lediglich hinten im Programmheft erwähnte, als kulturell besonders wertvolle Zugabe. Doch die Liga lehnte ab. Da schaltete sich der örtliche Kulturredakteur ein, der, wenn es drauf ankam, auch knallhart recherchieren konnte: In einem früheren Konzert sei ein Orchester mit einem Musiker an der Triangel aufgetreten, dessen Vater in seiner Jugend auf einer Tabakplantage gearbeitet hat - damit habe die Liga ja wohl ihre Glaubwürdigkeit verspielt.

Der Marlboromann dagegen habe persönliche Souveränität bewiesen, indem er sich privat gegen die Kündigung eines Bioladens in seiner Nachbarschaft engagiert habe, und in dem sei bekanntlich Rauchen verboten. Der Konfrontation mit diesem "konkreten Individuum und seinen "Widersprüchlichkeiten" dürfe die Anti-Krebs-Liga nicht ausweichen, insbesondere deshalb nicht, weil ihn eine Nichtraucherin auf der Geige begleite. Überdies mache der Marlboromann mit seinen Country- & Western-Lieder die Identität der Landbevölkerung zum Thema, dagegen seien die Umweltlieder des Kinderchores nur "politisch korrekter Kitsch".

Daraufhin griffen hinter den sieben Wäldern eine Menge Leute zur Feder, die mit dem Völkchen noch ein Hühnchen zu rupfen hatten. Sie beklagten die Ausgrenzung von prominenten Berufsrauchern, die privat jedoch Nichtraucher seien. Andere kritisierten die künstlerische Qualität des Konzertes als völlig ungenügend. Und eine kreisbekannte Verfasserin von Lästerlyrik macht sich lustig über die selbsternannten Gutmenschen von der Anti-Krebs-Liga und fordert sie dazu auf, sich mit dem Marlboromann, einem Vorbild an Toleranz, an einen Tisch zu setzen. Die Tauben in der Liga überlegten, ob nicht doch eine Lösung darin liegen könnte, ihn als Zugabe nach dem eigentlichen Konzert zu bringen. Natürlich müßte die Moderatorin des Konzertes, bevor sie dem Publikum viel Spaß mit seinen Cowboyliedern wünscht, den Marlboromann als konkret widersprüchliches Individuum entlarven, der mitverantwortlich sei für die Häufung von Lungenkrebsfällen gerade unter Frauen und Jugendlichen.

Die Fraktion der Falken brandmarkten diese Haltung sogleich als Renegatentum und forderten eine öffentliche, eindeutige und vor allem politische Standortbestimmung der Liga. Mehrere Solisten, die sich in ihrer Haut unwohl zu fühlen beginnen, weil sie bislang weder im Kampf gegen die Zigarettenmafia in Erscheinung getreten noch regelmässig bei den Vorbereitungstreffen für die Konzerte erschienen waren, konterten mit dem Hinweis auf Anti-Krebs-Aktivisten, die künstlerische Nullen seien, "seit Jahren immer dieselbe Schlagerscheisse trällern" oder einfach nur bedruckte T-Shirts und Radiergummis mit dem Aufdruck "Lungenkrebs? - Nein Danke!" an das Publikum verhökern würden.

Die Diskussion endete mit dem Rücktritt des Organisationskomitees und einer Spaltung der Liga in ein Tanzorchester und ein Kammermusikquartett. Ach, die Althippie-Band aus der Gründerzeit hätte ich fast vergessen: Die trat, wild um sich singend, unverzüglich den Rückzug in ihre Wagenburg aus historischen VW-Bussen und Zirkuswagen an.

Ein halbes Jahr später trafen sich die Leute aus dem ehemaligen Organisationskomitee auf einer Party und verabredeten nach ein paar Gläsern Wein ein kleines Konzert, "ein bißchen improvisieren und so, aber diesmal nur echt gute Musik". Der Marlboromann starb an Lungenkrebs, mit einer Zigarette im Mundwinkel und den letzten Worten: "Eigentlich rauche ich nicht gern..."

Kulturredakteur und Lästerlyrikerin feierten dies unisono als beeindruckende Geste persönlicher Souveränität.

Natürlich ist die Geschichte frei erfunden - bis auf den Marlboromann, der tatsächlich an Lungenkrebs starb.

Wolf-Rüdiger Marunde

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Der Pressesprecher des Endlagers will bei der Kulturellen Landpartie dabeisein

Menschen im Wendland

Zum Hintergrund des Märchens:

Dr. Rolf Meyer, Wustrow, bereitet eine Fotoausstellung (zusammen mit der Fotografin Bianca Schoebel) mit dem Titel "Menschen im Wendland" vor, die im Museum Wustrow gezeigt werden soll. Herr Dr. Meyer hat den Antrag gestellt, diese Ausstellung im Rahmen der "Kulturellen Landpartie" präsentieren zu können. Die Vollversammlung der "Kulturellen Landpartie" hat sich am Montag, d. 11.1.99, mit großer Mehrheit dagegen entschieden, gleichzeitig aber beschlossen, die Diskussion mit Herrn Dr. Meyer fortzusetzen. Herr Dr. Meyer erklärte sich zu einem weiteren Gespräch bereit.

Die Gründe für diese Entscheidung liegen nicht in der Ausstellung selbst, sondern in der Funktion, die Dr. Meyer beruflich ausübt: Er ist Pressesprecher der DBE - also der Gesellschaft, die das atomare Endlager in Gorleben plant und betreiben will. Gegenüber der Privatperson Dr. Meyer gibt es keinerlei Vorbehalte; insbesondere die Arbeit, die er und der Museumsverein Wustrow leisten, wurden ausdrücklich gewürdigt. Aber: In seiner beruflichen Funktion vertritt Dr. Meyer die Interessen der Atomindustrie. Ihren Zielen gesellschaftliche Akzeptanz zu verschaffen ist seine Aufgabe. Er repräsentiert sein Unternehmen in der Öffentlichkeit nicht nur durch seine Verlautbarungen, sondern auch durch seine Person. Die Anerkennung, die Dr. Meyer sich als engagierter Bürger erworben hat, macht ihn für sein Unternehmen dabei besonders wertvoll. Dies muß ihm bewußt sein. Ebenso klar muß ihm aber auch sein, daß seine nun schon langjährige berufliche Tätigkeit für die Atomindustrie von uns als gegen unsere vitalen Interessen gerichtet empfunden wird. Die Ziele, die sein Unternehmen mit ihrem Atommüllprojekt in Gorleben verfolgt, haben bei vielen Menschen unseres Landkreises ein latentes Gefühl der Bedrohung ausgelöst. Ein so prominenter Vertreter des Projektes, wie es dessen Pressesprecher nun mal darstellt, kann nicht damit rechnen, ausgerechnet bei einer Initiative, die sich als ein Teil des Widerstandes gegen ebendiese Politik begreift, mit offenen Armen aufgenommen zu werden. (Ebensogut könnte der Pressesprecher der japanischen Walfangflotte bei Greenpeace anfragen, ob sie im Rahmen ihrer Kampagne zum Schutz der Weltmeere seine privaten Unterwasserfotos zeigen würden.)

Allen TeilnehmerInnen der "Kulturellen Landpartie" ist der Antrag Dr. Meyers unverständlich. Und da er in privaten Vorgesprächen auf die zu erwartende Ablehnung hingewiesen worden ist, fragen wir uns, warum Herr Dr. Meyer sich bewußt in diese Konfrontation begeben hat. Die "Kulturelle Landpartie" ist keine politisch neutrale Kulturinitiative: Sie ist vor 10 Jahren von AtomkraftgegnerInnen ins Leben gerufen worden als ein Kulturprojekt des Widerstandes. Und zum Selbstverständnis der Landpartie-Teilnehmerlnnen gehört es nach wie vor, daß jede( r) von ihnen sich als ein Teil des Widerstandes gegen die Atomindustrie öffentlich macht. Darin besteht die Identität der "Kulturellen Landpartie", und ohne diese Motivation wäre die langjährige unbezahlte Arbeit ihrer InitiatorInnen auch nicht denkbar. Und letztendlich ist sie auch die Grundlage ihres Erfolges. Entstanden ist diese Initiative als ein offener und lockerer Zusammenschluß vieler Einzelpersonen, und bis heute hat sich die "Kulturelle Landpartie" - wie auch ihre Vorgängerin "Wunde.r.punkte" - bewußt gegen VereinsStatuten und ein politisches Grundsatzprogramm entschieden. (Wer auf dieser Ebene arbeiten Ebene arbeiten will, tut dies in der Bürgerinitiafive Umweltschutz oder anderen Organisationen des Widerstandes.)

Das zentrale Anliegen unserer Kulturinitiative ist vielmehr zu zeigen, daß hinter dem Widerstand gegen die Atompolitik eine Menge schöpferisch tätiger Menschen stehen - Menschen, die nicht nur die herrschende Umwelt- und Atompolitik in Frage stellen, sondern auch versuchen, daraus persönliche Konsequenzen zu ziehen. Mit der "Kulturellen Landpartie" laden sie ihre Mitmenschen dazu ein, in ihre Häuser und Ateliers zu kommen und sich selbst ein Bild von ihnen, ihrer Arbeit, ihrem Lebensstil zu machen. Diese Art von Öffentlichkeitsarbeit verstehen die Initiatoren als ihren kleinen Beitrag für eine Wende in der Atompolitik. Gleichzeitig leistet die "Kulturelle Landpartie" damit einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Existenzgrundlage der hiesigen Werkstätten und Ateliers - und mittlerweile auch zum hiesigen Fremdenverkehr. Auch dies betrachten wir als wichtigen Aspekt eines Gegenentwurfes zu der wirtschaftlichen Abhängigkeit von den Betreibern der atomaren Großanlagen.

,Wunde.r.punkte" / "Kulturelle Landpartie" hat von Anfang eine permanente interne und öffentliche Diskussion begleitet über die richtige Balance zwischen ihrem kulturpolitischem Anspruch und wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Dabei wird es vermutlich bleiben, und dies halten wir auch für richtig. Wir möchten jedoch an dem Grundsatz festhalten, daß niemand einen Anspruch darauf hat, unter unserem Dach sich und seine Arbeit präsentieren zu können. Wir möchten uns weder auf die formaljuristische Argumentationsebene begeben noch einen Gesinnungs-Prüfstand einführen. Unser Auswahlverfahren betrachten wir ausschließlich als unsere interne Angelegenheit.

Daß wir es uns mit der Diskussion über die Teilnahme von Dr. Meyer nicht einfach machen, zeigt unser Beschluß, die Diskussion fortzusetzen; wir befinden uns mit ihm im Gespräch über das weitere Verfahren und einen Termin in nächsten Zeit. Eine öffentliche Konfrontation der Standpunkte halten wir zu diesem Zeitpunkt für kontraproduktiv.

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Erfahrungen mit Theater als Element des Widerstandes:

Kunst ist Waffe! 

