Nr. 90
Reader zur Frühjahrskonferenz in Erfurt

aaa Nr. 90

40 Seiten
April 1998
Preis: 3,00 EUR

Inhaltsverzeichnis:

  • Reader zur Frühjahrskonferenz
    Einladung, Organisatorisches, Anfahrt
    AG-Übersicht, Ablauf, AG-Kurzvorstellungen
  • niX mehr!
    Gedanken zur Kampagne
    Castor Transporte automatisch erfassen
    Aus Krümmel färt niX mehr!
  • Internationales
    Uran aus Australien
    Meldungen
  • Diskussion
    52 Wochen hat das Jahr... für eine UAA-Kampagne
    Nicht jede Spiritualität ist Opium für das Volk - Erklärung von Gugensberger/Schweidlenka
  • Standorte
    Im Norden: Krümmel: Klage gescheitert
    Im Osten: Rheinsberg: Sonntagsspaziergang
    Im Süden: Garching: Heu geordert, Gundremmingen: Ausrangiert, Meldungen
    Im Westen: Gronau: Kapazitätserweiterung hintenrum
    In der Mitte: Schacht Konrad: bisher nicht genehmigt, Würgassen: im Abriß
  • Poli-Ticks
    Rot-Grüne Perspektiven für den Atomausstieg
    Wer mit wem Castor transportiert
    Siemens baut Atomkraftwerke
    Aufruf zur Antifa-Demo am 1. Mai in Leipzig
  • Kriminalisierung
    München: erst Daumen ausgerenkt, dann Datenmißbrauch mit dem Polizeicomputer
  • Kalenda
    Wichtige Termine auf einen Blick

Feuerprobe bestanden:

ARGUS-Meßanlage erfaßt Atomtransporte automatisch

Am 5. November war es endlich soweit: Der von uns entwickelten Meßanlage zur Überwachung von Atomtransponen ging ein Castor-Transport, mit zwei Behältern aus dem AKW Krümmel und drei Waggons aus der Atomanlage Emsland, ins Netz. Die hierbei abgegebene radioaktive Gammastrahlung erhöhte sich in 4 Metern Abstand um das Zwanzigfache der Umgebungsstrahlung. Ein weiterer Atomtransport am 12. November brachte es gar auf das Fünfundfünfzigfache der natürlichen Gammastrahlung!

Im Zeitraum zwischen dem 3. bis 12. November wurden auch drei kleinere Ereignisse, bis zum vierfachen der Umgebungsstrahlung registriert. Hier handelt es sich möglicherweise um Strahlenquellen oder radioaktiver Müll aus der Industrie und Krankenhäusern.

Wer ist gefährdet?

Die Höhe der radioaktiven Strahlung war auch für uns eine nicht eben positive Uberraschung, zeigt sie doch das Atomtransporte keineswegs so ungefährlich sind, wie von der Gegenseite immer wieder behauptet wird! Im wesentlichen betroffen sind hier Bahnarbeiter, LKW-Fahrer und Polizei, sowie Anwohner an Rangierbahnhöfen in direkter Nähe der Gleise auf denen Castor-Behälter für längere Zeit abgestellt werden, also alle Menschen die sich öfters und längere Zeit in der unmittelbaren Nähe (bis ca.30 Meter) der Castor-Behälter aufhalten. Das Gesundheitsrisiko wird aber nicht nur von der vom Behälter abgegebenen Gammastrahlung, sondern in erheblich höherem Maße von der emittierten Neutronenstrahlung verursacht. Sie ist etwa vier bis sechs mal höher als die Gammastrahlung! Als Maxime kann hier nur gelten sich so kurz wie möglich der Strahlung aussetzen und den Abstand zum Behälter so groß wie möglich zu wählen!!!

Für alle anderen Bevölkerungsgruppen wird der Castor nur im Falle eines Unfalls zur Gefahr. Angesichts der bisher aufgetretenen Güterzugunfälle und der Dichte der Atomtransporte von 60 bis 80 pro Jahr scheint uns ein Unfall mit Freisetzung von Radioakbvität aber früher oder später als durchaus wahrscheinlich.