Das war der Titel eines in den klassenkämpferischen Endzwanziger Jahren erschienenen Aufsatzes des Dramatikers und Revolutionärs Friedrich Wolf, aus dessen Stücken mit ihrem realistischen Stil ich für mein erste Bühnenstück "WEHRT EUCH!" viel gelernt habe. Darin kommen die Probleme vieler linker Bewegungen vor: Strömungs- und Grabenkämpfe, Altersgruppenkonflikte, "Gewaltfrage", wie umgehen mit Repression und Verfolgung u.v.a.m. Im Mittelpunkt aber steht, wie bei mir selbst, die Anti-AKW-Bewegung, und zwar schon eher die linke, städtische, und weniger die ländliche, standortumgebende. Denn gute Gegenwartsstücke sollten aus eigenem Erleben heraus geschrieben werden. Deshalb ist es auch nicht auf dem Höhepunkt der Bewegung in den Endsiebzigern entstanden, sondern erst 1988, nach Verarbeitung der Erfahrungen all dieser Jahre.  Vorher, in den wilden Jahren, hatte ich zu AKW-Nee, Häuserkampf, Hochschulstreiks u.ä. Straßen- und Aktionstheaterstücke geschrieben.

Die ersten beiden wurden von wechselnden AktivistInnen dieser Bewegungen mehrmals aufgeführt. Das AKW-Nee-Stück  (später "Mensch, Macht, Natur" genannt, weil es in kurzen Szenen, die Entwicklung von deren Verhältnis anreißt,) wurde immer wieder aktualisiert bearbeitet. (Das ist mit dem auch weiter möglich, wie auch damals schon von Mitspieler/innen dies und das geändert wurde.) Durch das Häuserstück fand sich eine Gruppe zusammen, die "richtig" Theater spielen  wollte und das auch zwei Jahre lang tat mit Stücken von Brecht, Wolf und Weiss. Nach und nach wurden aber die Linken rausgeekelt und die restliche Gruppe landete bei Botho Strauß, ehe sie sich auflöste. Aus dieser Erfahrung heraus haben  wir die für die Uraufführung von "Wehrt euch" in einem Hochschulstreik 1988/89 zusammengetrommelte Gruppe gleich nach dem Stück benannt, damit alle den  politischen Anspruch gleich erkennen. (Daß das Stück wiederum nach der alten Hymne der Anti-AKW-Bewegung so heißt, muß heute vielen leider erst erklärt werden...)

Wir führten dieses etwa 11/2 Stunden lange Stück im Dezember 89 ur auf mit 12 festen Rollen und noch 12 StatistInnen. Die waren kurz davor für die - im Publikum  spielende, mit musikalisch unterlegten Demofilmen umrahmte - Atomtransportblockadeszene dazugekommen. Anlaß, gerade eine solche Szene zum Höhepunkt des Stückes zu machen, waren die riesigen Blockaden der aus dem Lübecker Hafen nach Schweden  geplanten Atommülltransporte von 88 gewesen, die diese Aktionsform in der AAB populär gemacht hatten.

In  den folgenden Jahren spielten wir "Wehrt euch!" noch so 15mal in der Region und weiter weg. Die bestbesuchten  Aufführungen waren die, zu denen AktivistInnen aus anderen Bewegungen uns eingeladen hatten. (Einladungen durch Anti-AKW-Gruppen gab es leider nicht..?) Menschen, die den Widerstand - gegen welches Übel auch immer - aus eigener Erfahrung kannten, konnten mit unserem Stück offensichtlich viel anfangen Nicht aber die etablierte Literatur- und Theaterszene, wo ich auch  (um mehr Menschen zu erreichen) versucht hatte, damit zu landen. Soweit die überhaupt reagierten, meinten die, "das funktioniere auf der Bühne nicht" (bei uns schon), die Lieder und Gedichte an den Szenenschlüssen seien  nicht mehr zeitgemäß, u.ä. Zeugs. Diese Kulturszene tut wer weiß wie progressiv und redet von der "gesellschaftlichen Verantwortung der Kunst" " aber sie drauf  nageln zu wollen, ist so wie Grüne auf ihr Parteiprogramm ...

Ich hatte die Hoffnung, die wichtigsten Grundregeln des Widerstandes gegen mächtige Unterdrücker vielleicht besser in historischem Gewande breit gestreut rüberbringen zu können, und in der Überzeugung, daß die Geschichte verschiedenster Epochen, auch und gerade die Frühgeschichte für uns WiderständlerInnen sehr lehrreich ist. So schrieb ich 1991 "Gemeinsam handeln!", ein etwa 70minütiges Versstück über das so oft nationalistisch mißbrauchte (und dramatisierte) Jahr 9, als sich ein paar germanische Stämme gegen die römischen imperiali-stischen Besatzer zusammentaten und sie, nachdem sie aus früheren Niederlagen einige taktische Schlüsse gezogen hatten, besiegten.

Da Verse in der etablierten Theaterszene "out" sind (die zerpflücken sogar Schillers), blieb auch dieses Stück der Linken, soweit interessiert, vorbehalten.  Unsere bis auf einen "harten Kern" nun  ziemlich anders zusammengesetzte - Theatergruppe hatte nichts gegen die Verse, obwohl da natürlich alles sprachliche Improvisieren wegbleiben muß. Aber sie haben - wie auch die Proben eines Kostümstückes mit Kampfszenen und so - einen eigenen Reiz, wurden z.B. bei diversen Gelegenheiten des aktuellen Widerstandes von den  MitspielerInnen zitiert. Auch dieses Stück spielten wir ab Oktober 92, sooft wir konnten in Aachen und anderswo. Hauptproblem war, genügend Publikum zu kriegen - das  Kultur(??)angebot  (Glotze und so) ist halt riesig.  Dank seiner Kürze eignet sich dieses Stück auch für politische Feste, Workshops etc., aber denen, die uns zu sowas einluden, war manchmal nicht klar, daß es sich nicht um eine Rumkobolzklamotte für Halb- bis ganz Besoffene handelt, sondern um ein Textstück, wo zugehört werden muß!

Beide Stücke (und das dritte s.u.) habe ich drucken lassen und auf  Demos, linken Kulturveranstaltungen etc. angeboten  (Büchertische und so können sie auch kriegen) in der Hoffnung, daß auch mal Theatergruppen von anderswo zugreifen, besonders bei "Wehrt euch", seit wir "Gemeinsam handeln" spielten. Obwohl öfter solches Interesse bekundet wurde, klappte es nie, außer es hätten sich welche erfrecht, es einfach zu spielen, ohne mir das zu sagen. Aber die Autorinnenrechte sind bei mir, wenn Initiativen kein Geld haben, wird eine Aufführung daran aber bestimmt nicht scheitern.

Laientheatergruppen spielen ihre Stücke im allgemeinen 4-6mal. Wir taten/tun es öfter, weil wir die politische Botschaft "Freiheit, Gleichheit, Solidarität von Mensch und Natur" möglichst oft kundtun wollen. Das gilt auch für mein neuestes Stück: "Normas Kinder" (Fortsetzung von Vincenzo Bellinis Oper "Norma"), das wir seit dem Sommer 98 spielen. Daran hatten wir länger geprobt als an den früheren, es enthält nämlich außer dieser Botschaft auch noch eine Menge Anforderungen an individuelle Charakterdarstellung: Zwei Kinder aus der Beziehung  einer gallischen Druidin zu einem römischen Besatzungskommandanten, die ihre Konsequenz im Widerstand auch noch zu einer Zeit beweisen wollen, als der größtenteils schon gelaufen ist, und deshalb zum Mittel der Geiselnahme eines Kollaborateurs greifen. Die Anspielungen auf die Schleyer- und Moroentführung von 1977 machten das Stück zum geeigneten Beitrag zum "Deutschen Herbst"-20.Jahrestag, was wir leider nicht schafften. Die Bezüge zur Gegenwart sind außerdem wie bei "Gemeinsam handeln" in dem Verhältnis der "zivilisierten" und "barbarischen" Völker zu suchen  und in Fragen der Organisation von Widerstandsaktionen.

Insofern geht es nicht nur die internationalistische, sondern auch die Anti-AKW-Bewegung an. Der AKU Gronau will uns im Sommer einladen. Wer es noch will: Wenn Ihr wenig Kohle habt, spielen wir gegen Fahrtkosten und so, aber vielleicht könnt Ihr ja auch was aus örtlichen Kulturtöpfen ergattern. Wenn es Einnahmen gibt, sollten wir sie teilen, denn auch die meisten aus unserer Gruppe sind im Anti-AKW-u.a.-Widerstand ziemlich aktiv. So waren z.B. alle Aachener TeilnehmerInnen  an der Lingen -Demo aus der Theatergruppe.

Alle meine Stücke sind im Angebot für alle Gruppen, die dahinterstehen, die Texte könnt ihr bestellen für 2 DM pro Stück. ( Sie bringen´s auch, wenn mensch sie nur liest.) Die Strassentheaterstücke können ohne eigene Theatergruppe von BI-AktivistInnen + Sympis in etwa 2 Wochen erarbeitet werden.

,Gemeinsam handeln" eignet sich auch für Schulen: Deutsch- und Geschichtskurse, Theater-Ags etc.. ."Wehrt euch!°" ist nach wie vor geeignet, neben "Heiße Kartoffel" von der "Theaterwehr Brandheide" (etwa 1980 mit Wendland-Schwerpunkt) DAS Stück der Anti-AKW-Bewegung  zu werden. Oder gibt es sonst so ein Stück? Ich kenne keines. Wir sollten jedenfalls theatermäßig mehr draufhaben als immer wieder halbverkleidete, langhaarige "Bullen" Pappcastors durch Demos "knüppeln" zu lassen. Das ist ja ganz nett, wird aber schnell stumpf.

Kunst ist Waffe, laßt uns sie schärfen!

Theatergruppe Wehrt euch!
C/o:  AKW-Nee-Gruppe Aachen
Martina Haase, Beethovenstr.15,
52064 Aachen
Tel./Fax 0241/ 25402

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Kunst und Kampf (KuK)

Kunst und Kampf (KuK) ist zeitgenössische politische Widerstandkunst aus der Autonomen Bewegung. Über das Selbstverständnis von KuK sind bislang nur die Broschüre "Verbotene Kunst", verschiedene Artikel und Flugblätter erschienen. Im Buch "Kunst als Widerstand" werden das Kunstverständnis und die Geschichte von KuK umfassend dargestellt.

Der Kunstbegriff von KuK ist gleichsam ein Kampfbegriff. KuK ist keine Assoziation bildender KünsterInnen, keine Kunst, die mit der etablierten Kunstszenerie zu tun hat, sondern kommt aus der politischen Widerstandskultur.  Die theoretischen Grundlagen von KuK zielen auf eine Überwindung der Begriffe von Sub-, Gegen-, Alternativ- oder Freiraumkultur. KuK will keine ästhetisierten Protestnoten gegen das imperialistische System schaffen, sondern propagiert den Begriff der antagonistischen Kultur, die im unversöhnlichen Widerspruch mit dem herrschenden System steht.

Antagonistische Kultur lebt vom eigenkulturellen Impuls. Dieser steht im dialektischen Verhältnis zu Kulturfähigkeit. Kulturfähig heißt, Kultur als gesamtgesellschaftliche Orientierung zu begreifen, die es fundamental zu verändern gilt. Diese Veränderung zielt auf die Überwindung reaktionärer gesellschaftlicher Orientierung durch das Schöpfen konstruktiver, emanzipatorischer Impulse, die im Zusammenhang mit der politischen Bewegung ihre Wirkung entwickeln und multiplizieren. KuK ist daher subversiv und schöpft kulturelle Identität aus dem subversiven Verhältnis.

Grundsätzliches

KuK-Arbeiten entstanden und entstehen fast ausschließlich im Zusammenhang mit einer politischen Kampagne und sind Teil von ihr. Damit ist "Kunst und Kampf" nicht nur Name, sondern Programm. Eine Beschreibung der KuK-Arbeiten bedeutet somit auch eine Beschreibung der politischen Kampagnen, in deren Zusammenhang diese Arbeiten standen bzw. stehen. Theoretische Grundsätze von KuK wurden in dem Text "Suche nach Erkenntnis" niedergelegt. Hier einige Positionen aus dem Text, die Teile des Kunstbegriffes von KuK umschreiben.

Zum herrschenden Kunstbegriff

Die herrschende Kunst in der BRD ist die Kunst der Herrschenden, und das heißt organisierte Langeweile bestenfalls. Es sind aber auch Garnierungen in Richtung Sexismus, Sadismus oder zur völligen Sinnlosigkeit möglich. Gewünscht und gefördert ist die Kunst um der Kunst willen. Bloß nicht politisch und wenn, dann nur im vertretbaren Protestrahmen oder als Propaganda für Herrschaftsprojekte.

Bürgerliche Kunst heißt individuelle Kunst. Wichtig ist nicht ihre soziale Aufgabe, wichtig ist, daß sich der/die Künstlerin seine/ihre individuelle Sicht der Dinge darstellt  möglichst nur einem kleinen Kreis von "Kunstberührten" verständlich.

Eindeutige, sich um massenhafte Verständlichkeit bemühende Kunst ist das Ende der aktuellen Kunstdoktrin. Bürgerliche Kunst ist Kunst für die gehobene Gesellschaftsklasse oder sie ist spießbürgerlicher Kitsch, wie der röhrende Hirsch, der vielerorts das deutsche Wohnzimmer verunziert.
Revolutionäre Kunst

Kunst heißt Bewußtsein schaffen, Widersprüche entwickeln, Probleme aufzeigen, Lösungen provozieren. Kunst heißt, in individuelle und gesamtgesellschaftliche Prozesse eingreifen und immer wieder den Versuch der Klarheit zu unternehmen, also Stellung zu beziehen.

Diese Inhalte heben Kunst von billiger Propaganda ab. Propaganda und Produktwerbung unternehmen das Entgegengesetzte: Keine Widersprüche, keine Entwicklung von Bewußtsein, nur der Versuch, Tatsachen zu vertuschen, einfache Lösungen zu bieten, zum Kaufrausch abzurichten, zur Gedankenlosigkeit zu verführen.

Praktischer Ansatz

Als praktischer Ansatz versucht KuK zum kreativen Schaffen anzuregen und die Mögölichkeit zur Verfügung zu stellen, die KuK Arbeiten weiter zu verwenden. Zu Beginn der Inititative wurden die IDEEN VOR ALLEM IN techniken wie Collagen, Zeichnungen und Scherenschnitten umgesetzt und bevorzugt im Handsiebdruck vervielfältigt. Auch wenn die schöpferische Palette von KuK eine Weiterentwicklung erfahren hat, arbeitet KuK bis heute in diesem Sinne und mit diesen Techniken.

Dem Kunstbegriff von KuK liegt der Anspruch zugrunde, eine mit dem politischen Kampf verbundene und praktisch verwendbare Kunst umzusetzen, mit der möglichst viele Menschen erreicht werden und an der sich möglichst viele Menschen beteiligen können. Dabei kristallisierte sich das Plakat als vorrangiges künstlerisches Medium heraus.

Das erste von KuK signierte Plakat erschien 1986 zum 100. Jahrestag des 1. Mai. Die historische Collage zeigt Linien revolutionärer Kämpfe bis zu den Autonomen. Die facettenreiche Konzeption macht vor allem die Auseinandersetzung mit der Geschichte zum Thema, einen weiteren Schwerpunkt von KuK. KuK geht es dabei nicht um das Ausgraben längst überwundener Formen, sondern um die Beziehungen zu den emanzipatorischen Inhalten vergangener Bewegungen.

Ein Charakteristikum von KuK ist die Wiederbelebung der Idee des Agit-Prop-Theaters (Agitation und Propaganda) ab 1990. An jedem 2. Oktober, dem Vorabend der sogenannten Wiedervereinigung, wird diese Form der Vermittlung politischer Inhalte in Göttingen eingesetzt. Im Laufe der Jahre entwickelten sich die zunächst nur durch Verkleidung und Bauten als lebende Bilder wirkenden Szenen zu kleinen Theaterstücken.

Kriminalisierung

Die Kriminalisierung von politischen Plakaten und anderen künstlerischen Ausdrucksformen ist ein in der BRD oft angewandtes Instrumentarium von Polizei und Justiz, um den Widerstand zu treffen. Der Staatsapparat will damit Aufklärung und Agitation verhindern, mittels Ermittlungen möglichst viele Daten über politische Strukturen und Personen sammeln, Prozesse einleiten und den Widerstand durch Kriminalisierung öffentlich diskreditieren.

Staatliche Verfolgung ist deshalb schon seit der Entstehungsphase im Jahre 1985 kontinuierlicher Begleiter von KuK. Ein bekanntes Beispiel ist die Verteilung von etlichen tausend verfälschten 100-DM-Scheinen während der ersten Agit-Prop-Aktion 1990 auf dem Göttinger Marktplatz. Die Scheine waren eine Anspielung auf das westdeutsche Begrüßungsgeld, das DDR-BürgerInnen nach der Grenzöffnung den Kapitalismus schmackhaft machen sollte. Da zeitgleich auch der neue 100-DM-Schein eingeführt wurde, gerieten einige der KuK-Scheine in Umlauf. Die Behörden reagierten mit einem Verfahren wegen "Herstellung und Verbreitung von Falschgeld".

Im Rahmen der Hausdurchsuchungen gegen die Autonome Antifa (M) wegen Verdachts der "Bildung einer kriminellen Vereinigung" im Juli 1994 wurden Hunderte von KuK-Plakaten und kistenweise Material beschlagnahmt. Die Ermittler verbanden die Verfahren gegen KuK mit den Verfahren gegen die Autonome Antifa (M), indem KuK als "Propagandaabteilung" der Autonomen Antifa (M) eingestuft und eine eigene Ermittlungsakte angelegt wurde, in der 53 Druckerzeugnisse mit einer technisch aufwendigen Untersuchungsmethode bis ins Detail analysiert und erfaßt waren.
Als Reaktion auf die Übergriffe des Staatsapparates organisierte KuK eine Ausstellung mit den kriminalisierten Werken und stellte dazu die Broschüre "Verbotene Kunst" zusammen, die im Oktober 1994 erschien. Kurze Zeit später war die Broschüre verboten - ebenso ein Flugblatt, das über das Verbot berichtete. Dennoch startete die Wanderausstellung "verbotene Kunst - Kunst als Widerstand" im Juni 1995.

Was bedeutet "kulturfähig"?

Die alte Ordnung total anzugreifen und in Frage zu stellen, hat zur Bedingung, über Alternativen für eine neue Gesellschaft zu verfügen. Alternativen, die jeden Bereich der alten Gesellschaft umfassen und wirkliche Perspektiven aufweisen. Eine Bewegung, die eine solch umfassende Perspektive nicht bieten kann und nicht die fundamentale Änderung der gesamten bestehenden Herrschaft zum Ziel hat, kann nicht revolutionär sein.

Sie erschöpft sich entweder als Ein- Punkt-Bewegung, `im Kampf für die Durchsetzung nur eines bestimmten Zieles und ist damit ihrem Wesen noch reformistisch; oder sie kämpft für die Vorrechte nur einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe und degradiert sich damit zu einer Interessensvertretung, die entweder auch auf reformistischen Pfaden wandelt oder als abgehobene Elitegruppe ihre Weisheit sucht oder gefunden hat; oder sie fegt nur ab und an als Strohfeuer durch die politische Auseinandersetzung und verkommt, ohne Kontinuität im Kampf und übergreifendem Theorieansatz zum niveaulosen Spielball der etablierten bzw. reformistischen Politiker und Politikerinnen.

Unerheblich ist dabei, mit welcher Radikalität der Kampf geführt wird, Radikalität allein ist noch kein revolutionärer Inhalt. Unerheblich ist dabei auch, wie sich Menschen und Gruppen, die in einer solchen Auseinandersetzung stehen, selbst sehen, wie heftig sie in ihrem äußeren Erscheinungsbild von der Norm abweichen oder wie tiefgründig sich ihre Theorien anhören.
Eine Bewegung, die nicht alle gesellschaftlichen Vorgänge als Gesamtheit begreift, wandelt ideologisch immer noch auf den Pfaden der alten Gesellschaft. 

Auszug aus der Broschüre "Verbotene Kunst" und der Ankündigung des Buches "Kunst als Widerstand" (1997, Pahl-Rugenstein Verlag)

Sieben wesentliche KuK-Prinzipien

  1. Entstehung im Zusammenhang mit der politischen Bewegung, Initiative, Aktion
  2. Bei den abgebildeten Illustrationen auf Plakaten, Ölgemälden etc. wird eine möglichst allgemeinverständliche Symbolik verwendet.
  3. Es soll nicht nur ein politischer Sachverhalt festgestellt werden, sondern auch der Widerstand dargestellt und damit propagiert werden.
  4. Auch ohne Schrift und unmittelbaren zeitlich/politischen Zusammenhang müssen Arbeiten und Aktionen verständlich bleiben, für sich sprechen.
  5. Abbildungen und Symbole beziehen sich  nicht nur auf tagespolitische Ereignisse, sondern versuchen ein möglichst umfassendes Bild der gesellschaftlichen / politischen Abläufe zu zeichnen.
  6. Bei der Gestaltung von Plakten und Aktionen wird die Verbindung von Agitation und Kunst angestrebt und versucht einen neuen künstlerischen Ausdruck zu schaffen.
  7. Bei der technischen Umsetzung wird auf eine möglichst exakte Ausführung geachtet.
Revolutionäre Kunst

Kunst heißt Bewußtsein schaffen,
Widersprüche entwickeln,
Probleme aufzeigen -
Lösungen provozieren!
Kunst heißt, in individuelle
und gesamtgesellschaftliche Prozesse
eingreifen und immer wieder
den Versuch
der Klarheit unternehmen,
also Stellung beziehen.

Diese Inhalte heben Kunst
von billiger Propaganda ab.
Propaganda und Produktwerbung
unternehmen das Entgegengesetzte:
Keine Widersprüche,
keine Entwicklung von Bewußtsein,
nur der Versuch, Tatsachen zu vertuschen,
einfache Lösungen zu bieten,
zum Kaufrausch abzurichten,
zur Gedankenlosigkeit zu verführen.