Die neue Überwachungsanlage:

Bei unserer Meßanlage handelt es sich um eine extrem empfindliche und superschnelle Radioaktivitätsmeßanlage. Ein spezielles Programm erkennt innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde den vorbeifahrenden Zug an der von den Brennelementen abgegebenen Gammastrahlung und schreibt in der jetzigen Version eine Datei auf Festplatte und Diskette, in der sich die Meßdaten von einer Minuten vor und nach Vorbeifahrt des Zuges befinden. Anhand der Charakteristik der Strahlung kann nun zweifelsfrei der Transport radioaktiver Stoffe nachgewiesen werden. Ab Februar 1998 wird die Anlage auch in der Lage sein, einen vorbeifahrenden Zug mit Brennelementen sofort bei uns in Koblenz zu melden. Nach einer selbständigen mathematischen Plausibilitätsprüfung der Datei wird der Zentralrechner automatisch an wichtige Adressen eine entsprechende Faxnachricht versenden und so den Bürgerinitiativen und Kommunen ein sofortiges Handeln ermöglichen.

Zusätzlich zur Bahnüberwachung wird die Meßanlage auch zur Umgebungsüberwachung des AKW Mülheim-Kärlich eingesetzt. Sie legt einmal am Tag, eine Datei mit dem gleichen Format wie unsere anderen Umgebungsüberwachungsanlagen auch ab. Diese kann dann mit den vorhandenen Programmen ausgewertet werden.

Kosten und Technics

Die Kosten für die beschriebene Anlage wird etwa bei 15.000 DM für die reine Hardware mit den notwendigen kommerziellen Programmen betragen. Durch den Eigenbau der Meßelektronik und den Einsatz gebrauchter PCs (ab 386sx, 25 MHZ für den Meßrechner und ab einem einfachen 586er mit Windows 95 für den Zentralrechner), kann der Preis noch um 2 bis 4000 DM gesenkt werden.

Zum Betrieb der Anlage ist eine Gruppe oder Person nötig, die sich um die Wartung kümmert und in die Pysik und Auswertung der Meßdaten einarbeitet. Eine Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft Umgebungsüberwachung von Atomanlagen (AUA) ist wichtig. Bei der AUA handelt es sich um einen losen Zusammenschluß von BIs und Wissenschaftler, die um einzelne AKWs Meßnetze zur Umgebungsüberwachung, zumeist schon seit 15 Jahren, betreiben. In regelmäßigen Treffen (2 bis 3 mal jährlich) werden die Anlagen und Programme weiterentwickelt und Probleme thematisiert.

Die politische Bedeutung:

Die politische Brisanz bekommt unsere Entwicklung durch den Umstand, daß mit nur drei dieser Meßgeräte alle wichtigen Bahnstrecken ins Ausland überwacht werden können. Damit wären die Bürgerinitiativen in der Lage die Geheimhaltungspolitik der Bundesregierung zu durchbrechen und praktisch den gesamten Atommülltourismus zu kontrollieren!

Die von uns entwickelte Meßanlage ist mittlerweile ortsfest an der Bahnlinie zwischen Koblenz und Cochem installiert und gestattet somit die Überwachung von einer der drei Hauptstrecken. Außerdem sind wir dabei auch andere Gruppen für diese Art der Castor-Überwachung zu gewinnen, so konnte bereits eine Firma gefunden werden, die unsere Anlage bauen und vertreiben wird.

Für die Öffentlichkeitsarbeit und zur Weiterentwicklung haben wir bereits eine zweite, jedoch nicht ganz so empfindliche Meßanlage aufgebaut, die wir beim Koblenzer-Umwelttag im Oktober zu Demonstrationszwecken nutzen konnten.

Die bisherige Umsetzung des Projekts hat unsere finanziellen Mittel stark angegriffen, wir möchten Sie daher noch einmal um Ihre Unterstützung bitten!

Wer dies in finanzieller Weise tun möchte kann bei uns Mitglied werden, oder bei der Sparkasse Koblenz, BLZ.: 570 501 20, Spendenkonto-Nr.:92641, gegen Erhalt einer Spendenquittung einen Betrag einzahlen (Bitte die komplette Anschrift auf dem Einzahlungsschein angeben, da wir sonst nicht nachvollziehen können woher die Spende kommt).

Kontakt:

ARGUS e.V.
Friedrich-Ebert-Ring 44
56 068 Koblenz
Tel.: 0261/38410

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