Im Widerspruch liegt das kreative Potential

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Wenn sich die Musiker nicht für die Politik interessieren, interessiert sich diese doch für sie

Kunst und Musik

Im Vorfeld dieser Ausgabe der aaa haben wir verschiedenen MusikerInnen (Professionellen und "Laien"), die in den letzten Jahren auf Aktionen Musik gemacht haben, die folgenden Fragen geschickt mit der Bitte um Beantwortung. Leider haben wir "nur" von Martina Haase (Aachen) und Peter Münster (Ahaus) Antwort erhalten. - Wir hoffen, daß dies nicht schon ein Ausdruck dafür ist, in wie weit die MusikerInnen sich als Teil des Widerstandes gegen Atomanlagen verstehen.

Antwort von Martina Haase

aaa: Verstehst Du Dich eher als Musikerin oder eher als Aktivistin, als Teil des Widerstandes?

M.H.: Beides gleich.

aaa: Es gibt viele Möglichkeiten zur Schau zu stellen, was einem/ einer nicht paßt. Warum ist für Dich  gerade diese Verknüpfung Musik - Widerstand wichtig?
M.H.: Weil Musik Kraft und Mut macht, wenn es die richtige, also die dem einzelnen, musiksozialisationsbedingten Geschmack entsprechende, ist.  Das kann bei mir z.B. eine Beethoven-Symphonie oder Verdi-Oper sein, bei anderen Rock oder sonstwas.

aaa: Musik soll Widerstandsaktionen begleiten, verschönern, einfach nur Spaß machen, aufrütteln, Mut machen, ist schon ein Stück Widerstand?? Wofür, denkst Du, ist Musik hilfreich oder nützlich?
M.H.: Zum Aufrütteln genügt Musik nicht, es braucht gute Texte, die verständlich gesungen werden.  Solche Lieder können natürlich außerdem auch noch Kraft und Mut machen, wie oben genannt.

aaa: Welche Motivation treibt Dich dazu an, gegen den Castor in Ahaus aufzutreten?
M.H.: Nichts anderes als die sonst geltende (s.auch Artikel von Martina Haase zu Theater und Widerstand); wer nur auftritt, wenn was gerade "in" ist, ist kein politischer Musiker in meinem  (oder z.B. Hanns Eislers) Sinne.
Eisler, der Komponist von "Vorwärts und nicht vergessen" und vieler anderer Brecht-Texte, aber auch von Symphonien u.ä., hat gesagt: "Wenn sich die Musiker nicht für die Politik interessieren, interessiert sich diese doch für sie..."

aaa: Hast Du Vorbilder, oder siehst Du Dich in einer Tradition?
M.H.: s.o. + s.u.

aaa: In Wackersdorf 1986 beim WAAhnsinns-Festival, hörten 1000e Musik, statt sich an der Erstürmung des Bauzaunes zu beteiligen. Zum Teil wurde von der Bühne auch dazu aufgefordert, "friedlich" zu bleiben und nicht zum Bauzaun zu gehen. Wie kommentierst Du/ Ihr das?
M.H.: Zu Widerstandsfesten sollten zuerst MusikerInnen eingeladen werden, die sich als Teil der Bewegung  verstehen, nicht unbedingt eh populäre "Zugpferde", die womöglich nur die Bewegungskonjunktur auch noch ausnutzen wollen, dann kann sowas nicht passieren.

aaa: Die Zeiten, in denen Hunderttausende auf Demos "We shall overcome" und "Wehrt euch" singen, sind vorbei. In Ahaus liefen während des Castortransportes zig Leute rum, die auf der Suche nach den Toten Hosen den Castor- Widerstand vergaßen. Kids tragen Che auf dem T-Shirt und sind davon überzeugt, dies wäre der Sänger von "Rage against the machine". Und Hannes Wader hat ebenso wie die Malocher bei Hoesch den Text der Internationalen vergessen. Ist das kein Grund zum Resignieren? Ist politisches Liedgut (noch) "zeitgemäß"? Welche Inhalte, welche "message" wollt Ihr mit Euren Liedern vermitteln?
M.H.: Auf den Anti-AKW-Demos der letzen Jahre waren auch neue Lieder zu hören, die, wie die alten, mal gesammelt und gedruckt werden müßten. Die AAB zeichnete sich im Gegensatz zur Friedensbewegung lange durch die - auch regionale und dialektmäßige - Vielfalt ihres Liedgutes aus. Viele Leute kannten und sangen viele verschiedene Lieder, nicht wie in der Friedensbewegung ein paar dauernd abgenudelte "greatest hits" von Stars und viele "Eintagsfliegen".  Auf Konjunkturritter wie Wader sollten wir uns eh nicht verlassen: Anfang der Siebziger sang er von  militanten Anschlägen (Tankerkönig)  und 77 verdammte er in "Freunde,Genossen" die RAF, indem er sie mit Strauß und Co  auf eine Stufe von "Demokratiefeinden" stellte.  Die besten Anti-AKW-Lieder stammen nicht  von Stars, sondern z.B. von Walter Moßmann ( Ballade von Heiteren, Whyl-Lieder, Lied vom Lebensvogel), von "Saitenwind" (,Katastropheneinsatzplan") und von unbekannteren Sänger/innen, auch von mir (Kalkar-Lied, Malville-Ballade)

aaa: Welche politischen und/ oder sozialen Projekte unterstützt Du konkret? Oder ist das Lieder-Singen "an sich" schon Widerstand?
M.H.: Politische Lieder entsprechen immer der Stärke der jeweiligen Bewegung: Auf den Höhepunkten entstehen die meisten, also auch weniger gekonnte von Gelegenheitsdichtern; z.B. 1792/3, als die deutschen Radikaldemokraten hofften, im Zuge der französischen Revolutionsarmee würde die Revolution auch nach Deutschland greifen, und das linke Rheinland schon befreit war, entstand dort, aber auch rechtsrheinisch, eine Riesenflut von Freiheitsliedern, allein 5-7 Marseillaisenübersetzungen.
Auch 1848/9 und 1918 haben eine Menge Lieder hervorgebracht, 1968 etwas weniger, jedenfalls deutschsprachige, die Bewegung war halt teilweise ziemlich intellektuell....
Hervorrufen einer Bewegung durch Lieder - schön wäre es. Aber eine wie die unsere muß ja eh erstmal argumentieren. Daß der Kampf dann weitergeht, dazu können Lieder beitragen (wie auch andere Musik), aber nicht nur mit Wut-Mut-Sprüchen, sondern z.B. auch mit Berichtsliedern, ensprechend der alten Zeitungslied-Tradition, um aus früheren Kämpfen zu lernen.

Cantare!

Antwort von Peter Münster

Ahaus, 22. Januar 1999

Liebe Jana,

Vielen Dank für Deinen Brief, der mir, ich möchte ehrlich genug sein das zuzugeben, schmeichelt. Mein musischer Beitrag zum Widerstand hält sich doch eher in Grenzen. Trotzdem möchte ich mich bemühen, Eure Fragen zu beantworten.

Wenn ich meinen Anteil am Widerstand betrachte, so steht dabei meine Rolle als Widerstandsorganisator bzw Widerstandsmoderator im Vordergrund. Ich bin also eher den AktivistInnen, denn den MusikerInnen zuzuordnen. Wenn es sich jedoch ergibt, so bin ich nur zu gerne bereit, auch die Rolle des Musikers einzunehmen und auch mit meinem musikalischen Beitrag an die Öffentlichkeit zu gehen.

Die Verknüpfung von Musik und Widerstand ist hilfreich, denn Musik solidarisiert und macht ggf. empfindlich für alle menschlichen Vorgänge. Unser Widerstand gegen Atomtechnologie ist nicht zuletzt auch ein Widerstand gegen Entmenschlichung durch technologischen Größenwahn. Für mich persönlich kommt hinzu, daß Musizieren und sich Wohlfühlen zwei Dinge sind, die eng zusammengehören.
Meine Motivation gegen Castortransporte entstammt meinem Kampf gegen die Nutzung der Kernenergie. Wenn es einen roten Faden in meiner Biographie gibt, so besteht dieser in der Auseinandersetzung mit dieser Technologie, die ich vor nunmehr 30 Jahren dadurch begann, daß ich ein Ingenieurstudium der Fachrichtung Kerntechnik absolvierte. Mitte der 70er Jahre habe ich an den Auseinandersetzungen um Brokdorf und Kalkar teilgenommen. Es war also unvermeidbar, dass ich mich, nach meinem Umzug nach Ahaus, auch im hiesigen Widerstand engagiere. Für mich selbst ist mein Widerstand gegen Castortransporte im viel größeren Maße als Teil meines Widerstandes gegen Atomtechnologie zu sehen als umgekehrt. Möchte sagen, daß der Widerstand gegen Castortransporte für mich nur dadurch einen so hohen Stellenwert hat, daß sich hier ein Hebel zur Behinderung dieser Wahnsinnstechnologie auftut.

Klar habe ich Vorbilder. Dazu gehören all die vielen Menschen, die sich mutig für ihre berechtigte Sache einsetzten, ohne sich dabei selbst aufzugeben und die darüber hinaus auch noch in der Lage sind oder waren, die Rechte ihrer Zeitgenossen nicht zu verletzen. Das heißt nicht, dass nicht auch zuweilen "Prügel" auszuteilen wären, nur eben an die richtigen Leute. Schade nur, daß die, die dann "geprügelt' werden, nie der Meinung sind, dass sie die Richtigen seien. Dies war jetzt, so glaube ich, fast ein Biermann-Zitat, womit ich schon eines meiner Vorbilder genannt habe. Auch die Arbeit von "Klaus, dem Geiger" beeindruckt mich neben vielen anderen Künstlern sehr. Mich selbst in ihrer Tradition zu sehen, vermag ich nicht, denn dazu ist mein Anteil an Musik und Widerstand viel zu unbedeutend.
Zu den Vorkommnissen auf dem WAAhnsinnsfestival in Wackersdorf möchte ich nicht Stellung nehmen. Die Aufforderung "friedlich" zu bleiben kann richtig, aber auch überflüssig sein und ist nur aus der konkreten Situation heraus zu verstehen. Mir fehlen hier die Informationen und hinzu kommt, dass es etwas billig ist, im Nachhinein mit heißen Tips um sich zu werfen, wenn man von den Konsequenzen des Handelns nicht mehr betroffen werden kann.

Warum sollte ich verzweifeln, wenn einige Kinderchen das Che-Portrait für das Konterfei eines Rocksängers halten. Es sollte doch keiner glauben, dass die Verbreitung der Abbildung in den 60er Jahren sehr viel mit dem Wissen um die revolutionären Taten dieses Volkshelden zu tun hatte. Auch damals spielte die Fähigkeit zur Vermarktung schon die entscheidende Rolle bei der Entstehung von Mythen. Wenn also das Portrait heute ganz allgemein die Funktion hat, für eine diffuse gesellschaftskritische Grundhaltung zu stehen, so hat es sich nicht wesentlich von seiner ursprünglichen Funktion entfernt.

Ansonsten hoffe ich, daß niemand meiner MitstreiterInnen etwas tut, nur weil es "zeitgemäß" ist. Ich musiziere, weil es Spaß macht Musik zu machen und weil es schön ist zu erleben, dass andere Freude daran haben zuzuhören. Gab es je einen anderen Grund für Musik, es sei denn den des Geldverdienens?

Zur Zeit habe ich meine ganze Aktivität in die BI-Arbeit gesteckt, denn ich halte es für richtig, sich auf eine Arbeit zu konzentrieren. Hier in Ahaus bietet sich der Widerstand gegen die Kernenergie und speziell den Betrieb der BZA an. Meine Solidarität haben jedoch alle Bewegungen, die sich in die Tradition der Emanzipationsbewegung der Menschen einreihen oder sich für den Erhalt unserer Umwelt einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Münster

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"Menschengemäße Kunst muß

1. die Zerstörung des Menschengemäßen verhindern
2. das Menschengemäße aufbauen.

Nur das ist KUNST und sonst garnichts."

Diese Zeilen widmete Joseph Beuys im mai 1985 dem wendländischen Widerstand gegen die Atomindustrie.

Den Gedanken der "MENSCHENGEMÄSSEN KUNST" von Beuys wollen wir hier in Münster erneut aufgreifen.

Das große X auf dem Plakat von Beuys ist längst Zeichen des Widerstandes gegen die Atomindustrie geworden, aktuell am Beispiel der Castor-Atommülltransporte. Es steht für die Menschen, die sich tausendfach den Transporten entgegenstellen um so der menschenverachtenden Atomindustrie ein Ende zu setzen.

Wir wollen dieses Zeichen aufnehmen, um daran zu erinnern, daß unweit von Münster, in Ahaus, ebenfalls hochradioaktiv strahlender Müll lagert, der alles Menschengemäße zerstört.

Da menschengemäße Kunst die Zerstörung alles Menschengemäßen verhindern muß, steht unser X hier, um Menschen zu ermuntern, sich dem Widerstand anzuschließen und sich dem geplanten Castortransport nach Ahaus entgegen zu stellen.

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Konzertblockade: Klassische Musik bis zur Räumung!

Lebenslaute

Unter dem Namen "Lebenslaute" finden sich seit ca. 13 Jahren engagierte MusikerInnen aus ganz Deutschland zusammen, die u.a. klassische Musik gerade an den Orten zum Klingen bringen, wo dies am wenigsten erwartet wird: vor den Toren von Atomfabriken, Raketen- und Giftgasdepots, vor Rüstungsexportfirmen oder Abschiebeflughäfen.

Als Menschen verschiedenen Alters, mit unterschiedlichen Weltanschauungen und Berufen, leisten wir gemeinsam musikalischen Widerstand gegen die Bedrohung von Leben durch Rassismus, Militarismus, Umweltzerstörung und Unmenschlichkeit.

"Lebenslaute" ist im laufe der Jahre zu einer offenen gewaltfreien Aktionsgruppe geworden. Sie zeigt sich in der Öffentlichkeit meist als Orchester und Chor. Häufig stehen wir bei unseren Aktionen im Spannungsfeld zwischen gelungener musikalischer Darbietung und gelungener politischer Aktion.

In ständiger Auseinandersetzung versuchen wir, eine authentische, in sich stimmige Aktion durchzuführen. Immer mehr von uns nehmen bewußt Gerichtsverhandlungen auf sich, um damit noch einmal vor Gericht für eine gerechte Sache einzustehen und den konsequenten Weg des Zivilen Ungehorsams zu gehen.

Wir haben die Erfahrung gemacht, daß gerade klassische Musik (wir treten auch in "Konzertkleidung" auf!) zur Deeskalation beiträgt, da sie in unserer Gesellschaft einen kulturell "seriösen" Stellenwert hat. Polizei oder Menschen, die DemonstrantInnen eher skeptisch oder ablehnend gegenüberstehen, sind diskussionsbereiter und weniger aggressiv.

Die Auswahl der Musikstücke steht immer im Zusammenhang mit dem Aktionsort. Am Brennelementewerk in Hanau z.B. bezogen sich die Werke inhaltlich auf jeweils eines der vier Elemente, die symbolisch für die alternativen Energien standen. Gleichzeitig erinnerten wir an die Folgen und die Opfer von Atomenergie mit Teilen aus Mozarts "Requiem" und der "Trauermusik" von Hindemith.

Die Anti-Atom-Arbeit bildet neben Antimilitarismus und Antirassismus einen thematischen Schwerpunkt der "Lebenslaute". Konzertblockaden in Wackersdorf, Brokdorf, vor dem Brennelementewerk Hanau, in Gorleben und Ahaus fanden und finden statt, mal als Aktion Zivilen Ungehorsams (z.B. Übersteigung des Zauns zur PKA in Gorleben und Singen innerhalb des Geländes), mal mehr als Öffentlichkeitsarbeit (z.B. kleine Konzerte in Bahnhöfen und Flugblätterverteilung zum Castortransport in den Zügen).

Unsere diesjährige Aktion, zu der wir hiermit zum Mitmachen aufrufen, steht unter dem Motto: "Große Abschiedssinfonie an die Atomenergie".

Große Abschiedssinfonie an die Atomenergie

Für Sommer ´99 planen wir eine Konzertaktion mit Chor und Orchester, Profis und Laien. Die neue Regierung hat ihre Zusage zum Ausstieg gegeben. Damit diese Zusage auch schnellstmöglich Wirklichkeit wird, stimmen wir sie ein mit Musik und evtl. Zivilem Ungehorsam.

Termin und Ort  der Aktion stehen z.Zt. noch nicht fest. Nächstes Lebenslautetreffen ist am 27. März 99 ab 10 Uhr in Bosenholz.

Kontakt und Anmeldung:

Lebenslaute
c/o W. und K. Dehlinger
Bosenholz 11
33154 Salzkotten

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Konsens bleibt Nonsens

Lassen sich jetzt die Umweltverbände verschrödern?

(aaa, redaktioneller Stand des Beitrags: 05.03.)
Die für den 09.03.99 geplante Runde der Energie-Konsensgespräche mit den AKW-Betreibern wurde vom Bundeskanzleramt abgesagt und eine Konsultationsrunde zwischengeschaltet. Schröder und seine Minister Müller und Trittin wollen zunächst vier kleine Gesprächsrunden durchführen.

Die Mutterkonzerne

Am 09.03. sollen nun die Mutterkonzerne der Betreiber in Bonn zusammenkommen; die Betreiber seien teilweise betriebsblind, wie aus dem Umweltministerium verlautete, hätten die Mutterkonzerne Viag für die Bayernwerke, Veba für die PreussenElektra, aber auch RWE für RWE Energie AG und die Energie Baden-Württemberg eher übergeordnete Interessen und könnten wohl leichter als die Betreiber direkt auf Konsens-Linie gebracht werden.

Diese Gesprächsrunde soll von einer Großdemonstration der Gewerkschaften begleitet werden; ca. 10.000 AKW-Malocher sollen in Bonn auflaufen und für ihre strahlenverseuchten Arbeitsplätze demonstrieren. Wie die Süddeutsche Zeitung meldete, sollen allein aus Gundremmingen 500 Leute in zehn Bussen angekarrt werden.

Und als Bayerns Umweltminister Schnappauf Gundremmingen mit einem Antrittsbesuch bedachte, kam es "im Schatten der Kühltürme fast zu einer politischen Demonstration. Freundlicher Beifall von rund 200 Kraftwerksmitarbeitern empfängt den Minister. Er wird von Justizminister Alfred Sauter begleitet, zu dessen Stimmkreis Gundremmingen gehört. Im Kraftwerk sind die Fahnen aufgezogen, die Werkskapelle spielt den bayerischen Defiliermarsch, und der technische Geschäftsführer Gerd von Weihe macht aus seiner Befindlichkeit kein Geheimnis: "Solche Unterstützung können wir in diesen schwierigen Zeiten gut gebrauchen." (Original Süddeutsche Zeitung)

Und: "Die geplante Protestaktion in Bonn ist deshalb ganz im Sinne des bayerischen Umweltministers, dem die Aufsicht über die fünf Atommeiler im Freistaat obliegt. "Es ist gut, daß Sie sich artikulieren, demonstrieren Sie für ihre Arbeitsplätze", ruft der Umweltminister den Mitarbeitern zu."

Daß Schröder von den Mutterkonzernen mit dieser machtvollen Demonstration im Rücken keine weitreichenden Zugeständnisse erwarten kann, ist eigentlich klar. Beinahe hätten die Energieversorger aus Verärgerung über die Steuerreform und die daraus resultierende Besteuerung der milliardenschweren Rücklagen die Gespräche platzen lassen, aber am 05.03. hat der noch amtierende Sprecher der AKW-Betreiber Manfred Timm von den HEW mitgeteilt, daß sie nun doch an dem Gespräch teilnehmen werden. Wahrscheinlich wird eher dieses Thema im Vordergrund stehen als ein Ausstieg, aber wer glaubt schon daran, daß Schröder dieses Ziel tatsächlich verfolgt?

Die Industrieverbände

Am Donnerstag, dem 11.03. laufen dann - nach Auskunft des Umweltministeriums - in Bonn die Industrieverbände auf. Mit von der Partie: der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Deutsche Industrie und Handelstag (DIHT) und die Deutsche Handwerkskammer.

Auch hier hat Schröder keinen Gegenwind zu erwarten; nur Bekräftigung, daß ein Ausstieg den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet.

Die Gewerkschaften

Auch am 11.03. sollen die Gewerkschaften bei Schröder ihre Meinung sagen dürfen. Nach der wahrscheinlich machtvollen Demonstration am Dienstag eigentlich nicht mehr nötig, denn was gibt es da noch zu reden.

Die Gewerkschaften haben leider nur die derzeitigen Arbeitsplätze im Sinn, sehen aber nicht, daß sie viel mehr mögliche Arbeitsplätze durch das Beharren auf Atomenergie verhindern. Denn daß eine zukunftsorientierte Energiewende ein hohes Arbeitsplatzpotential hat ist eigentlich schon oft genug nachgewiesen worden.

Zwar finden sich bei den Gewerkschaften auch atomkritische Gedanken und Leute die dies vertreten, aber die Linie ist klar. Und die vielen Gewerkschafter in den Aufsichtsräten der Atomkonzerne, Banken und Versicherungen lassen sich ihr Engagement für die Atomenergie gut honorieren.

Die Umweltverbände

Am Freitag dem 12.03. sollen die Umweltverbände bei Schröder ihre Haltung zur Atomenergie vortragen. Das Bundeskanzleramt hat den Deutschen Naturschutzring (DNR - Dachverband von über 100 Umwelt- und Naturschutzgruppen) gebeten, die Koordination zu übernehmen und gleichzeitg Greenpeace (nicht Mitglied im DNR) eingeladen.

Der DNR hatte eine erste Liste zusammengestellt, auf der auch der BBU (Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz), der WWF, die Grüne Liga und ROBIN WOOD für die Gespräche benannt wurden. Diese Liste wurde vom Kanzleramt kassiert und die Runde verkleinert auf fünf Personen (DNR, BUND, Nabu, Greenpeace und Hubert Weinzierl als Delegationsleiter).

Was das Gespräch mit den Umweltverbänden inhaltlich bringen soll, ist überhaupt nicht klar. Vom Kanzleramt keinerlei Andeutung, ob es nur ein Gespräch gibt, oder aber ob die Umweltverbände längerfristig einbezogen werden.

Aber wofür? Die Kanzler-Konsens-Linie ist relativ eindeutig. Restlaufzeiten von mehreren Jahrzehnten, Wiederaufarbeitung bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, Atomtransporte wie gehabt. Was gibt es da zu reden? Vielleicht noch einmal die Chance dem Kanzler und seinen Ministern deutlich zu machen, daß die Umweltverbände den sofortigen Ausstieg wollen. Aber ist das auch so? Welches sind die Positionen der geladenen Verbände; was wollen sie mit Schröder verhandeln, wenn das Ziel "Sofortiger Ausstieg" auf der Agenda ganz oben steht? Lassen sie sich auf Verhandlungen über einen wie auch immer festgelegten Ausstiegszeitraum ein? Sollte das der Fall sein, sprechen sie absolut nicht für die Anti-Atom-Bewegung. Aber die wird ja auch gar nicht erst gefragt oder eingeladen. Die Verbände mögen sich als Teil der Bewegung verstehen. Für die Bewegung aber sprechen sie dann nicht. Denn die fordert den sofortigen Ausstieg - ohne wenn und aber.

Die Anti-Atom-Bewegung

ist vom Kanzler nicht eingeladen. Die Gespräche im Separee des Bundeskanzleramtes braucht die Anti-Atom-Bewegung nicht. Ihr Gesprächsort bleibt die Straße. Die Argumente sind eindeutig. Und sollten die Umweltverbände sich bei den Gesprächen tatsächlich verschrödern lassen und zu Marionetten an der Marionette der Atomlobby werden, dann wird die Anti-Atom-Bewegung hierauf eindeutige Antworten wissen.

Jürgen Siebert

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Notizen aus der Atomwirtschaft

(aus dem Zeitraum 01.02.99 bis 28.02.99; zusammengestellt von Jürgen Siebert, aaa)
Hinweis: aktuelle News im Internet unter http://members.aol.com/juesiebert

Atomstatistiken

Schweden: Die 12 AKW produzierten 1998 70 TWh Strom, was ca. 50% des Stromverbrauchs ausmachte.
Finnland: Die vier AKW produzierten 1998 21 TWh Strom.
Belgien: Die sieben AKW produzierten 1998 44 TWh; das sind 55% der Stromproduction des Landes.
Schweiz: Die fünf AKW produzierten 1998 24 TWh.
Ukraine: Die 14 AKW produzierten 1998 75 TWh.
China: Das AKW Daya Bay (2 Reaktoren) produzierte 1998 ca. 13 TWh Strom TWh

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Emittiert das AKW Krümmel Plutonium?

Frau Professor Inge Schmitz-Feuerhake hatte im Herbst 1998 ein Gutachten für die Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch erstellt. Insgesamt wurden 12 Hausstaubproben aus der Umgebung des AKW Krümmel und 5 Kontrollproben aus weiter entfernten Gegenden auf Americium 241 untersucht. Am 241 ist ein Tochterprodukt von Plutonium 241. (Der direkte Nachweis von Pu ist sehr aufwendig und wurde nur an wenigen Proben vorgenommen.)

An der Ausmessung der Hausstaubproben wurden zwei Labors beteiligt. Der Laborleiter der Bremer Landesmeßstelle äußerte in der Öffentlichkeit, daß das Plutonium eine Folge der Atombombenversuche sei, während Frau Schmitz-Feuerhake im Gutachten ausführte, das Pu könne nur aus dem AKW Krümmel stammen.

Wegen der möglichen Konsequenzen für den Weiterbetrieb von Krümmel gab es die unterschiedlichsten Einlassungen:

Die Kieler Reaktoraufsichtsbehörde distanzierte sich sofort und drohte, Frau Schmitz-Feuerhake nicht mehr als Gutachterin zu akzeptieren. Gleichzeitig teilte Kiel jedoch mit, es werde weitere Hausstaubproben untersuchen lassen.

Die Betreiber verwiesen darauf, daß sie noch nie Pu in derartigen Konzentrationen im Kamin gemessen hätten.

Die Bürgerinitiative berichtete, daß in der Umgebung von Krümmel schon mehrfach Pu in Umweltmedien festgestellt wurde und daß im AKW Krümmel in seiner Anfangszeit erhöhte Korrosion an den Brennelementen zu beobachten war.

Verbeamtete Strahlenschützer wiesen vorsichtshalber darauf hin, daß die geringen Pu-Konzentrationen im Hausstaub zu keinerlei Gesundheitsgefährdung führen könnten.

Die Medien verbreiteten besonders ausführlich die Position, Frau Schmitz-Feuerhake hätte ein unseriöses Gutachten erstellt und instrumentalisiere die Leiden der Leukämieopfer für ihr Ziel, "Krümmel vom Netz zu gutachten". Anerkennung fand nicht die Tatsache, daß im wesentlichen Frau Schmitz-Feuerhake  immer wieder neue Gedanken, Nachweise und Hypothesen zu den Ursachen für das Leukämie-Cluster in der Elbmarsch entwickelte, während ihre KollegInnen in den Leukämie-Kommissionen sich eher passiv verhielten. Auch die Idee, das "Gedächtnis" von Hausstaub zu nutzen, um Radioaktivität in der Umwelt nachzuweisen, kam von ihr.

Die Leukämiekommission des Landes Schleswig-Holstein und die Arbeitsgruppe Belastungsindikatoren der Niedersächsischen Leukämiekommission empfahlen auf ihrer Sitzung am 25.11.98, die Ergebnisse von Frau Schmitz-Feuerhake zu überprüfen. Die Arbeitsgruppe Belastungsindikatoren sprach sich darüber hinaus dafür aus, das (damals in Revision befindliche) AKW Krümmel nicht wieder anzuschalten, bis die Herkunft des Pu im Hausstaub geklärt sei.

Anfang Dezember 1998 gab die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) eine Presseinformation heraus. Die PTB stellt fest:

  • Seit 1985 wird regelmäßig Pu in der Luft gemessen (bis 1992 in Berlin, ab 1990 in Braunschweig.
  • Die Pu-Gehalte sind verträglich mit denen im Hausstaub der Elbmarsch
  • Nach dem Unfall von Tschernobyl waren die Pu-Konzentrationen in 1986 um das Fünfzigfache gegenüber 1985 höher.
  • Auch das heute in der Luft enthaltene Pu stammt überwiegend aus dem Reaktorunfall in Tschernobyl.
  • Pu stammt praktisch nur aus künstlichen Quellen: Reaktoren, Atombomben, Satellitenabstürzen, Wiederaufarbeitung.

Diese Pressemitteilung wurde von den Medien praktisch totgeschwiegen. Sie hätte das Hauptargument der Kritiker von Frau Schmitz-Feuerhake, das Pu käme allein aus dem Atombombenfallout, entkräftet. Offensichtlich bestand kein Interesse daran, die vorverurteilte Professorin wenigstens teilweise zu rehabilitieren.

  • Der derzeitige Erkenntnisstand ist etwa wie folgt:
  • Das Pu im Hausstaub ist größtenteils Reaktor-Pu.
  • Ob das Pu nur aus Tschernobyl oder auch aus dem AKW Krümmel stammt, ist nicht bekannt.
  • Es werden weitere Untersuchungen zur Klärung dieser Frage durchgeführt. Die Ergebnisse sollen Ende 1999 vorliegen. (Anmerkung: Es erscheint wenig aussichtsreich,  Krümmel eindeutig als Pu-Emittent zu identifizieren.)

Es bleibt die bittere Erkenntnis, daß wer arbeitet auch Fehler macht. Und wer sich mit der AKW-Lobby anlegt, wird gnadenlos verunglimpft. Wir sollten nicht darauf warten, daß die Wissenschaft die Ursache der Leukämien in der Elbmarsch findet, sondern unabhängig davon unsere Aktivitäten für die Abschaltung der AKWs verstärken.

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Interview mit Karsten Hinrichsen, Mitglied in einer der Leukämie-Kommissionen

Aufgabe müßte es sein, die Annahme zu falsifizieren

aaa: Nachdem um das AKW Krümmel viele Kinder an Leukämie erkrankt waren, wurden wissenschaftliche Kommissionen gebildet. Welche gibt es?
Karsten: Die erste Kommission in Norddeutschland untersuchte das Leukämie-Cluster in Sittensen. Für die auffallend vielen Leukämie-Erkrankungen wurde ein defektes Röntgengerät eines ortsansässigen Arztes als Ursache identifiziert. In Fortführung ihrer Arbeit befaßte diese sich dann als Niedersächsische Leukämiekommission mit den Leukämie-Erkrankungen in der Elbmarsch, südlich des AKW Krümmel. Schleswig-Holstein rief ebenfalls eine Leukämiekommission zusammen, in die teilweise die gleichen WissenschaftlerInnen berufen wurden. Weiter gibt es eine Fachbeamten-Kommission, die aus Mitgliedern der Reaktorsicherheitsbehörden in Kiel und Hannover besteht. Nachdem die Häufigkeit der Leukämie-Erkrankungen in den Rosenanbaugebieten der Kreise Pinneberg und Steinburg bekannt geworden war, wurde eine Task force zur schnellen Ursachenklärung gebildet. Die Schleswig-Holsteinische Leukämiekommission legte sich die "Arbeitsgruppe Tritium" zu und die Niedersächsische die "Arbeitsgruppe Belastungsindikatoren".

aaa: Du bist Mitglied in der letztgenannten.
Karsten: Ja. Sie ist die Folge eines Wahlversprechens des damaligen Ministerpräsidenten Schröder. Ich schlug übrigens vor, zwei Teil-Arbeitsgruppen zu bilden, eine, in der nur AtomenergiebefürworterInnen und eine, in der nur AKW-GegnerInnen zusammenarbeiten sollten. Jede Gruppe hätte dann die Arbeitsergebnisse der jeweils anderen bewertet und sie bei Bedarf wissenschaftlich und (öffentlich) diskutieren lassen. Diesem Vorschlag wurde nicht gefolgt, mit dem Ergebnis, daß sich Atomenergiebefürworter und -gegner gegenseitig behindern, jeweils aus Angst, gute Ideen könnten unerfreuliche Erkenntnisse liefern. Ich muß wohl nicht extra betonen, daß auch WissenschaftlerInnen Mitglieder der Gesellschaft sind und es mit ihrer Neutralität bei der Bewertung vonDaten nicht weit her ist, wenn es um eine so brisante Frage wie die Stillegung eines AKW geht. Insbesondere dann (und das trifft für einige Kommissionsmitglieder zu), wenn deren Arbeitsleben und Karriere eng mit der in Rede stehenden Technologie verbunden sind.

aaa: Das Klima unter den Kommissionsmitgliedern soll sehr angespannt sein.
Karsten: Dazu möchte ich nichts sagen. Aber wir hatten die Hoffnung, daß nach der Bildung der rot/grünen Landesregierung in Schleswig-Holstein die Arbeitsbedingungen und die Organisation der Kommissionsarbeit verbessert würden. Wir mußten jedoch erkennen, daß die dem grünen Umweltminister Steenblock unterstehende Kommission diesen wenig interessierte. Nur mit Mühe gelang es, ihn davon abzubringen, "seine" Kommission aufzulösen. Über diese Machenschaften war ein Teil der Kommissionsmitglieder so erbost, daß sie ihrerseits drohte, die Mitarbeit einzustellen.

aaa: Werden die Kommissionen Ergebnisse liefern, die zum Abschalten von Krümmel führen?
Karsten: Das wäre ein Zufall, auf den ich nichts wetten würde. Ich glaube, daß der Ansatz falsch ist, mit dem die Kommissionen arbeiten. Sie sollen unwiderlegbare und gerichtsfeste Beweise dafür liefern, daß Krümmel die Leukämien verursacht hat. (Die Annahme: Krümmel verursacht Leukämie, muß bestätigt werden.) Zur Verfügung stehen dazu die Meßwerte der Betreiber (auch die Kernreaktorfernüberwachung des Ministeriums basiert auf Messungen der betreibereigenen Meßgeräte), sowie in der Umgebung von Krümmel gemessene Radioaktivitätswerte (gemessen vom Betreiber selbst und der "unabhängigen" Meßstelle, der GKSS, die wegen des Betriebs ihres eigenen Forschungsreaktors kein Interesse an auffälligen Meßwerten haben kann) und epidemiologische Befunde (z.B. dizentrische Chromosomen).
Die Arbeitshypothese müßte genau anders herum lauten: "Krümmel ist nicht der Verursacher". Aufgabe wäre dann, diese Annahme zu widerlegen. Bei Auffälligkeiten müßte also nachgewiesen werden, daß sie nicht durch das AKW Krümmel bedingt sind. In der Praxis würde dies zu einer Beweislastumkehr führen. Die große Anzahl von Befunden, deren Ursache nicht eindeutig zu klären ist, würde dann nicht mehr als Unschuldsvermutung für Krümmel herhalten können.
Ein Beispiel: Im Hausstaub in der Elbmarsch wurde Plutonium gemessen. Der Kommission wird es kaum gelingen nachzuweisen, daß es von Krümmel emittiert wurde. Bestünde die Aufgabe jedoch darin, die Annahme, daß Krümmel nicht der Verursacher ist, zu falsifizieren, so wäre dies kaum möglich. Krümmel könnte sich nicht entschulden: D. h. es ist als potentieller Verursacher anzusehen. Viele derartige, ungeklärte Indizien (und die gibt es zu Hauf) würden Krümmel zunehmend belasten (und möglicherweise zu politischem Handeln motivieren). 

aaa: Die Schleswig-Holsteinische Landesregierung hat einige Gutachten auf den Weg gebracht, u. a. eine Fall-Kontroll-Studie, die 6 Mio. DM teuer ist und erst im Jahre 2002 fertig gestellt sein wird.
Karsten: Die Fall-Kontroll-Studie ist ebenfalls ein Wahlgeschenk. Es handelt sich um eine epidemiologische Studie. Es werden Leukämie-Erkrankte und eine Kontrollgruppe interviewt, um so über deren Lebensumstände (Ernährung aus dem eigenen Garten, Wohnort in AKW-Nähe, Rauchen, häufige Röntgenuntersuchungen usw.) Hinweise zu erhalten, welche Ursachen für die Leukämiehäufung in Frage kommen. Als Ergebnis sind Wahrscheinlichkeitsaussagen zu erwarten, etwa folgender Art: mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von x Prozent kommt Radioaktivität als Ursache in Frage. (Ob das Studiendesign überhaupt zwischen der GKSS und Krümmel unterscheiden kann, bleibt abzuwarten.) 
Wer die Entscheidungsfreudigkeit von Politikern, ihre Angst vor Schadensersatzforderungen der Betreiber und der Neigung von Richtern, bei Gutachteraussagen der Art "Krümmel ist mit 95% Sicherheit der Verursacher", im Zweifel lieber für den Angeklagten entscheiden, richtig einschätzt, wird den Verdacht nicht los, daß die Fall-Kontroll-Studie ein Schachzug ist, um ohne eine Entscheidung treffen zu müssen, die Legislaturperiode zu überdauern.
Meine Forderung lautet daher: Die Landesregierung muß jetzt, lange vor Abschluß der Studie, gezwungen werden, sich zu entscheiden, ab welchem Signifikanzniveau (Verlässlichkeit der Aussagen) sie die Ergebnisse für eine Stillegung von Krümmel und/oder des Forschungsreaktors der GKSS nutzen will. Alles andere wäre (außer einem eher "akademischen" Erkenntniszuwachs) eine Verschwendung von Steuergeldern.

Karsten Hinrichsen ist promovierter Diplom-Meteorologe. Sein Spezialgebiet ist die Ausbreitung von Schadstoffen mit der Luft. Er ist Mitglied der Arbeitsgruppe "Belastungsindikatoren" der Niedersächsischen Leukämiekommission. Z. Z. arbeitet er als Energiebeauftragter der Universität Hamburg.

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Frühjahrskonferenz der Anti-AKW-Bewegung
vom 9.-11.4.99 in Heidelberg

Es ist wieder so weit, die Frühjahrskonferenz ist da, und diesmal dürft Ihr den Süden des Landes erkunden. Das wunderschön spießige Heidelberg liegt im atomaren Dreieck, eingekesselt von Obrigheim, Biblis und Philippsburg -  und auch Neckarwestheim ist nicht weit. Nicht zu unterschätzen ist die Wichtigkeit des nahegelegenen Mannheimer Rangierbahnhofes für die Atomkonzerne als Verschiebeplatz für WAA-Atommülltransporte.

Da liegt es nahe, daß wir, die Heidelberger Anti-AKW/Castor-Gruppe, weniger eine theoretische, organisatorische Gruppe, sondern vielmehr eine Aktionsgruppe mit Bündnisanbindung sind. Zumindest waren wir das seit der Gründung 1995 im Vorfeld des Castortransportes Philippsburg - Gorleben. Seit dem Transportestopp arbeiten wir im organisatorischen Bereich zu Obrigheim und sind am Siemensboykott (demnächst wird es eine stadtbezogene Kampagne in Heidelberg geben) und an der Organisation von X-tausend mal quer - überall beteiligt.

Der Konferenzort ist das Kulturzentrum Karlstorbahnhof (KaBa). Dort befindet sich ein großer Plenumsraum, ein Großteil der Seminarräume und die Schlafplatzbörse. Der Karlstorbahnhof bezeichnet sich als soziokulturelles Zentrum, das im Wesentlichen von 4 Vereinen getragen wird, dem Theaterverein TiKK, dem Medienforum, dem Kulturcafe und dem Eine Welt Zentrum (EWZ). Das EWZ besteht aus 29 politischen Gruppen, u.a. auch der Anti-AKW/Castor-Gruppe. Seit der Räumung des Autonomen Zentrums (AZ) im Februar dieses Jahres, für dessen Erhalt auch wir uns eingesetzt haben, ist der KaBa der letzte verbliebene größere Ort, an dem politische und kulturelle Gruppen in Heidelberg arbeiten können.

Heidelberg ist recht klein, so daß alle notwendigen Orte zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sind.

Die Bundeskonferenz ist offen für alle Interessierten, nicht nur die in Bürgerinitiativen und Basisgruppen Organisierten.

Zu diskutieren gibt es auch diesmal genug: Die Atompolitik der rot-grünen Regierung hat selbst die schlimmsten Befürchtungen noch übertroffen. Selbst die ihrerseits schon absolut unzureichenden Absichtserklärungen des Koalitionsvertrages wurden inzwischen ohne Not ganz im Sinne eines ziel- und ergebnisfreien "Pragmatismus" in den sogenannten Konsensgesprächen zu Grabe getragen. Statt dessen verspricht die neue Regierung bahnbrechende Neuerungen zugunsten der Atomkonzerne: Die angedachte zügige Errichtung dezentraler Zwischenlager verhindert nicht einen Transport, reduziert allerdings den Druck auf die Betreiber und behindert eine öffentliche Debatte um die ungelöste Entsorgungsproblematik.

Dagegen berichteten die Medien in letzter Zeit massiv über die angebliche Rücknahmeverweigerung des (von den Stromkonzernen ins Ausland verschobenen ) Atommülls durch die Anti-AKW-Bewegung. Gerade deswegen macht es Sinn, die Kontakte zu den Bewegungen außerhalb Deutschlands zu stärken. Geplant ist weiterhin, Anfang Okober eine große bundesweite Demo in Berlin zu machen und bis dahin in vielen unterschiedlichen Aktionen der Forderung  eines sofortigen Ausstieges aus dem Atomgeschäft Nachdruck zu verleihen. 

Eines der wichtigsten Aktionsfelder der nächsten Zeit ist sicherlich die Blockade des ersten Castors seit des Transportestopps. Die Abwiegelung des Castor-Skandals ist bereits in vollem Gange. Die Betreiber des AKW Gundremmingen haben bereits angekündigt, im Sommer einen Transport mit sechs Castoren durchführen zu wollen. Transporte aus den stillgelegten AKWs Rheinsberg und Rossendorf sind bald zu erwarten. Die Perspektiven für die Bewegung sind trotz allem einigermaßen günstig: Wann gab es schon einmal die Möglichkeit, einen Reaktor vom Netz zu blockieren?

Außerdem wollen wir wieder einmal den Blick über den Tellerrand hinaus wagen. Insbesondere der EU-Gegengipfel in Köln Ende Mai und die in den Startlöchern stehende Bewegung gegen den Flughafenausbau in Frankfurt (Landebahn Nord) bieten weitere Handlungsmöglichkeiten für Anti-Atom-Bewegte.

...

Anreise:

mit den Öffentlichen:

Vom Hauptbahnhof Heidelberg aus gibt es 2-3 Regionalzüge (RE) pro Stunde Richtung Neckartal, die am KaBa halten. Auch mit dem Bus ist der KaBa gut zu erreichen: vom Hbf. aus mit Linie 33 Richtung Köpfel/ Ziegelhausen oder erst mit einer der diversen Bus- und Straßenbahnlinien zum Bismarckplatz und von dort mit der Linie 35 Richtung Neckargemünd bis zur Haltestelle Karlstorbahnhof. Das einzige sinnvolle Ticket ist das sogenannte Ticket 24 plus, eine Tageskarte für mehrere Personen.

mit dem Auto:

Heidelberg liegt direkt an der A5 und ist dadurch gut von Nord und Süd aus zu erreichen. Fahrt einfach am Heidelberger Kreuz auf die A656 Richtung Heidelberg und folgt den Ausschilderungen in Richtung Neckargemünd/Eberbach (B37). Der KaBa liegt am anderen Ende der Stadt, direkt am Neckar und sollte von der Straße aus eigentlich nicht zu übersehen sein. Die Parkplatzsituation in Heidelberg ist katastrophal. Hinter dem KaBa gibt es einen gebührenpflichtigen, bewachten Parkplatz. Auch Parkhäuser gibt es in Heidelberg zur genüge, sie sind aber ohne Ausnahme teuer. Eine Ausweichmöglichkeit wären die Uni-Parkplätze im Neuenheimer Feld, die allerdings eine gute halbe Stunde mit dem Bus vom KaBa entfernt sind. Laßt das Auto besser stehen.

Orga-Kram

Denkt an Isomatten, Schlafsäcke, und all die netten Sachen, die Euch Spaß machen...

Teilnahmebeitrag:

Für die Teilnahme an der Konferenz müssen wir einen Beitrag von 30-50 DM (nach Selbsteinschätzung) von Euch verlangen. Allerdings sollte Euer Kommen nicht an Geldmangel scheitern, meldet Euch in diesem Falle bei uns. Zur Kostendeckung wären ca. 35 DM notwendig, falls wir nicht noch Zuschüsse bekommen, was den Beitrag senken würde.

Wer uns jetzt schon unterstützen will - oder auch sonst:
Wir haben ein Konto unter:

Tobias Polzin, Stichwort: Bundeskonferenz
H & G - Bank, BLZ: 672 901 00, Ktnr: 66 06 93 03

Für eure Anmeldung und alle Infos und Fragen wendet Euch bitte an:

Anti-AKW/Castor-Gruppe
c/o Eine Welt Zentrum
Am Karlstor 1
69117 Heidelberg
Tel.: 06221/978927
Fax: 06221/978932
anti-atom-heidelberg@gmx.de

Aktuelle Infos zur Konferenz gibt es auch unter http://www.oneworldweb.de/aaa/

Zeitplan:

Freitag:

ab 16:00 Anreise
ab 18:00 Abendessen
19:00 Einführung für EinsteigerInnen auf der Bundeskonferenz
20:30 Vortrag zu dem französischen Atomendlager in Bure. Danach offene Diskussion, auch über WAA und Rücktransporte

Samstag:

08:30 Frühstück
09:30 Eröffnungsplenum
10:15 AG - Phase
12:30 Mittagessen
14:30 AG - Phase
ca. 16:30 Waffel- und Teepause
ca. 17:00 AG - Phase
19:00 Abendessen
danach tragen die Delegierten der AGs die Ergebnisse zusammen
21:00 Party zur 100. Ausgabe der anti atom aktuell mit Stefan Balzter aus Giessen, Hin & Weg aus Oldenburg und der Ersatzkapelle aus Dresden. Bei Bedarf weitere Räume und Zeit für AGs

Sonntag:

08:30 Frühstück
09:30 Abschlußplenum (Positionsbestimmung und Perspektiven)
12:30 Mittagessen
im Anschluß: Spaziergang am AKW Biblis, organisiert vom Hessen-Baden-Plenum  und  Treffen der Standortinitiativen

Arbeitsgruppen:

  • Einführung für EinsteigerInnen (Freitag)
  • Herbstdemo/Ausstiegskampagne
  • dezentrale Zwischenlager an den AKWs
  • Internationale Vernetzung
  • Diskussion mit FranzösInnen (und BritInnen)  über Rücktransporte aus der WAA
  • nächster CASTOR
  • Wie gehen wir um mit stillgelegten AKWs
  • EU-Gipfel in Köln 99 / Weltwirtschaft / Siemensboykott
  • Liberalisierung des Strommarktes
  • Repression
  • Flughafenerweiterung Frankfurt/Main
  • AG Standortinitiativen (Sonntag)

Nebenbei: Tranparente malen für "Gib Stoff" Aktion am 25.4.99 in Saarbrücken!

AGs, die noch unklar sind:

  • Militante Strategien in der Anti-AKW-Bewegung
  • UF6-Transporte, Brennelemente- Transporte, Transporte mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall
  • Klettern/Anketten (falls irgendwer Lust hat, was Praktisches zu machen)
  • Anti-AKW und Sexismus
  • Uranabbau
  • Anti-AKW und Rechtsradikalismus (bei Bedarf)

EinsteigerInnen-AG
(am Freitag Abend)

Diese AG richtet sich an Neulinge, die zum ersten Mal an einer BuKo teilnehmen oder sich noch überhaupt nicht in der Bewegung engagiert haben. Die AG soll EinsteigerInnen Hilfe bei der Orientierung auf der BuKo leisten und die Bedeutung der BuKo für die Bewegung verdeutlichen. Desweiteren soll über die politische Lage aus unserer Sicht informiert werden.

AG Herbstdemo

Für den Herbst ist bereits eine Großdemo angedacht, um gegen Ende der Konsensgespräche zu verdeutlichen, daß die Anti-AKW-Bewegung nicht übergangen werden kann. Diese Demo soll in Berlin stattfinden, zumal der Regierungsumzug bis dahin abgeschlossen sein wird. Diese Aktion kann nur erfolgreich sein, wenn es schon im Vorfeld ein umfassendes Mobilisierungskonzept gibt. Geplant ist, über das ganze Jahr hinweg viele, dezentrale Aktionen eingebunden in eine Ausstiegskampagne als Mobilisierungsmöglichkeit zu nutzen.

AG Dezentrale Zwischenlager

Im Zuge des Atomkonsens zwischen Bundesregierung und Stromkonzernen wird beim Atommüllproblem immer mehr auf den Bau standorteigener Zwischenlager gesetzt. Daß dies keineswegs ein Schritt Richtung Ausstieg ist, wie Rot-Grün behauptet, ist der Bewegung nicht erst klar, seit bekannt wurde, daß die erste beantragte Castorhalle beim AKW Lingen eine Kapazität von 120 Stellplätzen haben und damit Platz Brennelemente aus 30 Reaktorbetriebsjahren bieten soll. Der Sinn der dezentrale Zwischenlagerung ist vielmehr der Bundesregierung den lästigen Widerstand ersparen, der inzwischen mit Castortransporten verbunden ist, und denBetreibern den leisen und widerstandsarmen Weiterbetrieb zu sichern.

Aber die bundesweite Bauwelle von Castorhallen bringt auch eine Chance für die Anti-Atom-Bewegung mit sich. Denn jeder Neubau kann einen Aufschwung für die örtlichen Standortinitiativen bedeuten. Ein Effekt, der sich in Lingen schon abzeichnet.

Die Situation, daß die Initiativen bundesweit an den Standorten mit Castorhallen-Neubauten mit den selben Problemen und Chancen zu tun haben werden, macht es sinnvoll sich über ein gemeinsames Vorgehen und gemeinsame Argumentationslinien zu verständigen. Damit soll in dieser Arbeitsgruppe begonnen werden.

Ein Vorschlag wäre auch, auf der Bundeskonferenz ein festes Castorhallen-Netzwerk zu gründen. Das zum Beispiel die Pressearbeit fuer alle Standorte mit Zwischenlager-Neubauten unterstützen oder größere Aktionen oder Aktionstage koordinieren kann. Auch gibt es vieles, was bei allen Zwischenlager-Neubauten gleich ablaufen wird, und wobei es sinnvoll ist, es gemeinsam anzugehen. Es wird an allen Standorten ein atomrechtliches Genehmigungsverfahren geben, wofür zum Beispiel gemeinsam nur ein Anwalt engagiert und viele Gutachten nur einmal gemacht werden müssen. Auch wäre es möglich daß ein Standort eine Veranstaltung zu Katastrophensicherheit, Niedrigstrahlung oder Endlagerproblematik und die dazugehörigen Infomaterialien konzipiert, und dann eine Rundreise zu den anderen Standorten organisiert wird.

AG Internationale Vernetzung

Die Aufdeckung des "Castor-Skandals" im letzten Jahr und die aktuelle Diskussion um die WAA-Rücktransporte zeigen die Bedeutung internationaler Vernetzung der Anti-AKW-Bewegungen. Wir müssen eine Grundlage für gemeinsame Positionen schaffen, die dann ein gemeinsames geschlossenes Handeln ermöglichen. Unser Denken darf nicht an nationalen Grenzen enden! Abgesehen von den WAAs in Großbritannien und

Frankreich, die in einer gesonderten AG behandelt werden, geht es um Probleme wie Uranabbau, Export von Atomtechnik und um die eventuelle Lagerung westlichen Atommülls in ärmeren Ländern. Wir hoffen auf viele Teilnehmer aus aller Welt, die diese AG mit direkten Informationen aus ihren Ländern bereichern können.

AG Rücktransporte von den WAAs

Diese Arbeitsgruppe soll sich intensiv mit der Problematik der WAAs in Großbritannien und Frankreich und der Frage des Rücktransportes beschäftigten. Ziel ist es, gemeinsame Strategien mit den dortigen Anti-AKW-Bewegungen sowohl im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit als auch für direkte Aktionen zu entwickeln.

Diese AG könnte auch kombiniert werden mit der AG Internationale Vernetzung oder mit AG

AG nächster CASTOR

Der erste Castor-Transport unter rot-grüner Bundesregierung kommt bestimmt - und wir sollten gut darauf vorbereitet sein, um zu zeigen, das wir hier keinen Konsens mit den Konsensgeprächen haben. Dazu traf sich seit der letzten Bundeskonferenz mehrmals diese AG, aber noch vieles ist zu klären, z.B.:
Organisation einer gemeinsamen bundesweiten Kampagne - Sinnvoll wäre eine gemeinsame, ortsunabhängige Infrastruktur.
Wie gehen wir mit den Rücktransporten aus den abgeschalteten AKWs Rossendorf und Rheinsberg um?

AG Wie gehen wir um mit stillgelegten AKWs

Zum Redaktionsschluß lag noch keine Ankündigung vor.

AG EU-Gipfel/Weltwirtschaft

Um für den Gegengipfel in Köln Ende Mai Handlungsperspektiven und Einbringungsmöglichkeiten aufzuzeigen und zu entwickeln, sollen in dieser AG die notwendigen Wissensgrundlagen über die Zusammenhänge in der EU, die Einflußnahme der Lobbygruppen, u.a. auch derAtomlobby, die Verflechtung der Interessen zwischen Regierung und Wirtschaft und die Gefahren einer europaweiten Atompolitik (Technik-Export, Müllverschiebung,...). Darüber hinaus soll die Diskussion nicht an den Grenzen der EU enden, sondern auch z.B. Osteuropa einschließen.

AG Liberalisierung des Strommarktes

Wie soll die Anti-AKW-Bewegung auf die bereits beschlossene Liberalisierung des Strommarktes reagieren? Die Chancen und Risiken dieser Entwicklung sollen anhand einiger Beispiele erörtert werden.

AG Repression

Auch auf dieser Konferenz trifft sich die Anti-Repressions-AG. Wir beschäftigen uns mit der Repression gegen die Anti-AKW-Bewegung und treffen uns zur Zeit vier Mal im Jahr - zweimal davon auf den Konferenzen. Wir kommen aus 10 verschiedenen Gruppen und Zusammenhängen und arbeiten mehr oder weniger intensiv zu diesem Thema. Interessierte Menschen sind eingeladen, auf dem AG-Treffen vorbeizuschauen.

Bisher feststehende Themen sind u.a.:

  • Aktuelles zur Repression aus den Städten und Regionen
  • Festlegung von inhaltlichen Schwerpunkten für unsere Diskussion und Arbeit
  • Antirepressionsseiten der anti atom aktuell
  • Die in Berlin entstandene Idee zur Sammlung von Material über Prozesse, Urteile und polizeiliche Ermittlungen
  • Soli-Konten zur Unterstützung von Repression Betroffener
  • AG Standortinitiativen (am  Sonntag)
  • AG Flughafenerweiterung Frankfurt/Main

Das alles sind wie gesagt nur Anregungen und Vorschläge.

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Ende